Be­trugs­pro­zess in Paris er­öff­net

Finanz und Wirtschaft - - AUSLAND - GW

Mehr als zwei Jah­re, nach­dem Jé­rô­me Ker­viel der So­cié­té Gé­né­ra­le (SocGen) mit sei­nen be­trü­ge­ri­schen Ge­schäf­ten ei­nen Ver­lust von 4,9 Mrd. € be­schert hat­te, hat am Di­ens­tag im Straf­ge­richt von Paris der mit Span­nung er­war­te­te Pro­zess ge­gen den ehe­ma­li­gen Händ­ler be­gon­nen. Dem 33-Jäh­ri­gen wer­den Ver­un­treu­ung, Do­ku­men­ten­fäl­schung und Ma­ni­pu­la­ti­on von Com­pu­ter­da­ten vor­ge­wor­fen. Wäh­rend sei­ner An­stel­lung bei der fran­zö­si­schen Gross­bank hat­te Ker­viel un­ge­si­cher­te Ter­min­kon­trak­te für bis zu 50 Mrd.€ ge­kauft, um auf Ak­ti­en­in­di­zes zu spe­ku­lie­ren. Ihm dro­hen nun bis zu fünf Jah­re Haft und 375 000 € Buss­geld. Zu­dem for­dert sein frü­he­rer Ar­beit­ge­ber, der im Pro­zess als Zi­vil­par­tei auf­tritt, von Ker­viel ei­ne mil­li­ar­den­schwe­re Ent­schä­di­gung.

Ker­viel will auf Frei­spruch plä­die­ren. Sein An­walt Oli­vier Metz­ner kün­dig­te an, neue In­for­ma­tio­nen prä­sen­tie­ren zu wol­len. Metz­ner ist ei­ner der re­nom­mier­tes­ten Straf­ver­tei­di­ger Frank­reichs, der zahl­rei­che Wirt­schafts­grös­sen zu sei­nen Man­dan­ten zählt. Er wird ver­su­chen zu be­wei­sen, dass die Vor­ge­setz­ten Ker­viels über des­sen Ge­schäf­te auf dem Lau­fen­den wa­ren, aber nicht ein­ge­schrit­ten sind. Die SocGen wird sich wäh­rend des auf drei Wo­chen an­ge­setz­ten Pro­zes­ses die Fra­ge ge­fal­len las­sen müs­sen, war­um in­ter­ne Kon­trol­len ver­sagt ha­ben. So stell­te sich im Zu­ge des Un­ter­su­chungs­ver­fah­rens her­aus, dass Ker­viel in in­ter­nen und ex­ter­nen Kon­troll­stel­len sieb­zig­mal Alarm aus­ge­löst hat­te, die Bank aber un­tä­tig blieb. Die fran­zö­si­sche Ban­ken­kom­mis­si­on hat­te SocGen dar­um zu ei­ner Stra­fe von 4 Mio.€ ver­ur­teilt. Zu­dem muss­te Da­ni­el Bou­ton, der da­ma­li­ge Chef der Fi­nanz­in­sti­tuts, kurz nach Auf­flie­gen der Af­fä­re sei­nen Hut neh­men, ge­nau wie an­de­re Ma­na­ger.

Die So­cié­té Gé­né­ra­le will der­weil be­wei­sen, dass Ker­viel ein Ein­zel­tä­ter war. Es dürf­te je­doch schwie­rig wer­den, ihn al­lein für den Ver­lust von 4,9 Mrd.€ ver­ant­wort­lich zu ma­chen, da sei­ne Po­si­tio­nen le­dig­lich ein Mi­nus von 1,4 Mrd.€ aus­wie­sen, als die Bank sie En­de Ja­nu­ar 2008 über­nahm und auf­lös­te. Soll­te sich her­aus­stel­len, dass Ker­viels Vor­ge­setz­te von sei­nen Ge­schäf­ten wuss­ten, wür­de dies den Ruf der Bank wei­ter schä­di­gen. Im Stra­te­gie­plan «Am­bi­ti­on 2015», den So­cié­té Gé­né­ra­le nächs­te Wo­che vor­stel­len will, dürf­te die Stär­kung der Ri­si­ko­kon­trol­len denn auch ein zen­tra­les The­ma sein.

Zu­sätz­lich zu dem Pro­zess könn­ten Ge­rüch­te über neue Ver­lus­te im De­ri­vat­ge­schäft die Ti­tel der SocGen be­las­ten. In­ves­to­ren be­fürch­ten zu­dem ei­ne star­ke Ex­po­si­ti­on der Bank in Grie­chen­land und Ost­eu­ro­pa. Am Di­ens­tag ga­ben SocGen bis zu 4% auf 29.98 € nach.

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