Wolf­gang Wie­gard

WOLF­GANG WIE­GARD Der Wirt­schafts­pro­fes­sor und Sach­ver­stän­di­gen­rat äus­sert sich zu den Spar­be­schlüs­sen der deut­schen Bun­des­re­gie­rung

Finanz und Wirtschaft - - VORDERSEITE - IN­TER­VIEW: DIE­TER W. HE­U­MANN

Die deut­sche Re­gie­rung ver­die­ne für ih­re Spar­be­mü­hun­gen ei­nen Plus­punkt, meint das Mit­glied des Sach­ver­stän­di­gen­rats.

D ie deut­sche Bun­des­re­gie­rung hat zu Wo­chen­be­ginn ein Spar­pa­ket vor­ge­legt, mit dem sie bis 2014 ins­ge­samt 80 Mrd. € ein­spa­ren will, 11 Mrd. da­von im nächs­ten Jahr (vgl. Mitt­woch­aus­ga­be). Vor­ge­se­hen sind Kür­zun­gen im So­zi­al­be­reich und Mehr­be­las­tun­gen der Wirt­schaft. Wei­ter soll die Bun­des­ver­wal­tung ge­strafft wer­den, und auch der Ver­tei­di­gungs­etat wird um Kür­zun­gen nicht her­um­kom­men. An­ge­dacht ist über­dies ei­ne Fi­nanz­trans­ak­ti­ons­steu­er. Das Bil­dungs­we­sen da­ge­gen wird von Ein­schnit­ten ver­schont. Im Ge­spräch mit «Fi­nanz und Wirt­schaft» hat der Öko­no­mie­pro­fes­sor Wolf­gang Wie­gard vom Sach­ver­stän­di­gen­rat zur Be­gut­ach­tung der ge­samt­wirt­schaft­li­chen Ent­wick­lung zum Plan der Re­gie­rung Stel­lung ge­nom­men.

Herr Wie­gard, ist das Spar­pro­gramm der Bun­des­re­gie­rung ins­ge­samt ein gu­ter An­satz zur Kon­so­li­die­rung des deut­schen Staats­haus­halts? Die Bun­des­re­gie­rung hält da­mit die Vor­ga­ben der Schul­den­brem­se ein. Das al­lein ist po­si­tiv zu wer­ten, um­so mehr, als sie sich nun auch of­fi­zi­ell von ih­ren Steu­er-

Die Bun­des­re­gie­rung be­fin­det sich mit den jetzt ge­fass­ten Spar­be­schlüs­sen auf dem rich­ti­gen Weg.

sen­kungsu­to­pi­en ver­ab­schie­det hat. Ei­ne Haus­halts­kon­so­li­die­rung ist im­mer mit Ein­schnit­ten ver­bun­den; die Be­trof­fe­nen weh­ren sich na­tür­lich da­ge­gen und hät­ten die Ein­schnit­te lie­ber bei an­de­ren ge­se- hen. Aber ir­gend­wo muss man an­fan­gen. Die ge­naue Aus­ge­stal­tung vie­ler Spar­vor­schlä­ge ist al­ler­dings noch of­fen. Es han­delt sich da­bei nur um Eck­punk­te, die jetzt noch kon­kre­ti­siert wer­den müs­sen.

Wie weit kann die Kon­so­li­die­rung des Haus­halts nun als ab­ge­schlos­sen gel­ten, oder an­ders ge­fragt: Wird Deutsch­land schon bald mit neu­en Spar­über­le­gun­gen kon­fron­tiert wer­den?

Die Kon­so­li­die­rung des Haus­halts ist mit den Spar­be­schlüs­sen kei­nes­wegs be­en­det. Auch nach 2014 muss wei­ter ent­schlos­sen ge­spart wer­den.

Es wird und muss noch Prä­zi­sie­run­gen ge­ben. Auch ist die Kon­so­li­die­rung des Haus­halts mit den Spar­be­schlüs­sen kei­nes­wegs be­en­det, im Ge­gen­teil. Die Spar­vor­schlä­ge ge­hen bis 2014, doch auch da­nach muss wei­ter ent­schlos­sen ge­spart wer­den. Der zu­sätz­li­che Kon­so­li­die­rungs­be­darf in den Jah­ren 2015 und 2016 liegt noch ein­mal bei rund 20 Mrd. €. Dann wird man auch an den Ab­bau von Steu­er­ver­güns­ti­gun­gen ge­hen müs­sen, und ver­mut­lich wird es auch zu wei­te­ren Steu­er­er­hö­hun­gen kom­men.

Wie wer­den die Spar­be­schlüs­se das wirt­schaft­li­che Wachs­tum der Bun­des­re­pu­blik be­ein­flus­sen, wo doch im nächs­ten Jahr das Kon­junk­tur­stüt­zungs­pro­gramm aus­läuft? Na­tür­lich ge­hen von ei­ner Haus­halts­kon­so­li­die­rung mit Aus­ga­ben­kür­zun­gen und Steu­er­er­hö­hun­gen kon­trak­ti­ve Ef­fek­te aus. Da­für ha­ben die kre­dit­fi­nan­zier­ten Kon­junk­tur­pro­gram­me in der Kri­se aber auch ex­pan­siv ge­wirkt. Die Glät­tung von kon­junk­tu­rel­len Schwan­kun­gen ist ja ge­ra­de der Sinn von Kon­junk­tur­pa­ke­ten. Die Bun­des­re­gie­rung be­fin­det sich mit den jetzt ge­fass­ten Spar­be­schlüs­sen auf dem rich­ti­gen Weg.

Soll­te es in Eu­ro­pa tat­säch­lich zu ei­ner kon­zer­tier­ten Haus­halts­sa­nie­rungs­ak­ti­on kom­men, droht dann nicht der zar­te kon­junk­tu­rel­le Auf­schwung im eu­ro­päi­schen Raum ab­ge­würgt zu wer­den? Die Ge­fahr kann man nicht ganz von der Hand wei­sen. Aber ge­nau des­halb ist es ja auch rich­tig, dass die Bun­des­re­gie­rung mit ih­ren Spar­be­schlüs­sen nicht über­zieht und ge­ra­de so viel tut, um die Vor­ga- ben der auf das struk­tu­rel­le De­fi­zit ab­zie­len­den Schul­den­brem­se ein­zu­hal­ten. Der Sach­ver­stän­di­gen­rat hat im­mer wie­der an­ge­mahnt, dass die Re­gie­rung end­lich die Kon­so­li­die­rungs­auf­ga­be an­geht. Jetzt tut sie das, und da soll­te man auch mal ei­nen Plus­punkt ver­ge­ben. All­zu vie­le Plus­punk­te konn­te die Re­gie­rung ja bis­lang nicht sam­meln.

Sub­ven­ti­ons­kür­zun­gen gibt es im Spar­pa­ket der Bun­des­re­gie­rung kaum. Wä­re das nicht ei­ne Ge­le­gen­heit ge­we­sen, um den Sub­ven­ti­ons­dschun­gel kräf­tig zu durch­fors­ten? In der Tat wur­de auf ei­ne gründ­li­che Durch­fors­tung des Sub­ven­ti­ons­dschun­gels eben­so ver­zich­tet wie auf den Ab­bau von Steu­er­ver­güns­ti­gun­gen. Vie­le sol­cher Mass­nah­men ver­lan­gen je­doch die Zu­stim­mung im Bun­des­rat. Dort hat die Re­gie­rungs­ko­ali­ti­on nun aber kei­ne Mehr­heit mehr. Des­halb wur­den al­le Mass­nah­men, die zu­stim­mungs­pflich­tig sind und bei de­nen die Op­po­si­ti­on im Bun­des­rat nicht mit­ge­macht hät­te, aus dem Spar­pa­ket aus­ge­klam­mert. So ist das nun mal in un­se­rem Fö­de­ra­lis­mus.

Für Wolf­gang Wie­gard ist es zen­tral, dass die Re­gie­rung die Kon­so­li­die­rungs­auf­ga­be end­lich an­geht. «Da soll­te man auch mal ei­nen Plus­punkt ver­ge­ben», meint er.

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