G-20 be­kräf­tigt Ba­sel III

Be­kennt­nis zur Um­set­zung des neu­en Auf­sichts­re­gimes – Glo­ba­le Ban­k­ab­ga­be vom Tisch

Finanz und Wirtschaft - - AUSLAND - Clifford Padevit,

Am An­fang hat­ten noch al­le am ­sel­ben Strick ge­zo­gen. Die in der Grup­pe der zwan­zig füh­ren­den Wirt­schafts­na­tio­nen (G-20) ver­ein­ten Län­der ver­spra­chen sich, sämt­li­che Mass­nah­men zur Be­kämp­fung der Re­zes­si­on und die Vor­ha­ben zur Re­gu­lie­rung von ­Fi­nanz­in­sti­tu­ten ein­heit­lich und ko­or­di­niert an­zu­ge­hen. Nun zei­gen sich Ris­se. In den USA wer­den neue Ge­set­ze für Ban­ken ein­ge­führt – an den G-20-Län­dern vor­bei. Und die Auf­fas­sun­gen der G-20-Fi­nanz­mi­nis­ter über Mass­nah­men, wie das Fi­nanz­sys­tem zu si­chern sei, ge­hen weit aus­ein­an­der.

Kon­kret ha­ben die na­tio­na­len Kas­sen­war­te am ver­gan­ge­nen Wo­che­n­en­de ei­ne ein­heit­li­che glo­ba­le Ban­k­ab­ga­be, wie sie der In­ter­na­tio­na­le Wäh­rungs­fonds vor­schlug, ver­wor­fen. Nach die­sem Mo­dell hät­ten die Ban­ken ei­nen Sta­bi­li­täts­fonds bil­den müs­sen. Da­mit ist es den Län­dern über­las­sen, ob und wie sie Ban­ken für ver­gan­ge­ne oder künf­ti­ge Stüt­zungs­mass­nah­men mit öf­fent­li­chen Gel­dern be­zah­len las­sen. Selbst in­ner­halb der EU ge­hen die Vor­stel­lun­gen über ei­ne Ban­k­ab­ga­be aus­ein­an­der. Un­klar ist, was mit der Idee des Net­zes von Sta­bi­li­täts­fonds der ein­zel­nen EU-Län­der wird. Gross­bri­tan­ni­en führt un­ge­ach­tet des­sen ei­ne Ban­k­ab­ga­be ein (vgl. Text­kas­ten). In Deutsch­land und Frank­reich ist ei­ne in Pla­nung, Schwe­den hat sie be­reits ein­ge­führt.

Ähn­li­ches Schick­sal?

Hin­ge­gen ha­ben die G-20-Fi­nanz­mi­nis­ter dem Bas­ler Ko­mi­tee für Ban­kauf­sicht den Rü­cken ge­stärkt. Im Schluss­pro­to­koll des G-20-Tref­fens wird das Ba­sel III get­auf­te Werk mit Vor­schrif­ten zu Ka­pi­tal und Li­ qui­di­tät der Ban­ken als Kern der Re­form­agen­da be­zeich­net. 2012 gilt neu als Start­zeit­punkt für die Im­ple­men­tie­rung; es ist al­so doch mit gross­zü­gi­gen Über­gangs­zei­ten zu rech­nen. Er­staun­lich schwach ist je­doch das Be­kennt­nis for­mu­liert, die schär­fe­ren Re­geln in al­len Län­dern gleich und un­ver­än­dert ein­zu­füh­ren. Es be­steht al­so die Ge­fahr, dass Ba­sel III, wie sein ­Vor­gän­ger, auf na­tio­na­ler Ebe­ne zahl­rei­ che An­pas­sun­gen er­fährt, wo­mit glei­che Spies­se im Wett­be­werb ei­ne Il­lu­si­on blei­ben. Die Cre­dit Suis­se schreibt da­zu in ih­rem Kom­men­tar zu Ba­sel III: «Zu oft wur­den die heh­ren Zie­le des Bas­ler Ko­mi­tees von na­tio­na­len Re­ge­lun­gen un­ter­lau­fen, was zu ei­ner teil­wei­sen Um­set­zung führ­te – oder da­zu, dass die Re­geln gar nicht ein­ge­führt wur­den (z. B. Ba­sel II in den USA).» Gut mög­lich, dass dem Nach­fol­ger von Ba­sel II ein ähn­li­ches Schick­sal droht. Auch ist schwer vor­stell­bar, dass Chi­na oder In­di­en sich vor­schrei­ben lässt, wie es sei­ne Ban­ken zu füh­ren hat.

Jetzt sind wie­der die Ban­ker am Zug. Sie tref­fen sich die­se Wo­che zur Kon­fe­renz ih­res Welt­ver­bands, des IIF. Bis­lang ha­ben sie auf der tech­ni­schen Ebe­ne ar­gu­men­tiert und mo­niert, die neu­en Ka­pi­ta­lund Li­qui­di­täts­re­geln wie­sen gros­se Feh­ler auf. Im Rah­men der Kon­fe­renz wird der IIF ei­nen Be­richt vor­le­gen, der die wirt­schaft­li­chen Fol­gen der Re­gu­lie­rung zei­gen soll. Schät­zun­gen, wie viel Wachs­tum Ba­sel III die Welt­wirt­schaft kos­tet, ­ge­hen – je nach In­ter­es­sen­la­ge – weit aus­ein­an­der: von ei­nem hal­ben bis zu fünf Pro­zent­punk­ten.

Mit Bank­an­la­gen zu­war­ten

Für An­le­ger ist es zu früh, Schlüs­se zu zie­hen. Auch Ana­lys­ten sind frus­triert. Si­mon Sa­mu­els von Bar­clays Ca­pi­tal schreibt, Be­rech­nun­gen der künf­ti­gen Ka­pi­tal-und Li­qui­di­täts­ver­hält­nis­se wür­den kaum et­was brin­gen. Denn un­ter den jetzt ge­plan­ten Re­geln wür­de die be­deu­ten­de fran­zö­si­sche Bank Cré­dit Ag­ri­co­le mit null Pro­zent Kern­ka­pi­tal en­den, was kaum im ­In­ter­es­se der Re­gu­la­to­ren ist. Zu­dem wür­de in Eu­ro­pa nur Stan­dard Char­te­red das neue Li­qui­di­täts­re­gime er­fül­len. Mit An­pas­sun­gen ist zu rech­nen.

Oh­ne die De­tails von Ba­sel III be­steht Un­ge­wiss­heit. Die Fol­ge da­von ist ei­ne An­glei­chung der Be­wer­tun­gen (vgl. Gra­fik). Seit dreis­sig Jah­ren wa­ren die Be­wer­tun­gen der Bank­ti­tel ge­mes­sen am Buch­wert (oh­ne Good­will) nicht mehr so na­he bei­sam­men. Seit 1980 be­trug der Durch­schnitt 1,4, mit gros­sen Un­ter­schie­den in den ein­zel­nen De­ka­den. Ei­ne der­mas­sen ein­heit­li­che Be­wer­tung der Bank­pa­pie­re ist kaum ge­recht­fer­tigt.

Für den Bro­ker Evo­lu­ti­on ist das ei­ne Chan­ce: Der Zu­sam­men­bruch der Eu­ro­zo­ne sei das ein­zi­ge Sze­na­rio, in dem mit Bank­ak­ti­en in den nächs­ten zwölf Mo­na­ten nichts zu ver­die­nen wä­re, heisst es in ei­ner Sek­tor­stu­die. Was die An­le­ger von Bank­ti­teln hal­ten, drü­cken die Kur­se aus. Im lau­fen­den Jahr gibt es kei­ne Bran­che, die schlech­ter lief. Der Grund da­für sind die Be­den­ken über die Staats­schul­den in der Eu­ro­zo­ne und die An­ste­ckungs­ge­fahr für Ban­ken, die ent­spre­chen­de Staats­an­lei­hen hal­ten. Fa­zit: Die Zeit ist noch nicht reif, wie­der in Bank­va­lo­ren an­zu­le­gen.

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