Aktienexposé

AKTIENEXPOSÉ Deut­scher Aro­ma- und Duft­stoff­spe­zia­list ist auf gu­tem We­ge – Hart­nä­cki­ges, aber frag­wür­di­ges Über­nah­me­ge­rücht – Ak­ti­en sind mass­voll be­wer­tet

Finanz und Wirtschaft - - VORDERSEITE - CHRIS­TI­AN BRAUN

Min­des­tens fünf­mal ist der Ge­schma­ckund Duft­stoff­her­stel­ler Sym­ri­se in die­sem Jahr schon Ge­gen­stand ei­nes Über­nah­me­ge­rüchts ge­we­sen, so auch in die­sem Mo­nat. Im­mer wie­der fällt da­bei der­sel­be Na­me: Sol­vay. Die Be­harr­lich­keit des Ge­rüchts schafft ei­nen idea­len Nähr­bo­den für Fan­ta­sie. Soll­te sich die bel­gi­sche Che­mie­grup­pe zu ei­ner Of­fer­te durch­rin­gen, müss­te sie den Sym­ri­se-Ak­tio­nä­ren ei­ne aus­rei­chend ver­lo­cken­de Prä­mie bie­ten; ein Kurs­sprung wä­re ge­wiss.

Passt an sich nicht zu Sol­vay

«Wir ha­ben kei­ne durch Fak­ten un­ter­mau­er­te Hin­wei­se», sag­te Sym­ri­se-Chef Heinz-Jür­gen Bertram im Fe­bru­ar zu dem Ge­mun­kel (vgl. In­ter­view in FuW Nr. 12). Sol­vay ver­fügt al­ler­dings über viel Geld. Der Kon­zern hat im Zu­ge sei­ner Neu­aus­rich­tung sei­ne Phar­ma­spar­te zu ei­nem Un­ter­neh­mens­wert von 5,2 Mrd.€ an Ab­bott ver­kauft. Der Er­lös wer­de in or­ga­ni­sches und statt­li­ches ex­ter­nes Wachs­tum in­ves­tiert, heisst es aus Brüssel. Mit ei­nem Un­ter­neh­mens­wert von 2,7 Mrd.€ (Bör­sen­wert plus Net­to­schul­den) liegt Sym­ri­se lo­cker in Reich­wei­te. Die zen­tra­le Fra­ge aber lau­tet: Passt Sym­ri­se zu Sol­vay? So­fern der Che­mi­ka­li­en-und Kunst­stoff­spe­zia­list kein drit­tes Stand­bein sucht, heisst die Ant­wort Nein. Auch an der Bör­se über­wiegt Skep­sis: Der Sym­ri­se-Kurs spricht zwar je­weils auf das Ge­rücht an, das aber we­der deut­lich noch dau­er­haft.

Doch selbst wer von Über­nah­me­fan­ta­si­en ab­stra­hiert, fin­det in Sym­ri­se ei­ne er­wä­gens­wer­te An­la­ge­mög­lich­keit. Die Ge­sell­schaft lockt mit ei­ner Kom­bi­na­ti­on aus Wachs­tums­per­spek­ti­ven und de­fen­si­ven Merk­ma­len. Seit sie im De­zem­ber 2006 aus Pri­va­te-Equi­ty-Hand an die Bör­se ge­kom­men ist, hat sie durch­weg an Qua­li­tät ge­won­nen. Sie ist über­dies schnel­ler ge­wach­sen als der Markt ins­ge­samt, in dem Giv­au­dan und Fir­me­nich die Num­mern eins und zwei sind und sie selbst hin­ter IFF auf Rang vier folgt. Par­al­lel zum Wachs­tum hat Sym­ri­se die Er­trags­kraft er­höht: Mit 19,5% er­reicht die ope­ra­ti­ve Mar­ge des Jah­res 2009 auf Ba­sis des be­rei­nig­ten Ebit­da fast das Ni­veau von Giv­au­dan (20,7%).

Stra­te­gisch zielt Sym­ri­se dar­auf ab, das Port­fo­lio ab­zu­run­den, geo­gra­fisch eben­so wie un­ter dem Ge­sichts­punkt der tech­ni­schen Ex­per­ti­se. Gleich­zei­tig wird in die Kräf­ti­gung der Kern­kom­pe­ten­zen in­ves­tiert und dar­auf hin­ge­ar­bei­tet, die ei­ge­ne Roh­stoff­ba­sis für zen­tra­le Pro­duk­te zu si­chern. Die Mel­dung vom Don­ners­tag, wo­nach die Ka­pa­zi­tät für syn­the­ti­sches Menthol bis 2012 ver­dop­pelt wer­den soll, ist da­für ein Bei­spiel: Trotz Markt­füh­rer­schaft will Sym­ri­se die Stel­lung in die­sem Wachs­tums­markt wei­ter fes­ti­gen – die Nach­fra­ge nach Menthol wächst seit Jah­ren pro­zen­tu­al zwei­stel­lig, für den ge­sam­ten Aroma­und Duft­stoff­markt wer­den für 2010 da­ge­gen nur 2% Wachs­tum er­war­tet.

Von der Kon­kur­renz hebt sich die Ge­sell­schaft durch die Ent­wick­lung von Kos­me­tikin­gre­di­en­zi­en und Pfle­ge­stof­fen ab. Wei­te­re wachs­tums­star­ke Märk­te wer­den mit ei­nem neu­en Be­reich an­vi­siert, der auf Nah­rungs­er­gän­zungs­mit­tel und Ge­schmack­s­lö­sun­gen für Ge­sund­heits­prä­pa­ra­te spe­zia­li­siert ist.

Un­ter­schied­li­cher Cha­rak­ter

Un­ter­schie­de et­wa im Ver­gleich zu Giv­au­dan gibt es auch in der Ak­ti­en­be­wer­tung. Egal ob Kurs­ver­hält­nis­ana­ly­se (be­zo­gen auf Buch­wert, Ge­winn, Ebit­da, Cash­flow, Um­satz) oder Un­ter­neh­mens­wert­kenn­zah­len, Sym­ri­se sind güns­ti­ger. Zu­min­dest ein Stück weit ist das er­klär­bar: Giv­au­dan ist das ge­stan­de­ne­re Un­ter­neh­men, das dank des lan­gen, gu­ten Leis­tungs­aus­wei­ses mehr Ver­trau­en ge­niesst und bis­her auch er­trags­kräf­ti­ger ge­we­sen ist.

Sym­ri­se wirkt im über­tra­ge­nen Sin­ne jün­ger, mit al­len Vor-und Nach­tei­len. Un­ter­neh­men und Ak­ti­en ha­ben ei­nen an­de­ren Cha­rak­ter. Ob­wohl von de­fen­si­ver Prä­gung, sind die Ak­ti­en ris­kan­ter als die von Giv­au­dan. Da­für sind sie güns­ti­ger, und es wür­de nicht über­ra­schen, soll­ten sie sich auch als er­gie­bi­ger er­wei­sen – auch oh­ne Über­nah­me­an­ge­bot.

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