J. N. Schnei­der-Am­mann

BÄR­NER APÉ­RO JO­HANN NI­K­LAUS SCHNEI­DER-AM­MANN (NR FDP/BE) zum Be­richt der Ge­schäfts­prü­fungs­kom­mis­sio­nen über das Vor­ge­hen des Bun­des­rats in der UBS-Kri­se

Finanz und Wirtschaft - - VORDERSEITE - IN­TER­VIEW: PE­TER MORF

Der Ber­ner FDP-Na­tio­nal­rat sieht ei­ne UBS-in­ter­ne Un­ter­su­chung als not­wen­di­ge ver­trau­ens­bil­den­de Mass­nah­me.

Herr Schnei­der, der Na­tio­nal­rat hat den Be­richt der Ge­schäfts­prü­fungs­kom­mis­si­on GPK über das Ver­hal­ten des Bun­des­rats in der Kri­se um die UBS de­bat­tiert. Wel­chen Stel­len­wert hat der Be­richt? Der Be­richt ist aus­führ­lich und sach­lich, sein Stel­len­wert ist un­be­strit­ten. Er stellt die Grund­la­ge für die wei­te­re Ar­beit im Dossier UBS dar. Nicht ver­ständ­lich ist, dass der Be­richt je nach Par­tei und Po­si­ti­on ganz un­ter­schied­lich ge­le­sen und in­ter­pre­tiert wer­den kann. Wem es um die Sa­che al­lein geht, wer wirk­lich zu ei­ner Klä­rung be­reit ist und wer Leh­ren dar­aus zie­hen will, der soll­te den Be­richt in sach­li­cher Art und Wei­se auf sei­ne ‹Facts and Fi­gu­res› le­sen und ak­zep­tie­ren.

Der Be­richt kri­ti­siert den man­geln­den Te­am­geist und das feh­len­de Ver­trau­en in­ner­halb des Bun­des­rats. Was ist von die­ser Kri­tik zu hal­ten? Mich ha­ben zwei Aspek­te auf­hor­chen las­sen: dass nicht pro­to­kol­liert wur­de und dass In­for­ma­tio­nen man­gels Ver­trau­en nicht ins Bun­des­rats­gre­mi­um ge­tra­gen wur­den. Bei­des ist in­ak­zep­ta­bel und un­wür­dig. Ein Pro­to­koll muss ge­schrie­ben wer­den. Es kann al­len­falls von den Be­rech­tig­ten nur ein­ge­se­hen, muss al­so nicht ver­teilt wer­den. Und wenn ein Kol­le­gi­um nicht mit al­len In­for­ma­tio­nen ver­sorgt wer­den kann, dann stellt es sich selbst in Fra­ge. Auf­kom­men­de schwie­ri­ge Zei­ten dürf­ten da­für sor­gen, dass wir zu­sam­men­ste­hen müs­sen, wie dies in je­dem ei­ni­ger­mas­sen gut ge­führ­ten Un­ter­neh­men selbst­ver­ständ­lich ist. Es kommt mir vor, als ob sich ein­zel­ne Bun­des­rä­te aus der Kol­lek­tiv­ver­ant­wor­tung steh­len woll­ten.

Das Ver­hal­ten ei­ni­ger Bun­des­rä­te seit der Pu­bli­ka­ti­on des Be­richts un­ter­streicht die Kri­tik. Es kommt mir vor, als ob sich ein­zel­ne Mit­glie­der des Bun­des­rats aus der Kol­lek­tiv­ver­ant­wor­tung steh­len woll­ten. Es ist un­er­klär­lich, wie­so jetzt un­ter­schied­li­che Po­si­tio­nen pu­blik ge­macht wer­den. Ent­we­der man ge­hört dem Kol­lek­tiv an, sorgt dort da­für, dass die Mei­nung der ei­ge­nen Über­zeu­gung ent­spricht, oder un­ter­wirft sich der Mehr­heits­ent­schei­dung. Et­was an­de­res steht ei­nem Mit­glied un­se­rer Kon­kor­d­anz­re­gie­rung nicht zu.

Wie wä­re die­ser Kri­tik bun­des­rats­in­tern und sei­tens des Par­la­ments zu be­geg­nen? Dem Bun­des­rat emp­feh­le ich ei­ne ‹Paarthe­ra­pie›. Spass bei­sei­te: Ich er­war­te, dass die Re­gie­rung selbst­kri­tisch die Leh­ren zieht, sich ih­rer Ver­ant­wor­tung be­wusst ist und da­für sorgt, dass die Fehl­trit­te rasch durch ge­mein­sa­me, kon­struk­ti­ve, über­zeu­gen­de Hand­lun­gen ver­ges­sen ge­macht wer­den. Und das Par­la­ment tut gut dar­an, vor der ei­ge­nen Tür zu wi­schen.

Im Kon­trast da­zu steht das Lob der GPK an den Bun­des­rat für das gu­te Kri­sen­ma­nage­ment. Das ist ein Wi­der­spruch. Letzt­lich zählt das Re­sul­tat. Und das lässt sich tat­säch­lich se­hen. Es gilt zu er­wäh­nen, dass Spit­zen­ver­tre­ter der Na­tio­nal­bank und der Ver­wal­tung mass­geb­lich am Re­sul­tat be­tei­ligt sind und wohl aus­glei­chend auf die Re­gie­rung ge­wirkt ha­ben.

War­um spricht fast nie­mand mehr von die­sem po­si­ti­ven Ur­teil? Wie im­mer, das Po­si­ti­ve ist selbst­ver­ständ­lich. Was selbst­ver­ständ­lich ist, kann schlecht ver­kauft wer­den. Un­se­re Ge­sell­schaft braucht Op­fer, nicht Kön­ner. Nur glau­be ich, dass wir uns die­sen ‹Lu­xus› schon bald nicht mehr leis­ten kön­nen.

Das gu­te Kri­sen­ma­nage­ment re­la­ti­viert die Kri­tik sehr. Ja, wenn man der Si­tua­ti­on sach­lich be­geg­net und mit viel schwe­rer ge­prüf­ten an­de­ren Län­dern ver­gleicht, ist höchs­tens ei­ne dif­fe­ren­zier­te Kri­tik er­laubt. Die Schweiz kommt oh­ne gros­se zu­sätz­li­che Schul­den­last aus dem Wel­len­tal. Es wur­de ein Weg ge­fun­den, der kaum je­man­den ver­zwei­feln liess. Das Kri­sen­ma­nage­ment hat of­fen­sicht­lich funk­tio­niert. Das müs­sen die schärfs­ten Kri­ti­ker an­er­ken­nen.

Die GPK regt an, die Vor­gän­ge in­ner­halb der UBS noch ge­nau­er zu un­ter­su­chen. Was hal­ten Sie von die­sem Vor­schlag? Ich tei­le die­ses An­lie­gen. Je­de Bank, auch die UBS, lebt vom Ver­trau­en. Die­ses kann man nicht ein­for­dern. Räumt die UBS nicht aus ei­ge­nem An­trieb auf und sorgt für Trans­pa­renz und Re­me­dur, ent­zieht sie sich noch auf lan­ge Zeit dem an­ge­schla­ge­nen Re­nom­mee nicht.

Braucht es da­für ei­ne par­la­men­ta­ri­sche Un­ter­su­chungs­kom­mis­si­on PUK? In die­ser Fra­ge bin ich ge­spal­ten. Ei­gent­lich braucht es die PUK zum zu­sätz­li­chen Sich­ten und Er­ken­nen von Fak­ten nicht, so­fern es stimmt, dass die GPK al­le In­for­ma­tio­nen, die ver­langt wur­den, in vol­ler Trans­pa­renz er­hal­ten hat. Wol­len der Bun­des­rat, die Na­tio­nal­bank, die Fin­ma und die UBS sich ei­nem im­mer noch vor­han­de­nen la­ten­ten Ver­dacht ent­zie­hen, sie woll­ten et­was un­ter dem De­ckel hal­ten, so braucht es die PUK. Und weil stimmt, dass Ver­trau­en die Grund­la­ge al­len Tuns und Las­sens ist, muss die PUK wohl sein.

ist über­zeugt, dass das ei­ne um­fas­sen­de Un­ter­su­chung der in­ter­nen Vor­gän­ge wie­der­her­ge­stellt wer­den kann.

War­um ru­fen aus­ge­rech­net die SP und die SVP nach ei­ner PUK? Da ver­mu­te ich, lei­der, auch Par­tei­po­li­tik. Es ent­zieht sich mei­ner Kennt­nis, ob auch die in der GPK ver­tre­te­nen Mit­glie­der der SVP und der SP nach ei­ner PUK ru­fen. Die­se Leu­te müss­ten dar­stel­len, wie­so sie nicht ge­nü­gend gut un­ter­su­chen konn­ten. Da­mit er­hiel­te auch ich ei­ne Ent­schei­dungs­grund­la­ge für oder ge­gen die PUK.

Die UBS hat ih­re Un­ter­stüt­zung für ei­ne in­ter­ne Un­ter­su­chung si­gna­li­siert. Wie soll­te ein sol­ches Pro­jekt an­ge­gan­gen wer­den, und was könn­te es brin­gen? Das Zei­chen der UBS ist in ih­rem ei­ge­nen In­ter­es­se. Sie be­ein­flusst mit ih­rem Si­gnal die zu Be­ginn der kom­men­den Wo­che an­ste­hen­de Ent­schei­dung zum US-Amts­hil­fe­ge­such nicht, das will sie wohl auch nicht. Sie braucht Ver­trau­en und des­halb in der Öf­fent­lich­keit ak­zep­tier­te Trans­pa­renz. Wenn ei­ne Un­ter­su­chung star­tet, muss si­cher­ge­stellt wer­den, dass dem Re­sul­tat kein Ma­kel in Sa­chen Red­lich­keit und Kor­rekt­heit an­haf­tet. Al­so: Die UBS klagt ge­gen die frü­he­re ei­ge­ne Füh­rung, die un­ab­hän­gi­gen un­ter­su­chen­den In­stan­zen su­chen die Wahr­heit, dann wird ge­sühnt, und dem In­sti­tut ge­lingt ein Neu­start in ei­ne er­folg­rei­che Zu­kunft. Das wün­sche ich mir für die UBS.

Die SP und die SVP ha­ben im Na­tio­nal­rat auch den Staats­ver­trag mit den USA ver­senkt. Was treibt die­se Par­tei­en an? Ver­senkt ist noch gar nichts. Es kommt im Na­tio­nal­rat ei­ne zwei­te Run­de, nach­dem der Stän­de­rat am ver­gan­ge­nen Don­ners­tag dem Amts­hil­fe­ge­such ein zwei­tes Mal sehr deut­lich zu­ge­stimmt hat. Ich er­war­te, dass das Amts­hil­fe­ge­such auch in der gros­sen Kam­mer mit den Stim­men der FDP und der CVP, aber auch ein­zel­nen aus der SVP an­ge­nom­men wird. Die SVP hat grund­sätz­lich be­kom­men, was sie woll­te. Die Mo­tio­nen zur Kom­pe­tenz des Bun­des­rats bei Staats­ver­trä­gen und in Be­zug auf die Bo­nis­teu­er sind un­ter­wegs. Die SP hat un­ge­schickt über­bor­det und geht nun vo­r­erst als Ver­lie­re­rin vom Platz.

SP und SVP ha­ben sich zu ei­ner ‹Blo­cka­de-Al­li­anz› ent­wi­ckelt. Wie kön­nen die bei­den Mit­te­par­tei­en FDP und CVP die­ser für die Schweiz schäd­li­chen Ent­wick­lung be­geg­nen? Letzt­lich setzt sich das bes­te po­li­ti­sche Ar­gu­ment durch. FDP und CVP dür­fen sich nicht fehl­lei­ten las­sen: Je­de der bei­den Par­tei­en hat mit der ei­ge­nen Über­zeu­gung an­zu­tre­ten. De­cken sich die­se, so wird es zu­min­dest für ei­nen der bei­den Po­le schwie­rig, dar­an vor­bei­zu­kom­men.

Na­tio­nal­rat Schnei­der-Am­mann

Ver­trau­en in die UBS nur über

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