Ana­lo­ge Halb­lei­ter

Der US-Halb­lei­ter­kon­zern er­höht Ge­winn­pro­gno­sen – Wachs­tum dank ana­lo­gen Chips – In­ves­ti­ti­ons­of­fen­si­ve – Ak­ti­en kau­fens­wert

Finanz und Wirtschaft - - VORDERSEITE - FRANK HEI­NI­GER

Von ges­tern? Von we­gen. Trotz zu­neh­men­der Di­gi­ta­li­sie­rung blei­ben ana­lo­ge Chips ein zen­tra­ler Be­stand­teil un­se­res All­tags. Das Ge­schäft läuft gut: Der ame­ri­ka­ni­sche Bran­chen­füh­rer Te­xas In­stru­ments hat die Ge­winn­pro­gno­sen nach oben re­vi­diert.

D as At­tri­but «ana­log» mag in ei­nem zu­neh­mend di­gi­ta­li­sier­ten All­tag ana­chro­nis­tisch er­schei­nen. Doch ei­ne di­gi­ta­le Welt ist oh­ne ana­lo­ge Chips nicht denk­bar. Der ein­fa­che Grund: Die Na­tur be­steht nicht aus Nul­len und Ein­sen – phy­si­ka­li­sche Phä­no­me­ne wie Licht, Tem­pe­ra­tur, Druck oder Schall kön­nen stu­fen­lo­se Zu­stands­grös­sen an­neh­men. Um zwi­schen bei­den Sphä­ren ei­ne Brü­cke zu schla­gen, sind ana­lo­ge Halb­lei­ter not­wen­dig. Ihr An­teil am ge­sam­ten Chip­markt ist denn auch in den letz­ten De­ka­den re­la­tiv kon­stant ge­blie­ben: Wie vor 30 Jah­ren liegt er bei rund 15%.

Dass ana­lo­ge Halb­lei­ter Zu­kunft ha­ben, stellt auch Te­xas In­stru­ments ( TI) un­ter Be­weis. Nicht nur will der US-Chi­prie­se, der be­reits 40% sei­nes Um­sat­zes in die­sem Seg­ment er­wirt­schaf­tet, sei­nen Fo­kus noch stär­ker auf den Ana­log­be­reich aus­rich­ten. Am Mitt­woch hat der Kon­zern zu­dem die Ge­winn­pro­gno­sen für das lau­fen­de Jahr nach oben re­vi­diert – wo­für nach Aus­sa­gen des Ma­nage­ments vor al­lem ana­lo­ge Halb­lei­ter und Em­bed­ded Sys­tems (ein­ge­bet­te­te Sys­te­me) ver­ant­wort­lich sind. Ins glei­che Horn stiess am Don­ners­tag die auf Ana­log­chips spe­zia­li­sier­te Na­tio­nal Se­mi­con­duc­tor: Spe­zi­ell aus dem In­dus­trie-und Mo­bil­funk­sek­tor sei die Nach­fra­ge deut­lich ge­stie­gen.

Ge­mes­sen am Um­satz stellt der Stan­dard-Li­ne­ar-Be­reich, in den bei­spiels­wei­se Span­nungs­reg­ler oder -ver­stär­ker fal­len, das gröss­te Seg­ment des Ana­log­chip­mark­tes dar (vgl. Ku­chen­gra­fik). Der Rest kann nach Ab­satz­märk­ten auf­ge­schlüs­selt wer­den: Wich­ti­ge Ein­satz­ge­bie­te sind Han­dys und die Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­ons-In­fra­struk­tur. Doch auch in der Au­to­mo­bil­in­dus­trie sind ana­lo­ge Chips, et­wa zur Tem­pe­ra­tur­reg­lung oder Trak­ti­ons­kon­trol­le, un­ver­zicht­bar.

Hoff­nun­gen set­zen die Bran­chen­ver­tre­ter auf den welt­wei­ten Aus­bau der Mo­bil­funk­net­ze, die an­ge­sichts der stei­gen­den Da­ten­in­ten­si­tät an ih­re Ka­pa­zi­täts­gren­zen stos­sen. Wachs­tums­fan­ta­sie ver­spre­chen auch neue An­wen­dun­gen in der Me­di­zi­nal­tech­no­lo­gie.

Ge­rin­ge­re Ka­pi­tal­in­ten­si­tät

We­nig deu­tet dar­auf hin, dass die in den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten spür­ba­re Er­ho­lung nur auf ein neu­er­li­ches Auf­sto­cken der La­ger zu­rück­zu­füh­ren ist: Seit der Tal­soh­le im drit­ten Quar­tal 2009 ha­ben sich die Be­stän­de bei Pro­du­zen­ten und Ab­neh­mern nur ge­ring­fü­gig er­höht und no­tie­ren im­mer noch deut­lich un­ter den Höchst von 2008. Auch die durch­schnitt­li­che La­ger­dau­er (In­ven­to­ry Days) liegt mit 82 Ta­gen zur­zeit deut­lich un­ter dem zehn­jäh­ri­gen Durch­schnitt von 90 Ta­gen.

Meh­re­re spe­zi­fi­sche Ei­gen­schaf­ten gren­zen den ana­lo­gen vom di­gi­ta­len Halb­lei­ter­markt ab: We­gen der ge­rin­gen Stan­dar­di­sie­rung der Chips hat sich In­ge­nieur­wis­sen als wich­ti­ger Wett­be­werbs­vor­teil eta­bliert, der nur un­ter gros­sen An­stren-

Im Tech­no­lo­gie­sek­tor bie­ten Ana­log­chip­ti­tel ver­gleichs­wei­se ho­he Ren­di­ten gun­gen re­pli­ziert wer­den kann. Die Markt­bar­rie­ren sind des­halb re­la­tiv hoch, wes­halb sich die Kon­kur­renz aus Asi­en – und da­mit der Preis­druck – in Gren­zen hält. Auch las­sen sich ana­lo­ge Chips mit äl­te­rem Fer­ti­gungs­equip­ment her­stel­len. Der Zwang zu mil­li­ar­den­schwe­ren In­ves­ti­tio­nen fällt deut­lich ge­rin­ger aus.

Trotz­dem ist Bran­chen­lea­der TI vor­ge­prescht. Als ers­ter Kon­zern der Welt wol- len die Texa­ner in Zu­kunft Ana­log­chips auf 300 mm gros­sen Si­li­zi­um­schei­ben ( Wa­fern) her­stel­len. Die­ser Schritt dürf­te Kos­ten­ein­spa­run­gen pro Chip ge­gen­über tra­di­tio­nel­len 200-mm-Wa­fern von rund 30% er­mög­li­chen. Zu die­sem Zweck hat der US-Kon­zern im ver­gan­ge­nen Jahr Qi­mon­da ent­spre­chen­des Fer­ti­gungs­equip­ment für 172,5 Mio. $ ab­ge­kauft. Der aus der deut­schen In­fi­ne­on aus­ge­la­ger­te Spei­cher­chip­her­stel­ler hat­te im Ja­nu­ar 2009 In­sol­venz an­mel­den müs­sen.

TI sind mo­de­rat be­wer­tet

Nach der seit April an­hal­ten­den Kor­rek­tur bie­ten die Va­lo­ren TI at­trak­ti­ve Ein­stiegs­chan­cen. Mit ei­nem Kurs-Ge­winn-Ver­hält­nis (KGV) für das Fis­kal­jahr 2010 von 10 sind sie mo­de­rat be­wer­tet. Zu­dem wird TI im Un­ter­schied zu an­de­ren Bran­chen­ver­tre­tern zu­ge­traut, die Höchst­mar­gen frü­he­rer Chip­zy­klen zu über­tref­fen. Bei an­de­ren Bran­chen­ver­tre­tern wie Ma­xim In­te­gra­ted Pro­ducts und Li­ne­ar Tech­no­lo­gy schei­nen die pro­gnos­ti­zier­ten Ge­winn­stei­ge­rungs­ra­ten für 2011 hin­ge­gen viel zu op­ti­mis­tisch (vgl. Ta­bel­le).

Skep­sis ist auch bei den Ak­ti­en von Na­tio­nal Se­mi­con­duc­tor an­ge­bracht. Zwar hat sich das Un­ter­neh­men von der letzt­jäh­ri­gen Kri­se er­holt, als rund ein Vier­tel der Be­leg­schaft ent­las­sen und die Un­ter­neh­mens­an­lei­hen auf Junk-Sta­tus zu­rück­ge­stuft wur­den. Auch die brei­te Markt­er­ho­lung und Wachs­tums­in­itia­ti­ven im Be­reich LED, So­lar und In­dus­trie ha­ben dem Kon­zern Auf­trieb ver­lie­hen. Doch dürf­te Na­tio­nal Se­mi­con­duc­tor im Wi­re­less-Chip­be­reich am stärks­ten von TIs In­ves­ti­ti­ons­of­fen­si­ve be­trof­fen sein, die da­mit ih­re Grös­sen-und Kos­ten­vor­tei­le wei­ter aus­bau­en kann.

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