Spa­ni­en steht un­ter Zug­zwang

Die gros­sen Haus­halts­pro­ble­me kon­tras­tie­ren mit den Un­ter­neh­mens­er­fol­gen

Finanz und Wirtschaft - - AUSLAND - AE,

Der am­tie­ren­de Eu­ro­pa­meis­ter Spa­ni­en ge­hört zu den Fa­vo­ri­ten der Fussball-WM. Das ist ein klei­ner Licht­blick für das Land, das der­zeit eher auf schlech­te Nach­rich­ten abon­niert ist: Die zehn Jah­re Im­mo­bi­li­en­boom und Kon­sum­rausch im Wind­schat­ten nied­ri­ger Eu­ro­zin­sen ha­ben hoch ver­schul­de­te Un­ter­neh­men und Fa­mi­li­en, ei­ne Ar­beits­lo­sen­quo­te von 20% so­wie ei­ne wach­sen­de Zahl not­lei­den­der Kre­di­te und Fir­men­plei­ten hin­ter­las­sen.

Die so­zia­lis­ti­sche Re­gie­rung von Mi­nis­ter­prä­si­dent Jo­sé Lu­is Ro­drí­guez Za­pa­te­ro be­kämpf­te die Kri­se bis­her wäh­ler­scho­nend nur über die Aus­ga­ben­sei­te. Das fa­ta­le Er­geb­nis: ein Haus­halts­de­fi­zit von 11,2% und ein schnell wach­sen­der Schul­den­berg von der­zeit et­wa 60% des Brut­to­in­land­pro­dukts. Nur un­ter dem Druck der Eu­ro­län­der rang sich Za­pa­te­ro kürz­lich zu Ein­schnit­ten durch, um den Haus­halt zu sta­bi­li­sie­ren. Auch 2010 wird die Wirt­schaft in der Re­zes­si­on ver­har­ren und auf mitt­le­re Sicht wohl nur we­nig oder gar nicht wach­sen. Das Land braucht Re­for­men (et­wa am Ar­beits­markt), die ei­ne hö­he­re Pro­duk­ti­vi­tät er­mög­li­chen. Die in Boom­zei­ten ver­lo­re­ne Wett­be­werbs­fä­hig­keit muss Spa­ni­en zu­dem mit der Kor­rek­tur von Löh­nen und Prei­sen zu­rück­ge­win­nen – die wohl schwie­rigs­te Auf­ga­be im Zeit­al­ter des Eu­ros.

Doch Spa­ni­en ist nicht gleich Spa­ni­en. Vie­le der Un­ter­neh­men und so man­che Ban­ken ha­ben sich längst mit der Aus­land­ex­pan­si­on vom Heim­markt un­ab­hän­gi­ger ge­macht und glän­zen mit Wachs­tum und Ge­winn auch in Kri­sen­zei­ten. Die fünf Schwer­ge­wich­te im Leit­in­dex Ibex35 et­wa – der Tele­com­kon­zern Te­le­fó­ni­ca, die Gross­ban­ken Santan­der und BBVA, der Strom­ver­sor­ger Iber­dro­la und der Öl­kon­zern Rep­sol YPF – wach­sen vor al­lem dank ih­ren Töch­tern in Latein­ame­ri­ka und ge­hö­ren welt­weit zu den Re­fe­ren­zen in ih­ren Bran­chen. Auch Eu­ro­pa ist längst kein weis­ser Fleck mehr auf der Land­kar­te, seit Santan­der küh­nen Mu­tes 2004 die bri­ti­sche Bank Ab­bey Na­tio­nal über­nom­men hat.

Die Wachs­tums­märk­te in Asi­en er­obert der Mo­de­kon­zern In­ditex mit sei­ner um­satz­stärks­ten Mar­ke Za­ra be­son­ders kon­se­quent. Nach Chi­na, Ja­pan und Süd­ko­rea folg­te kürz­lich der Ein­stieg in In­di­en. Auch vie­le Fir­men aus der Bau-, der Ener­gie­oder der Tech­no­lo­gie­bran­che mi­schen welt­weit mit. Doch die Bud­get­pro­ble­me, die Spa­ni­en der­zeit be­las­ten, zie­hen den Ak­ti­en­markt nach un­ten. Gleich­wohl ge­ben die Un­ter­neh­men ihr Bes­tes – wie auch bald Spa­ni­ens rot-gel­be Elf.

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