An­le­ger­durst

Bran­chen­kon­so­li­die­rung und Schwel­len­län­der hal­ten den Braue­rei­sek­tor in Schwung

Finanz und Wirtschaft - - VORDERSEITE - OLI­VER PFADENHAUER

Die Ak­ti­en der füh­ren­den Braue­rei­kon­zer­ne An­heu­ser-Busch In­bev, SAB Mil­ler, Hei­ne­ken und Carls­berg sind nicht nur we­gen der Fussball-WM be­gehrt.

T rotz des Kon­junk­tur­ab­schwungs hat der welt­wei­te Bier­ab­satz auch im ver­gan­ge­nen Jahr ins­ge­samt leicht zu­ge­nom­men. Die Braue­rei­bran­che ist we­ni­ger von der all­ge­mei­nen Wirt­schafts­ver­fas­sung ab­hän­gig als an­de­re In­dus­trie­zwei­ge, doch völ­lig re­sis­tent ist sie nicht. Das glo­ba­le Vo­lu­men­wachs­tum, das sich 2006 und 2007 dank des Nach­fra­ge­booms aus den Schwel­len­län­dern auf 6% be­schleu­nigt hat­te, ver­rin­ger­te sich 2009 ge­mäss ei­ner Stu­die von Bank of Ame­ri­ca Mer­rill Lynch auf rund 1%.

Fussball-WM zweit­ran­gig

Die Markt­ent­wick­lung in den ein­zel­nen Re­gio­nen war wie in den Jah­ren zu­vor höchst un­ter­schied­lich, wo­bei ver­schie­de­ne auf­stre­ben­de Län­der als Wachs­tums­mo­to­ren aus­fie­len. Den stärks­ten Rück­gang des Bier­kon­sums er­leb­te Eu­ro­pa: Im Wes­ten fiel das Ab­satz­vo­lu­men rund 5% und in den ost­eu­ro­päi­schen Län­dern ins­ge­samt gar 10%. In den USA, dem zweit­gröss­ten Bier­markt der Welt, sank der Ver­kauf 2%. In Bra­si­li­en und Chi­na – im Reich der Mit­te wird mit Ab­stand am meis­ten Bier ge­trun­ken (vgl. Gra­fik un­ten rechts) – stieg da­ge­gen der Ab­satz je­weils um 8%.

Für das lau­fen­de so­wie die kom­men­den Jah­re ist mit ei­ner Fort­set­zung des Bran­chen­trends zu rech­nen, wo­nach der Bier­kon­sum in den ge­sät­tig­ten Märk­ten in Eu­ro­pa und Nord­ame­ri­ka rück­läu­fig bleibt, was aber durch die stei­gen­de Nach­fra­ge in den Schwel­len­län­dern mehr als wett­ge­macht wird. Ob­wohl Fuss­ball­fes­te ger­ne mit ei­nem er­höh­ten Bier­ge­nuss in Zu­sam­men­hang ge­bracht wer­den, dür­fen von den nun be­gon­ne­nen Welt­meis­ter­schaf­ten in Süd­afri­ka kei­ne we­sent­li­chen Wachs­tums­im­pul­se für den Welt­markt er­war­tet wer­den.

In ein­zel­nen Län­dern kann die Fussball-WM zwar den Ab­satz et­was an­kur­beln, wenn die je­wei­li­ge Mann­schaft lan­ge im Tur­nier bleibt und be­son­ders in Eu­ro­pa auch das Wet­ter mit­spielt. In Deutsch­land bei­spiels­wei­se wur­de 2006 der lang­jäh­ri­ge Rück­gang des Bier­kon­sums vor­über­ge­hend ge­stoppt. Doch für die glo­ba­le Markt­ent­wick­lung ist ge­mäss ei­ner Stu­die von Cre­dit Suis­se ei­ne en­ge Kor­re­la­ti­on mit Fuss­ball­welt­meis­ter­schaf­ten kaum aus­zu­ma­chen (vgl. Gra­fik un­ten). An­de­re Fak­to­ren wie die Wirt­schafts­ver­fas­sung und die De­mo­gra­fie der ein­zel­nen Län­der sei­en viel ent­schei­den­der, ob die Nach­fra­ge stei­ge oder sin­ke, mit oder oh­ne Welt­meis­ter­schaft.

Der Braue­rei­sek­tor bleibt für den An­le­ger span­nend. Die füh­ren­den An­bie­ter An­heu­ser-Busch In­bev (AB In­bev), SAB Mil­ler, Hei­ne­ken und Carls­berg ha­ben die Wachs­tums­del­le im ver­gan­ge­nen Jahr dank ih­rer glo­ba­len Aus­rich­tung und ri­go­ro­ser Kos­ten­ein­spa­run­gen bes­ser über­stan­den als er­war­tet (vgl. ne­ben­ste­hen­den Ar­ti­kel). We­gen der nach wie vor schwa­chen Welt­kon­junk­tur ist für das lau­fen­de Jahr nur ei­ne mo­de­ra­te Be­schleu­ni­gung des glo­ba­len Markt­wachs­tums zu er­war­ten.

Die wei­te­ren Aus­sich­ten sind aber für die Bran­chen­bes­ten viel ver­spre­chend. Mer­rill Lynch geht da­von aus, dass der welt­wei­te Bier­kon­sum in den kom­men­den bei­den Jah­ren je 3% zu­neh­men wird. Die Ana­lys­ten sind zu­ver­sicht­lich, dass der rus­si­sche Markt zum Wachs­tum zu­rück­fin­den und sich der Ab­satz­rück­gang in We­st­eu­ro­pa auf mi­nus 1% «nor­ma­li­sie­ren» wird. Für Nord­ame­ri­ka wird für 2011 ein leich­ter Vo­lu­men­an­stieg er­war­tet. In Asi­en dürf­te das so­li­de Markt­wachs­tum (rund 6%) in den kom­men­den Jah­ren wie auch in Latein­ame­ri­ka (+4%) an­hal­ten.

Über­nah­me­ka­rus­sell

Die fort­schrei­ten­de Bran­chen­kon­so­li­die­rung wird an der Bör­se mit Wohl­wol­len ver­folgt. Denn gros­se Braue­rei­en kön­nen dank Kos­ten­vor­tei­len – un­ter an­de­rem im Ein­kauf von Roh­stof­fen und Ver­pa­ckun­gen, die zu­sam­men rund 40% der Ge­samt­aus­ga­ben aus­ma­chen – güns­ti­ger pro­du­zie­ren. Das Über­nah­me­ka­rus­sell bleibt vor die­sem Hin­ter­grund in Be­we­gung. Den jüngs­ten gros­sen Coup hat Hei­ne­ken mit der An­fang Jahr ver­ein­bar­ten Über­nah­me der Braue­rei­ak­ti­vi­tä­ten der me­xi­ka­ni­schen Fem­sa-Grup­pe ge­lan­det (vgl. FuW Nr. 3 vom 13. Ja­nu­ar).

Leb­haft wird nun dar­über spe­ku­liert, wer den aus­tra­li­schen Bran­chen­pri­mus Fos­ters nach der an­ge­kün­dig­ten Ab­spal­tung des Wein­ge­schäfts über­neh­men wird. Dank des so­li­den Cash­flow be­rei­tet den gros­sen Braue­rei­grup­pen die Fi­nan­zie­rung von Ak­qui­si­tio­nen we­nig Pro­ble­me. AB In­bev, Hei­ne­ken und Carls­berg sind aber noch mit der In­te­gra­ti­on der letz­ten gros­sen Über­nah­men be­schäf­tigt.

Die stei­gen­de Nach­fra­ge nach Bier in Afri­ka, Asi­en und Latein­ame­ri­ka macht den Ab­satz­rück­gang in Eu­ro­pa und den USA mehr als wett.

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