Von Top zu Flop – aber das ist gut

Die Märk­te für Basismetalle schrump­fen sich ge­sund – Trotz struk­tu­rel­ler Hausse kon­junk­tur­sen­si­tiv – Phy­si­scher In­fla­ti­ons­schutz

Finanz und Wirtschaft - - DERIVATE - ELI­SA­BETH TES­TER

D as Sprich­wort sagt: Je hö­her der Auf­stieg, des­to tie­fer der Fall. Das trifft nicht nur für ge­wis­se Ma­na­ger, son­dern in re­gel­mäs­si­gen Ab­stän­den auch für Roh­stof­fe zu. In den letz­ten Wo­chen wur­de die Eu­pho­rie in Ba­sis­me­tal­len von der Rea­li­tät ein­ge­holt.

2009 ha­ben Zink, Kup­fer und Blei an den Wa­ren­ter­min­märk­ten zwi­schen 105 und 135% zu­ge­legt, Alu­mi­ni­um, Zinn und Ni­ckel klet­ter­ten 46 bis 60%. Nach Kor­rek­tu­ren zum Jah­res­be­ginn ging die Hausse – im Ein­klang mit den Ak­ti­en­märk­ten und ge­trie­ben von Er­war­tun­gen – mun­ter wei­ter. Bin­nen we­ni­ger Wo­chen ver­teu­er­ten sich die Me­tal­le 20 bis 30%. Ni­ckel, das An­fang Jahr sta­bil ge­blie­ben war, stieg gar 60%. In der zwei­ten April­hälf­te war der Früh­ling vor­bei. Der gan­ze Me­tall­kom­plex kor­ri­gier­te 25 bis 30%, nur Zinn kam re­la­tiv glimpf­lich da­von. Die Jah­res­per­for­mance fällt bis­her ent­spre­chend schwach aus (vgl. Roh­stoff­ta­bel­le Sei­te 39).

Für Ei­sen­erz gibt es (noch) kei­nen li­qui­den Ter­min­markt. Die Mi­nen­kon­zer­ne ha­ben erst jüngst an­ge­kün­digt, die bis­her üb­li­chen Jah­res­ver­trä­ge mit den Stahl­pro­du­zen­ten durch vier­tel­jähr­li­che Kon­trak­te oder durch ei­ne An­nä­he­rung an die Spot­prei­se zu er­set­zen. Der Preis für Ei­sen­erz ver­teu­er­te sich im März 29%, ab dem 20. April fiel er bin­nen Mo­nats­f­rist 20%. Auch die Stahl­prei­se sind ge­sun­ken und dürf­ten noch wei­ter fal­len: Das An­ge­bot dehnt sich aus, und die Pro­duk­ti­on wird an­ge­sichts der sich ver­schlech­tern­den Kon­junk­tur­aus­sich­ten nicht nach­zie­hen.

Wachs­tum ent­schei­det

Der Kon­junk­tur­aus­blick ist denn auch – ne­ben Über­ka­pa­zi­tä­ten in der Pro­duk­ti­on – mass­geb­lich für die Ein­bus­sen ver­ant­wort­lich. Die Schrit­te der chi­ne­si­schen Re­gie­rung zur Ein­schrän­kung der Kre­dit­ver­ga­be und zur Ab­küh­lung des Im­mo­bi­li­en­sek­tors lös­ten Sor­gen um das Wirt­schafts­wachs­tum aus. Die Fra­ge, ob sich im chi­ne­si­schen Im­mo­bi­li­en­markt ei­ne Bla­se ge­bil­det hat, steht schon län­ger im Raum, in den letz­ten Wo­chen hat Pe­king das Brems­ma­nö­ver je­doch ver­schärft.

Zu den ein­ge­führ­ten Mass­nah­men ge­hö­ren hö­he­re Ei­gen­ka­pi­tal­an­for­de­run­gen, Kauf­re­strik­tio­nen, Hand­än­de­rungs­steu­ern so­wie die För­de­rung des so­zia­len Woh­nungs­baus. Ei­ne Ver­lang­sa­mung der Bau­tä­tig­keit hät­te mas­si­ve Fol­gen für die Nach­fra­ge nach In­dus­trie­me­tal­len. Ver­schärft wur­de das Pro­blem durch die eu­ro­päi­sche Schul­den­kri­se, die sich über stei­gen­de Kre­dit­ri­si­ko­auf­schlä­ge von Ban­ken in ei­ne Li­qui­di­täts­kri­se wan­deln könn­te.

Ob das De­fla­ti­ons­ri­si­ko in Eu­ro­pa be­ste­hen bleibt und wie weit Chi­nas Mass­nah­men ge­hen wer­den, wird für die Ent­wick­lung der Me­tall­prei­se zen­tral sein. Bald soll­te sich die Wirk­sam­keit der neu­en Re­geln zei­gen, denn Chi­na steht vor dem sai­so­na­len Hö­he­punkt der Bau­tä­tig­keit. Die Ent­wick­lung der Ba­sis­me­tall­prei­se hängt zwar von Chi­na ab – aber nicht nur. Das kei­men­de Wachs­tum in den OECDLän­dern kann Chi­nas sin­ken­den Be­darf teil­wei­se auf­fan­gen, und die Nach­fra­ge in Thai­land und Ma­lay­sia hilft eben­falls.

Aber selbst wenn sich die Kon­junk­tur ab­schwächt, sind die Aus­sich­ten für Basismetalle mit­tel-und lang­fris­tig gut. Die Städ­te in Chi­na und den an­de­ren Schwel­len­län­dern wer­den wei­ter wach­sen, der Be­darf an neu­er Wohn­flä­che bleibt hoch.

Die meis­ten Ana­lys­ten er­war­ten für die kom­men­den Mo­na­te ei­ne Seit­wärts­be­we­gung in Ba­sis­me­tal­len, kurz­fris­tig sei­en je­doch wei­te­re Kor­rek­tu­ren mög­lich. So­lan­ge Un­si­cher­heit und Ri­si­ko­aver­si­on um­gin­gen, blie­ben die kon­junk­tur­sen­sib- len Me­tal­le an­fäl­lig. Ein­zig Kup­fer wer­den Preis­avan­cen at­tes­tiert: Die La­ger wür­den auf­ge­baut, die För­de­rung und Pro­duk­ti­on blei­be welt­weit knapp.

In­ves­tie­ren – auch phy­sisch

An­le­ger, die sich für Basismetalle in­ter­es­sie­ren und den Ein­stiegs­zeit­punkt als güns­tig er­ach­ten, kön­nen Fu­tures kau­fen. Die­se In­ves­ti­ti­ons­me­tho­de ist ka­pi­tal­in­ten­siv und weist die Pro­ble­ma­tik von Roll­ver­lus­ten auf. Ei­ne Viel­zahl von struk­tu­rier­ten Pro­duk­ten auf ent­spre­chen­de In­di­zes bie­tet die Par­ti­zi­pa­ti­on schon ab klei­nen In­ves­ti­ti­ons­be­trä­gen an. Die­se Struk­tu­ren sind je­doch mit Kos­ten ver­bun­den und eli­mi­nie­ren die Roll­pro­ble­ma­tik meist nicht, da sie auf Fu­tures ba­sie­ren. Ei­ne Al­ter­na­ti­ve sind An­la­ge­fonds mit Ak­ti­en von Mi­nen­be­trei­bern oder phy­sisch hin­ter­leg­te Roh­stoff­fonds.

Der Be­sitz phy­si­scher Roh­stof­fe dient als Schutz vor ei­nem Wäh­rungs­zer­fall – ein im Um­feld der glo­bal gras­sie­ren­den Staats­ver­schul­dung sinn­vol­les Kauf­ar­gu­ment. Der Zürcher Ver­mö­gens­ver­wal­ter Bas­in­vest bie­tet ne­ben zwei her­kömm­li­chen Roh­stoff­ak­ti­en­fonds seit gut ei­nem Jahr ei­nen phy­sisch hin­ter­leg­ten Me­tall­fonds an. Er um­fasst aus­ser Zinn sämt­li­che Basismetalle so­wie die kon­junk­tur­sen­si­ti­ven Edel­me­tal­le Pla­tin und Pal­la­di­um. Die Me­tal­le wer­den welt­weit in La­ger­häu­sern der London Me­tal Ex­ch­an­ge auf­be­wahrt. Der in Liech­ten­stein auf­ge­leg­te Fonds ist of­fen für das Pu­bli­kum.

Ro­nald Wild­mann, Ge­schäfts­füh­rer von Bas­in­vest, er­klärt: «Nach den jüngs­ten Kor­rek­tu­ren ist jetzt ein op­ti­ma­ler Zeit­punkt zum Kau­fen. Die Aus­sich­ten für Me­tal­le sind gut. Zu den heu­ti­gen Prei­sen kön­nen ei­ni­ge der An­bie­ter von Zink, Alu­mi­ni­um und Ni­ckel nicht mehr kos­ten­de­ckend pro­du­zie­ren. Das wird Mass­nah­men auf der An­ge­bots­sei­te zei­gen. Zu­dem er­war­ten wir kei­nen Dou­ble Dip.» An­ge­spro­chen auf sein Lieb­lings­me­tall, er­klärt Wild­mann: «Das ist Kup­fer. Die Nach­fra­ge ist gut, und das An­ge­bot dürf­te lang­fris­tig knapp blei­ben. Auch für Pal­la­di­um se­he ich gu­te Chan­cen.» Die Prei­se der Basismetalle sind heu­te ver­nünf­ti­ger als noch vor zwei Mo­na­ten – ih­re Vo­la­ti­li­tät bleibt hin­ge­gen hoch und An­la­gen ent­spre­chend ri­si­ko­reich.

Auch oh­ne Angst vor Hy­per­in­fla­ti­on su­chen In­ves­to­ren im Um­feld gras­sie­ren­der Staats­ver­schul­dung nach in­fla­ti­ons­re­sis­ten­ten An­la­gen.

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