Öl­ka­ta­stro­phe bringt auch Chan­cen

Hö­he­re Si­cher­heits­stan­dards für Off­s­hore­boh­run­gen ge­ne­rie­ren neue Ge­schäf­te für Öl­feld­dienst­leis­ter und - aus­rüs­ter

Finanz und Wirtschaft - - AUSLAND - MAR­TIN GOLLMER

Die Öl­ka­ta­stro­phe im Golf von Me­xi­ko hat auch Fol­gen für die Öl­feld­dienst­leis­ter und -aus­rüs­ter. Das sechs­mo­na­ti­ge Mo­ra­to­ri­um für neue Tief­see­boh­run­gen im Golf, das US-Prä­si­dent Ba­rack Oba­ma En­de Mai ver­hängt hat, schränkt zu­min­dest kurz­fris­tig ih­re Ver­dienst­mög­lich­kei­ten ein. Doch län­ger­fris­tig ste­hen die Ge­schäfts­chan­cen gut. Die hö­he­ren Si­cher­heits­an­for­de­run­gen an Boh­run­gen im Meer (Off­s­hore Dril­ling), die Oba­ma eben­falls an­ge­kün­digt hat, ma­chen neue Di­enst­leis­tun­gen und ver­bes­ser­te Aus­rüs­tung not­wen­dig.

Wie hoch der Ver­dienst­aus­fall für die Öl­feld­dienst­leis­ter und -aus­rüs­ter sein wird, hängt da­von ab, wie lan­ge das Mo­ra­to­ri­um schliess­lich dau­ert. Da 85% der ver­mu­te­ten Öl­re­ser­ven der USA in Küs­ten­ge­wäs­sern wie dem Golf von Me­xi­ko la­gern, dürf­te aus dem Mo­ra­to­ri­um kein de­fi­ni­ti­ver Bann von Tief­see­boh­run­gen wer­den. Auch die Ab­hän­gig­keit der öf­fent­li­chen Hand von Ab­ga­ben auf der Öl­ex­plo­ra­ti­on und -pro­duk­ti­on las­sen er­war­ten, dass das Bohr­ver­bot wie­der auf­ge­ho­ben wird.

Da das Mo­ra­to­ri­um vor­läu­fig bis En­de No­vem­ber dau­ert, wer­den die Re­sul­ta­te der Öl­feld­dienst­leis­ter und -aus­rüs­ter zu­min­dest in der zwei­ten Jah­res­hälf­te 2010 dar­un­ter lei­den. Tim Par­ker, Ener­gie­ana­lyst in Di­ens­ten von T. Ro­we Pri­ce, schätzt, dass ihr Ge­winn pro Ak­tie zwi­schen 5 und

Ak­ti­en­kur­se kräf­tig ge­fal­len 15% tie­fer aus­fal­len dürf­te – je nach­dem, wel­chen An­teil ih­res Ge­schäfts sie im Golf von Me­xi­ko ab­wi­ckeln (vgl. Ta­bel­le). Die Ana­lys­ten von Gold­man Sachs, die den Ein­fluss des sechs­mo­na­ti­gen Mo­ra­to­ri­ums auf die drei füh­ren­den Öl­ser­vice­ge­sell­schaf­ten Schlum­ber­ger, Hal­li­bur­ton und Ba­ker Hug­hes un­ter­sucht ha­ben, pro­gnos­ti­zie­ren ih­nen ei­ne Ge­winn­ein­bus­se von 3,2 (Schlum­ber­ger) re­spek­ti­ve 7% (Hal­li­bur­ton und Ba­ker Hug­hes).

Die Ak­ti­en der Öl­feld­dienst­leis­ter und -aus­rüs­ter ha­ben kräf­tig auf die ver­schlech­ter­ten Ver­dienst­mög­lich­kei­ten re­agiert. Sie sind seit dem ver­gan­ge­nen 20. April, als sich auf der Bohr­in­sel «Deep­wa­ter Ho­ri­zon» ei­ne Ex­plo­si­on er­eig­ne­te, die zum Un­ter­gang der Platt­form und zu ei­ner gi­gan­ti­schen Öl­pest führ­te, zwi­schen 20 und 36% ge­fal­len (vgl. Ta­bel­le). Die Gold­man-Ana­lys­ten hal­ten die­se Re­ak­ti­on in den meis­ten Fäl­len für «über­ris­sen». Der US-Bör­sen­leit­in­dex S&P 500 hat im sel­ben Zei­t­raum 13% nach­ge­ge­ben.

Gu­te Ein­stiegs­mög­lich­kei­ten

Die kräf­ti­gen Kurs­ein­bus­sen bie­ten Ein­stiegs­mög­lich­kei­ten – je­den­falls für lang­fris­tig ori­en­tier­te An­le­ger. Denn auf ein, zwei Jah­re hin­aus tun sich den Öl­feld­dienst­leis­tern und -aus­rüs­tern dank der Öl­ka­ta­stro­phe neue Ge­schäfts­chan­cen auf. Grund da­für sind die Si­cher­heits­an­for­de­run­gen an Off­s­hore­boh­run­gen, wel­che die USA er­hö­hen wol­len. Es wer­den neue Bohr­ver­fah­ren und neue Bohr­loch­si­che­rungs­mass­nah­men zur An­wen­dung kom­men, zu­sätz­li­che In­spek­tio­nen und War­tun­gen ge­for­dert sein und ver­bes­ser­tes Ge­rät zum Ein­satz ge­lan­gen. Die hö­he­ren Si­cher­heits­stan­dards wer­den wahr­schein­lich nicht auf die Ver­ei­nig­ten Staa­ten be­schränkt blei­ben, son­dern Nach­ah­mer in an­de­ren Län­dern fin­den, die nach Öl im Meer boh­ren las­sen. Das wird die Ge­schäfts­chan­cen der Öl­feld­dienst­leis­ter und -aus­rüs­ter welt­weit ver­bes­sern.

Ein Bei­spiel neu­er An­for­de­run­gen be­trifft die Fas­sung des Bohr­lochs bei Off­s­hore­boh­run­gen. Vor­gän­gig zu der Ex­plo­si­on auf der «Deep­wa­ter Ho­ri­zon» soll es Pro­ble­me mit die­ser Fas­sung ge­ge­ben ha­ben. Es wird des­halb neue Vor­schrif­ten für das De­sign und die Si­cher­heit der Fas­sung, den Pro­zess des Ze­men­tie­rens und die Schu­lung des Per­so­nals ge­ben. Welt­weit gröss­ter Er­brin­ger von Di­enst­leis­tun­gen rund um Bohr­loch­fas­sun­gen ist Hal­li­bur­ton.

Auf dem Bohr­loch sitzt ein Ge­rät mit ei­ner Rei­he von Si­cher­heits­ven­ti­len (Blo­wout Preven­ter), die im Not­fall den Aus­tritt von Öl und Gas stop­pen sol­len. Der Ap­pa­rat hat beim Un­fall auf der «Deep­wa­ter Ho­ri­zon» nicht funk­tio­niert. Er­war­tet wird, dass neue Vor­ga­ben für die Kon­struk­ti­on und den Un­ter­halt die­ses Ge­räts ge­macht wer­den und al­te Ap­pa­ra­te nach-

Zen­tra­le auf ei­nem Bohr­schiff ge­rüs­tet oder er­setzt wer­den müs­sen. Füh­ren­de Her­stel­ler sind Ca­me­ron In­ter­na­tio­nal und Na­tio­nal Oil­well Var­co.

Ge­frag­te Un­ter­was­ser­r­o­bo­ter

Die Be­mü­hun­gen zur Schlies­sung des le­cken Bohr­lochs auf dem Mee­res­grund im Golf von Me­xi­ko ha­ben die Wich­tig­keit von fern­ge­steu­er­ten Un­ter­see­boo­ten und -ro­bo­tern (Re­mo­te­ly Ope­ra­ted Ve­hi­cles) für die Durch­füh­rung von Off­s­hore­boh­run­gen un­ter­stri­chen. Wich­tigs­te An­bie­ter sol­cher Ve­hi­kel sind Ocea­nee­ring In­ter­na­tio­nal und Sub­sea 7.

Von neu­en An­for­de­run­gen an das Bohr­ge­rät, die ei­nen Nach­rüs­tungs-und Er­satz­be­darf aus­lö­sen, wer­den FMC Tech­no­lo­gies und Dril-Quip pro­fi­tie­ren. Die um­fang­rei­chen Säu­be­rungs-und Auf­räum­ar­bei­ten, wel­che die Öl­pest im Golf von Me­xi­ko not­wen­dig macht, wer­den Horn­beck Off­s­hore Ser­vices und Su­pe­ri­or Ener­gy Ser­vices Ar­beit brin­gen. Horn­beck be­treibt ei­ne Flot­te von Ver­sor­gungs­schif­fen und hat be­gon­nen, sie zur Be­kämp­fung des Öl­tep­pichs um­zu­dis­po­nie­ren. Su­pe­ri­or Ener­gy bie­tet Di­enst­leis­tun­gen beim Ver­schlies­sen von Bohr­lö­chern und der Auf­ga­be von Öl­fel­dern an.

zur Fern­steue­rung ei­nes Un­ter­was­ser­ve­hi­kels von Sub­sea 7.

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