Asi­ens Volks­wirt­schaf­ten sind gut ge­wapp­net

Die jun­gen Schwel­len­märk­te sind deut­lich kri­sen­re­sis­ten­ter als vor zehn Jah­ren – An den Bör­sen zu hart ab­ge­straft

Finanz und Wirtschaft - - AUSLAND - ERNST HERB,

Die Volks­wirt­schaf­ten der jun­gen asia­ti­schen Wachs­tums­märk­te ha­ben die glo­ba­le Fi­nanz­markt­kri­se hin­ter sich ge­las­sen. Mit ei­nem von der Asia­ti­schen Ent­wick­lungs­bank ADB für das lau­fen­de Jahr ge­schätz­ten Wachs­tum von rund 7% ex­pan­die­ren sie wie­der so schnell wie vor dem Aus­bruch der Welt­wirt­schafts­re­zes­si­on. An­ders prä­sen­tiert sich die La­ge an den re­gio­na­len Fi­nanz­märk­ten. Mit Aus­nah­me der aus­ser­ge­wöhn­lich ro­bus­ten Bör­se In­do­ne­si­en no­tie­ren die Haupt­in­di­zes der asia­ti­schen Ak­ti­en­märk­te wei­ter­hin 30 bis 50% un­ter ih­rem Höchst vom Herbst 2008.

In den ver­gan­ge­nen Ta­gen hat die Sor­ge über die Sta­bi­li­tät des Eu­ro und ei­ne nur schlep­pen­de Er­ho­lung der USWirt­schaft in Asi­en – wie an­ders­wo in der Welt – für er­heb­li­che Markt­vo­la­ti­li­tät und Kurs­kor­rek­tu­ren ge­sorgt. Denn mit der Schul­den­kri­se in den pe­ri­phe­ren eu­ro­päi­schen Staa­ten ist die Ri­si­ko­aver­si­on in­ter­na­tio­na­ler in­sti­tu­tio­nel­ler In­ves­to­ren ge­gen­über asia­ti­schen Schwel­len­län­dern ge­stie­gen. Die Märk­te schei­nen die­se ex­ter­nen Fak­to­ren sehr viel hö­her zu ge­wich­ten, als sie die gu­te bin­nen­wirt­schaft­li­che Ver­fas­sung der asia­ti­schen Län­der der­zeit schät­zen wür­den.

Re­gio­na­ler Han­del stützt

Die in Asi­en kräf­ti­gen Kurs­ab­ga­ben der ver­gan­ge­nen Wo­chen schei­nen al­ler­dings ei­ne Über­re­ak­ti­on zu sein. Zwar trifft es zu, dass die jun­gen asia­ti­schen Wachs­tums­märk­te wei­ter er­heb­lich vom Ex­port ab­hän­gig sind, wäh­rend ih­re Aus­fuh­ren nach den Ver­ei­nig­ten Staa­ten nach wie vor deut­lich un­ter dem Stand von Mit­te 2008 no­tie­ren. Falls nun der eu­ro­päi­sche Wirt­schafts­raum we­gen der Schul­den­pro­ble­me al­len vor­an der süd­eu­ro­päi­schen Staa­ten in die Re­zes­si­on fällt, wür­de das in den asia­ti­schen Wachs­tums­märk­ten ge­wiss Brems­spu­ren hin­ter­las­sen. Aber die glo­ba­le Fi­nanz­kri­se hat in Asi­en auch ei­nen seit Jah­ren lau­fen­den Struk­tur­wan­del be­schleu­nigt, der die­se Schwel­len­län­der zu­neh­mend ge­gen ex­ter­ne Schocks schützt.

Der Kon­ti­nent ist heu­te dank ei­nes ra­sant wach­sen­den in­ner­asia­ti­schen Han­dels weit we­ni­ger vom Ex­port nach Eu­ro­pa oder den USA ab­hän­gig als noch vor zehn Jah­ren. Trei­ben­de Kraft da­für ist vor al­lem der rasch wach­sen­de Bin­nen­kon­sum in der Volks­re­pu­blik Chi­na. Das war der Haupt­grund da­für, dass roh­stoff­rei­che Län­der wie In­do­ne­si­en und Aus­tra­li­en die Re­zes­si­on ei­ni­ges schnel­ler ab­schüt­teln konn­ten als ih­re Nach­barn.

Po­li­ti­sche Ri­si­ken

Die asia­ti­schen Volks­wirt­schaf­ten be­fin­den sich nicht zu­letzt des­halb auf ei­nem so­li­den Wachs­tums­pfad, weil die Staa­ten, die Un­ter­neh­men wie die Pri­vat­haus­hal­te, ih­re Fi­nan­zen im Griff ha­ben. Denn die Re­gi­on durch­lief 1997/98 ei­ne Schul­den­kri­se, auf die tief grei­fen­de Re­for­men folg­ten. Selbst nach­dem Staa­ten wie Chi­na, In­di­en und Ma­lay­sia En­de 2008 zur Stüt­zung des Wachs­tums mas­si­ve Kon­junk­tur­pa­ke­te schnür­ten, sind die­se Län­der weit we­ni­ger hoch ver­schul­det, als es die USA, Ja­pan oder Deutsch­land vor Aus­bruch der glo­ba­len Fi­nanz­markt­kri­se wa­ren.

Das trifft auch auf die Un­ter­neh­men zu, die in Fol­ge ei­ner nach 1998 nur zu­rück­hal­ten­den Kre­dit­ver­ga­be der Ban­ken ih­re Ex­pan­si­on vor­wie­gend mit Ei­gen­mit­teln fi­nan­zier­ten. Die Pri­vat­haus­hal­te in den jun­gen asia­ti­schen Wachs­tums­märk­ten wie­der­um wei­sen ei­ne ho­he Spar­ra­te auf. Das macht die Re­gi­on sehr fle­xi­bel, wie das die ver­gan­ge­nen zwei Jah­re ge­zeigt ha­ben, als ei­ne nach­las­send ex­ter­ne Nach­fra­ge durch ei­nen ra­sant ge­stie­ge­nen Bin­nen­kon­sum auf­ge­fan­gen wer­den konn­te.

Trotz der an­hal­ten­den Un­wäg­bar­kei­ten in Eu­ro­pa und den Ver­ei­nig­ten Staa­ten dürf­te da­mit die wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung in Asi­en vor­läu­fig sta­bil ver­lau­fen. Die­sem Sze­na­rio könn­te al­len­falls ei­ne un­er­war­tet kräf­tig an­zie­hen­de Teue­rung ei­nen Strich durch die Rech­nung ma­chen. Ei­ne ge­wis­se In­fla­ti­ons­ge­fahr geht von den hö­he­ren Le­bens­mit­tel­prei­sen wie von den stei­gen­den Löh­nen aus. Da­mit nimmt die Wahr­schein­lich­keit zu, dass die asia­ti­schen Zen­tral­ban­ken frü­her als er­war­tet von der Po­li­tik des güns­ti­gen Gel­des abrü­cken wer­den. Hand­kehrum sor­gen hö­he­re Le­bens­mit­tel­prei­se in den länd­li­chen Ge­bie­ten für stei­gen­de Ein­kom­men und da­mit auch ei­nen an­zie­hen­den Kon­sum (vgl. Ar­ti­kel oben). Den­sel­ben Ef­fekt könn­ten die Lohn­stei­ge­run­gen in den ver­ar­bei­ten­den In­dus­tri­en auch in den städ­ti­schen Ge­bie­ten ha­ben.

Un­an­ge­neh­me Über­ra­schun­gen könn­ten al­len­falls auch von der po­li­ti­schen Sei­te kom­men. Mit ei­ner an­hal­tend ho­hen Ar­beits­lo­sig­keit in den tra­di­tio­nel­len In­dus­trie­staa­ten et­wa wächst der Ruf nach Ab­schot­tung der Märk­te. In der ko­rea­ni­schen Halb­in­sel wie­der­um sind die Span­nun­gen nach der Ver­sen­kung ei­nes Schif­fes der süd­ko­rea­ni­schen Ma­ri­ne durch ei­nen wahr­schein­lich in Nord­ko­rea her­ge­stell­ten Tor­pe­do er­heb­lich ge­stie­gen. Es wird sich wei­sen, ob das Pro­blem auf di­plo­ma­ti­schem Weg ge­löst wer­den kann. Doch soll­ten die­se Span­nun­gen zwi­schen Nord-und Süd­ko­rea so­wie wei­te­re po­li­ti­sche Pro­ble­me et­wa in Thai­land zu aus­ge­wach­se­nen Kon­flik­ten es­ka­lie­ren, wür­den die­se Schock­wel­len durch ganz Asi­en aus­sen­den.

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