Zu­ver­sicht setzt sich durch

Star­ke Ban­ken und No­var­tis – Um­schich­tun­gen aus Ro­che – Swiss Li­fe ver­lie­ren wei­ter

Finanz und Wirtschaft - - BÖRSE SCHWEIZ - MO­NI­CA HEGG­LIN

Mar­kan­te Kurs­schwan­kun­gen ver­un­mög­lich­ten es am Frei­tag den Händ­lern, ih­re Auf­merk­sam­keit auf die Fussball-WM zu rich­ten. Die er­freu­li­chen Kon­junk­tur­da­ten aus den USA, Chi­na, Ja­pan und Eu­ro­pa, die die Bör­se im zwei­ten Teil der Be­richts­wo­che un­ter­stütz­ten, wur­den am let­zen Han­dels­tag ge­schwächt. Die US-Ein­zel­han­dels­da­ten fie­len schlech­ter als er­war­tet aus. Nach ei­nem gu­ten Start ver­lor die Schwei­zer Bör­se am Frei­tag­mit­tag et­was Ter­rain, gab aber ein schnel­les Come­back dank gu­ten Da­ten vom US-Häu­ser­markt. Ge­tra­gen von den Bank­ak­ti­en und von No­var­tis re­sul­tier­te in der Wo­chen­bi­lanz der Schwei­zer Bör­se ein Plus. Das The­ma Staats­ver­schul­dung war wei­ter­hin prä­sent; die er­folg­rei­che Auk­ti­on ita­lie­ni­scher Staats­an­lei­hen sorg­te für Ent­span­nung. Der Swiss Mar­ket In­dex SMI stieg um 2% auf 6424,7.

Vo­la­ti­le UBS

Das Hin und Her im Par­la­ment um den Staats­ver­trag mit den USA ist dem Ak­ti­en­kurs der UBS ge­wiss nicht för­der­lich. Die Ti­tel konn­ten sich je­doch von ih­rem Schwä­che­an­fall von An­fang Wo­che er­ho­len und schlos­sen 2,1% hö­her. Am Frei­tag äus­ser­te sich CEO Os­wald Gr­ü­bel zu­ver­sicht­lich, dass das Par­la­ment den Ver­trag ge­neh­mi­gen wer­de (vgl. Sei­te 18).

Ein Ge­richt in New York hat ei­ne Sam­mel­kla­ge ge­gen UBS im Zu­sam­men­hang mit dem Ver­kauf von Auc­tion Ra­te Se­cu­ri­ties ab­ge­lehnt. Die­se Wo­che traf Fi­nanz­chef John Cryan in London Fi­nanz­ana­lys­ten. Er sag­te, die UBS ha­be kei­ne Schwie­rig­kei­ten, sich zu fi­nan­zie­ren, je­doch hät­ten die meis­ten Ban­ken der Eu­ro­zo­ne Mü­he, bei US-Ban­ken Geld zu bor­gen. Was das Han­dels­um­feld be­trifft, so er­klär­te der UBS-Fi­nanz­chef ge­mäss dem Bro­ker Hel­vea, dass sich die Ge­schäf­te im zwei­ten Quar­tal spür­bar schwä­cher ent­wi­ckeln als im ers­ten. Das hat nicht nur sai­so­na­le Grün­de. In der Ver­mö­gens­ver­wal­tung sind die schon zu­vor schwa­chen Kun­den­ak­ti­vi­tä­ten we­gen der Eu­ro­kri­se zu­rück­ge­gan­gen, eben­so die Neu­emis­sio­nen und die Be­ra­tung für Über­nah­men und Fu­sio­nen (M&A).

Am Mitt­woch gab Deutsch­land den Kauf ei­ner wei­te­ren CD mit Da­ten von mut­mass­li­chen Steu­er­sün­dern be­kannt. Im Zu­sam­men­hang mit der CD, die die deut­schen Be­hör­den im März ge­kauft ha­ben, soll die Jus­tiz ver­se­hent­lich Do­ku­men­te ver­brei­tet ha­ben, die ih­re Po­si­ti­on schwä­chen. Da­bei geht es um Er­mitt­lun­gen ge­gen Mit­ar­bei­ter der Cre­dit Suis­se (Ak­ti­en +4,9%), die Bei­hil­fe zur Steu­er­hin­ter­zie­hung ge­leis­tet ha­ben sol­len.

Be­mer­kens­wer­te Bas­ler KB

Die Ti­tel der Bas­ler Kan­to­nal­bank (PS: +1,4%) ge­hö­ren mit ei­ner Avan­ce um 17,9% seit Jah­res­be­ginn zu den bes­ten Kan­to­nal­bank­va­lo­ren. Zu­vor ten­dier­ten sie wäh­rend meh­re­rer Jah­re seit­wärts. Der BKB kommt ih­re Di­ver­si­fi­zie­rung zu­gu­te: Wäh­rend an­de­re Kan­to­nal­ban­ken den Lö­wen­an­teil des Er­trags im un­ter Druck ge­ra­te­nen Zins­ge­schäft er­zie­len, steu­ert der Zins­sal­do der Bas­ler «nur» 52% zum Er­trag bei. In ei­nem In­ter­view mit der Nach­rich­ten­agen­tur AWP be­stä­tig­te BKBChef Hans Ru­dolf Mat­ter, dass sich das Han­dels­ge­schäft und die Ver­mö­gens­ver­wal­tung sehr gut ent­wi­ckel­ten.

In den Ak­ti­en von Swiss Re (+ 4,1%) hat die In­ves­to­ren­ta­gung am Frei­tag we­nig aus­ge­löst. Im­mer­hin deu­ten die ak­tua­li­sier­ten Ein­schät­zun­gen der Kon­zern­lei­tung zum lau­fen­den Jahr nicht auf ei­ne Ver­schlech­te­rung des Ge­schäfts hin (vgl. Sei­te 21). Al­ler­dings blei­ben Ge­fah­ren: ei­ner­seits aus der Hur­ri­kan­sai­son, die für die­sen Som­mer über­durch­schnitt­lich ak­tiv er­war­tet wird, an­de­rer­seits von den En­ga­ge­ments an den Fi­nanz­märk­ten. Swiss Re hat das 140-Mrd.-$-Porte­feuille über die ver­gan­ge­nen Mo­na­te in ei­ne vor­sich­ti­ge­re Struk­tur ge­bracht. Den­noch ar­bei­tet die man­dats­wei­se zu­ge­zo­ge­ne Fi­nanz­ge­sell­schaft Black Rock wei­ter am rund 20 Mrd.$ gros­sen Bro­cken struk­tu­rier­ter und hy­po­the­ken­be­si­cher­ter Bonds. Der wei­te­re Ver­lauf des US-Häu­ser­mark­tes be­hält für Swiss Re da­mit Bri­sanz.

Die Va­lo­ren von Swiss Li­fe (–4,5%) schwä­chel­ten wei­ter ent­ge­gen dem Trend. We­sent­li­cher Grund ist wohl der be­vor­ste­hen­de Ver­lust der SMI-Mit­glied­schaft, wo­mit In­dex­an­le­ger zum Aus­stieg aus die­sen Ak­ti­en ge­zwun­gen wer­den.

ABB über 20 Fr.

Seit ei­ni­gen Wo­chen no­tie­ren ABB un­ter 20 Fr. Die­se Wo­che end­lich ha­ben sie es ge­schafft: +4,1% auf 20.24 Fr. Die Bör­se ho­no­riert es bis­lang kaum, dass der Kon­zern seit An­fang Mai da­bei ist, das Port­fo­lio über Ak­qui­si­tio­nen mar­kant aus­zu­wei­ten ( Ven­tyx, ABB In­dia so­wie Chlo­ri­de, vgl. Mitt­woch­aus­ga­be). Die Vor­aus­set­zun­gen, dass ABB auf die­sem We­ge die Markt­po­si­tio­nen stär­ken wird, zum Vor­teil der An­le­ger, sind ge­ge­ben.

Georg Fischer avan­cier­ten 4%. Am Mon­tag wech­sel­te ein Pos­ten von 100 000 Stück die Hand. Bis­her ist kei­ne Of­fen­le­gung ge­mel­det wor­den.

Zu den Ver­lie­rern ge­hör­ten Tran­so­ce­an (–9,6%). Zwar scheint sich das im­mer noch nicht ver­läss­lich be­zif­fer­ba­re Scha­den­po­ten­zi­al auf BP zu kon­zen­trie­ren (vgl. Ar­ti­kel auf Sei­te 2), we­nigs­tens so­lan­ge Tran­so­ce­an kein grob­fahr­läs­si­ges Ver­hal­ten nach­ge­wie­sen wer­den kann, doch es blei­ben Jus­tiz­ri­si­ken, der Ruf ist an­ge­schla­gen, und das Tief­see­bohr­ge­schäft wird lei­den.

Aryz­ta (+14%) wa­ren auch in der zwei­ten Wo­chen­hälf­te ge­sucht. Aus­schlag­ge­bend war der Gross­ein­kauf des Back­wa­ren­her­stel­lers in Nord­ame­ri­ka (vgl. FuW vom Mitt­woch). Am Frei­tag gab das Un­ter­neh­men De­tails zur Ka­pi­tal­er­hö­hung aus ge­neh­mig­tem Ka­pi­tal be­kannt. Die Zahl der aus­ste­hen­den Ak­ti­en steigt von 81,2 auf 84,5 Mio. (vgl. Sei­te 14).

Neu­ig­kei­ten zu No­var­tis (+5,6%, vgl. Ar­ti­kel un­ten) führ­ten zu Um­schich­tun­gen. Ro­che (–4,1%) wei­sen seit Jah­res­be­ginn die schlech­te­re Per­for­mance auf als No­var­tis, was un­ge­recht­fer­tigt er­scheint. Spä­tes­tens zur Pu­bli­ka­ti­on der Halb­jah­res­er­geb­nis­se am 22. Ju­li dürf­ten Ro­che wie­der auf­ho­len.

Be­li­mo (Ak­ti­en +0,8%) ist of­fen­bar gut un­ter­wegs. Nach dem leich­ten Um­satz­rück­gang im ver­gan­ge­nen Jahr ver­zeich­net der Her­stel­ler von An­trie­ben für Luft­und Was­ser­klap­pen so­wie Ar­ma­tu­ren im ers­ten Se­mes­ter stei­gen­de Ver­kaufs­zah­len, wie CEO Jac­ques San­che in ei­nem In­ter­view mit AWP er­klär­te.

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