Hand­lungs­be­darf der SNB ist grös­ser

SIX Bond Event: «Ei­ne No­ten­bank kann nicht ih­re Wäh­rung und das Geld­an­ge­bot zu­gleich steu­ern»

Finanz und Wirtschaft - - OBLIGATIONEN - PK

Die geld­po­li­ti­sche La­ge­be­ur­tei­lung der Schwei­ze­ri­schen Na­tio­nal­bank (SNB) am kom­men­den Don­ners­tag warf ih­ren Schat­ten auf das SIX Swiss Ex­ch­an­ge Bond Event vom Mitt­woch vor­aus. Mar­kus Al­len­s­pach, Lei­ter Fi­xed In­co­me Re­se­arch Ju­li­us Bär, at­tes­tier­te der Schweiz, sie ha­be die Kri­se wachs­tums­mäs­sig oh­ne spür­ba­ren Scha­den ge­meis­tert. Die SNB wer­de ih­ren Leit­satz zwar nicht nächs­te Wo­che, aber im Sep­tem­ber erst­mals er­hö­hen. En­de 2011 wer­de das Zins­ziel im Li­bor 1,5% be­tra­gen (heu­te 0,25%).

Da­bei wür­den die von Kre­dit­wachs­tum, Im­mo­bi­li­en­prei­sen und stei­gen­der In­fla­ti­on zum Han­deln an­ge­trie­be­nen Schwei­zer Geld­po­li­ti­ker we­der auf die USNo­ten­bank Fed noch die Eu­ro­päi­sche Zen­tral­bank (EZB) war­ten. Das Fed zö­ge­re we­gen ho­her Ar­beits­lo­sig­keit und rück­läu­fi­gen Kre­dit­vo­lu­mens bis 2011, die EZB müs­se ih­re Zins­po­li­tik ver­mehrt auf die Be­dürf­nis­se der an­ge­schla­ge­nen Pe­ri­phe­rie aus­rich­ten und wer­de erst 2012 ak­tiv.

Für Nan­net­te Hech­ler-Fayd’her­be, Lei­te­rin Glo­bal Fi­xed In­co­me und Cre­dit Re­se­arch Cre­dit Suis­se, ist der seit der Eu­roein­füh­rung herr­schen­de Trend, ge­mäss dem der Frankenkapitalmarkt in­ter­na­tio­nal an Be­deu­tung ein­büsst, ge­bro­chen. Sie stell­te sich ge­stützt auf ei­ne Gra­fik, die die No­ten­bank­bi­lanz­sum­me ins Ver­hält­nis zum Brut­to­in­land­pro­dukt setzt, die Fra­ge, wie lan­ge die SNB sich noch ge­gen die Auf­wer­tung stem­men kann. Ei­ne ähn­li­che Ab­bil­dung (vgl. Gra­fik) prä­sen­tier­te BNP-Pa­ri­bas-Öko­nom Eo­in O’Cal­lag­han. Die SNB sei ei­ne der No­ten­ban­ken ge­we­sen, die am ag­gres­sivs­ten auf die Fi­nanz­kri­se re­agiert hät­ten.

Da sich die Schwei­zer Volks­wirt­schaft be­mer­kens­wert gut ge­schla­gen ha­be, er­wei­se sich die sehr ex­pan­si­ve Geld­po­li­tik zu­neh­mend als un­pas­send. «Die SNB wird nicht mehr lan­ge den Mut ha­ben, mit den De­vi­sen­käu­fen so mas­siv wei­ter­zu­fah­ren. Der Ap­pe­tit nimmt im­mer mehr ab.» O’Cal­lag­han rech­net nicht da­mit, dass die SNB den Leit­zins an­hebt, wäh­rend sie wei­ter­hin in­ter­ve­niert. «Die SNB kann den Fran­ken oder das in­län­di­sche Geld­an­ge­bot steu­ern, nicht bei­des. Sie hat die Kon­trol­le über das Geld­an­ge­bot ver­lo­ren und ap­pel­liert des­halb an die Ban­ken, in der Hy­po­the­kar­ver­ga­be Vor­sicht wal­ten zu las­sen.» Es wer­de wahr­schein­li­cher, dass die SNB zu un­or­tho­do­xen Mass­nah­men grei­fe, z. B. zu Steu­ern (de fac­to Ne­ga­tiv­zins) für aus­län­di­sche Fran­ken­de­po­si­ten.

Dass die SNB am Don­ners­tag sol­che «Straf­steu­ern» ver­kün­det, ist un­wahr­schein­lich. Da­für dürf­te sie die Re­sul­ta­te ei­ner Ban­ken­um­fra­ge zum Hy­po­the­kar­ge­schäft in der Schweiz prä­sen­tie­ren und je nach Be­fund Mass­nah­men er­grei­fen.

Thors­ten Wei­nelt, Lei­ter Cor­po­ra­te & In­vest­ment Ban­king Re­se­arch von Uni­credit, wid­me­te sich nicht der Schweiz, son­dern Eu­ro­land. Die Wahr­schein­lich­keit ei­nes Schul­den­schnitts in Grie­chen­land sei be­trächt­lich. Eu­ro­land wer­de wohl we­der ei­nen gros­sen Sprung schaf­fen noch aus­ein­an­der­bre­chen, son­dern sich mit kos­me­ti­schen Ope­ra­tio­nen in Rich­tung Trans­fer­uni­on ent­wi­ckeln.

Mit Zins­the­men im wei­te­ren Sin­ne be­fasst sich auch die Ob­li­ga­tio­nen­kom­mis­si­on Schweiz (OKS). Prä­si­dent Wolf­gang Mar­ty rief den Ur­sprung der 2004 zur För­de­rung des Schwei­zer An­lei­hen­mark­tes ge­grün­de­ten Platt­form in Er­in­ne­rung: die Fra­ge ei­ner Bench­mark für Ob­li­ga­tio­nen nach der Ein­stel­lung des Pic­tet-In­dex. Dort hat die OKS ei­ni­ge Fort­schrit­te er­zielt, noch am Lau­fen sind die Ar­bei­ten für die Sek­to­ren­in­di­zes im SBI ba­sie­rend auf Ga­ran­tie-und Be­si­che­rungs­mo­del­len. Bis­lang auf tau­be Oh­ren in Bun­des­bern stos­sen lei­der die Ef­forts zur Ab­schaf­fung der schäd­li­chen Stem­pel­ab­ga­ben.

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