Schweiz baut auf star­ke De­fen­si­ve

Der Fa­vo­rit Ge­rin­ge Staats­ver­schul­dung und sta­bi­le Wäh­rung bil­den gu­te Grund­la­ge – En­ge Ver­net­zung mit dem Aus­land als wei­te­rer Er­folgs­ga­rant

Finanz und Wirtschaft - - AUSLAND - WOLF­GANG GAM­MA

Im Fussball kommt der Schweiz ei­ne Aus­sen­sei­ter­rol­le zu, aus wirt­schaft­li­cher und an­la­ge­tech­ni­scher Sicht fällt das Ur­teil an­ders aus. Die Wirt­schafts­leis­tung und auch der Markt­wert der an der SIX ko­tier­ten Un­ter­neh­men sind über­durch­schnitt­lich im Ver­gleich zur Grös­se des Lan­des und sei­ner Be­völ­ke­rung.

Auf­fal­lend – und men­ta­li­täts­mäs­sig kaum zu­fäl­lig – sind aber die Par­al­le­len des Schwei­zer Fuss­balls re­spek­ti­ve der Na­tio­nal­mann­schaft mit der Ge­samt­wirt­schaft. Bei­de zeich­nen sich durch star­ke De­fen­si­ve und nicht durch Of­fen­siv­geist aus: Rou­ti­nier­te Ver­tei­di­ger und ein Klas­se­tor­hü­ter bil­den das Rück­grat des Teams; an der Bör­se üben die de­fen­si­ven Bran­chen Phar­ma und Nah­rungs­mit­tel die­se Funk­ti­on aus. Erst recht, seit die Fi­nanz­ti­tel nach Mil­li­ar­den ver­schlin­gen­den Es­ka­pa­den die gel­be Kar­te er­hal­ten ha­ben. Da­für sind of­fen­si­ve Tech­no­lo­gie-und an­de­re Wachs­tums­wer­te un­ter­ver­tre­ten.

Ei­ne wei­te­re Par­al­le­le ist die pro­mi­nen­te Rol­le des Ex­ports: Die Wirt­schaft er­zielt die Hälf­te des Um­sat­zes im Aus­land und ist dort auch Zu­lie­fe­rer wich­ti­ger Bran­chen (z. B. Au­to-und Ma­schi­nen­bau). Spit­zen­fuss­bal­ler fin­den im­mer öf­ter den Weg ins Aus­land. Die für die WM in Süd­afri­ka auf­ge­bo­te­nen Spie­ler ki­cken meist in gros­sen eu­ro­päi­schen Li­gen.

Re­spek­ta­bles Wachs­tum

Der Wirt­schafts­er­folg ba­siert auf so­li­den Grund­wer­ten wie nied­ri­ger Ver­schul­dung und ge­rin­ger Ar­beits­lo­sen­ra­te. Die öf­fent­li­che Hand war En­de 2009 in der Hö­he von 41,3% des Brut­to­in­land­pro­dukts (BIP) ver­schul­det, die Ar­beits­lo­sen­quo­te be­trug En­de April 4%. Das sind, ver­gli­chen mit den OECD-Län­dern und den EU-Staa­ten, aus­ge­spro­chen nied­ri­ge Wer­te. Grup­pen- geg­ner Spa­ni­en kann da­von nur träu­men – eben­so wohl Hel­ve­ti­ens Fuss­bal­ler von ei­nem Sieg über den Eu­ro­pa­meis­ter. Ei­ne nied­ri­ge Staats­quo­te (trotz wach­sen­der So­zi­al­aus­ga­ben) und die sta­bi­le Wäh­rung sind wei­te­re Trümp­fe der Volks­wirt­schaft.

Im ers­ten Quar­tal 2010 ist das BIP um 0,4% ge­wach­sen, für das gan­ze Jahr lau­ten die Pro­gno­sen auf 0,9 bis 2,5%. Für 2011 lie­gen die Er­war­tun­gen leicht hö­her. Kei­ne stür­mi­sche Ent­wick­lung, aber ei­ne re­spek­ta­ble. Der von Cre­dit Suis­se er­ho­be­ne Ein­kaufs­ma­na­ger­index no­tier­te im Mai ein neu­es Höchst. Er liegt seit Herbst über dem Wachs­tum an­zei­gen­den Wert. Der Form­stand der meis­ten Un­ter­neh­men ist bes­ser als vor Jah­res­frist. Kos­ten wur­den ge­senkt, die Fi­nan­zie­rung ge­si­chert. Lau­ter Si­gna­le, die ei­nen freund­li­chen Bör­sen­trend stüt­zen soll­ten.

Il­lus­tre Bör­sen­elf

Wer ge­hört nun aber zur Schwei­zer Bör­sen­elf, auf wel­che Ti­tel kön­nen In­ves­to­ren set­zen? Phar­ma­rie­se Ro­che hat ei­nen Platz auf si­cher, eben­so die di­vi­den­den­star­ke Swiss­com. Das Ar­gu­ment gilt auch für Zu- rich FS. Aus dem Fi­nanz­sek­tor ist Va­li­ant zu no­mi­nie­ren. Die Re­tail­bank ar­bei­tet kon­stant, oh­ne Aus­land­ri­si­ko ist die Feh­ler­quo­te ge­ring. Kon­stanz zeich­net auch Ga­le­ni­ca aus. ABB pro­fi­tiert vom In­fra­struk­tur­be­darf der auf­stre­ben­den Märk­te. Trümp­fe von SGS sind die Di­ver­si­fi­ka­ti­on und der an­zie­hen­de Welt­han­del. Et­was Glanz ver­spre­chen die wie­der ge­frag­ten Lu­xus­gü­ter von Ri­che­mont. Hör­ge­rä­te­her­stel­ler So­no­va und In­dus­trie­zu­lie­fe­rer Ko­max re­prä­sen­tie­ren In­no­va­ti­ons­freu­de un­ter dem Ti­tel «klein, aber fein». Die Ka­pi­täns­bin­de steht Nest­lé zu (vgl. Kas­ten).

WM-SE­RIE TEIL 8/8

Fuss­ball­kids re­gie­ren wie­der die Plät­ze in den Al­pen­re­sorts. Die WM-Teil­neh­mer sind nach ih­ren Hö­hen­trai­nings ans Tur­nier ab­ge­reist.

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