Swiss Re im Dop­pel

Auch Pfand­brief­bank be­gibt zwei­fach – LUKB, ANZ und Île de Fran­ce emit­tie­ren – ZKB stutzt Aryz­ta

Finanz und Wirtschaft - - OBLIGATIONEN - TOM­MA­SO MANZIN

Die Stim­men am Markt meh­ren sich, die Schwei­ze­ri­sche Na­tio­nal­bank (SNB) ha­be sich im Kampf ge­gen die Fran­ken­auf­wer­tung ver­rannt und ste­he mitt­ler­wei­le auf ver­lo­re­nem Pos­ten – die 80 Mrd. an De­vi­sen­ein­käu­fen im Mai (vgl. letz­te Aus­ga­be) be­zeich­nen sie als «Lehr­geld». Die Fremd­wäh­rungs­re­ser­ven lie­gen mit fast 40% des Brut­to­in­land­pro­dukts (BIP) weit über der Quo­te an­de­rer No­ten­ban­ken (vgl. Ar­ti­kel un­ten).

We­nig glaub­haft er­scheint mitt­ler­wei­le auch das De­fla­ti­ons­sze­na­rio. Ge­mäss ih­rer be­ding­ten In­fla­ti­ons­pro­gno­se kann die SNB die Preis­sta­bi­li­tät bei un­ver­än­der­ter Po­li­tik 2012 nicht mehr ge­währ­leis­ten. Auch Kre­dit­wachs­tum und Im­mo­bi­li­en­prei­se könn­ten die SNB zur bal­di­gen Be­en­di­gung der Tief­zins­po­li­tik zwin­gen.

Bund teilt gross­zü­gi­ger zu

Da­von pro­fi­tie­ren vo­r­erst noch die Schuld­ner. In der Auk­ti­on vom Mitt­woch teil­te der Bund in 3% Eid­ge­nos­sen­schaft 2004/2019 800 Mio. Fr. zu. Die bis­he­ri­gen Zu­tei­lun­gen wa­ren im Ver­gleich da­zu ge­ra­de­zu mick­rig. Der Cou­pon ver­mag nicht dar­über hin­weg­zu­täu­schen, dass der «Eid­ge­nos­se» zum Preis von 113,25% für die Rest­lauf­zeit ma­ge­re 1,4% Ren­di­te ab­wirft. Be­ob­ach­ter frag­ten sich, ob der Bund den Markt an hö­he­re Vo­lu­men ge­wöh­nen will – oder lang­sam doch mehr Geld brau­che.

Die Rah­men­be­din­gun­gen hät­ten sich nicht ge­än­dert, er­klärt Urs Eggenberger, Lei­ter der Bun­dest­re­so­re­rie, man blei­be bei den an­ge­kün­dig­ten 4,3 Mrd. Brut­to­emis­si­ons­be­darf (vgl. FuW Nr. 3 vom 13. Ja­nu­ar). Aus­schlag­ge­bend für die Aus­wahl der An­lei­he war vor al­lem das tie­fe Zins­ni­veau – 1,4% sei­en ei­ne gu­te Ge­le­gen­heit. Zu­dem ha­be die Lauf­zeit ins Port­fo­lio ge­passt. Man hät­te den 2021er vom letz­ten Mal gern auf­ge­stockt, aber vor dem Hin­ter­grund der eher ma­ger ver­lau­fe­nen letz­ten Auk­ti­on (vgl. FuW Nr. 37 vom 15. Mai) ha­be man dar­auf ver­zich­tet.

Die tie­fen Zin­sen rie­fen wei­te­re Schuld­ner auf den Plan. Am Mitt­woch lan­cier­te das Lo­kaltrio aus UBS In­vest­ment Bank (IB), Cre­dit Suis­se (CS) und Zürcher Kan­to­nal­bank (ZKB) die Du­al­tran­che 2% Swiss Re 2010/2015 über 500 Mio. Fr. zu 80 Ba­sis­punk­ten (Bp) über Swap so­wie den Floa­ter Swiss Re Fi­nan­ce 2010/2012 über 250 Mio. Fr. Die Trans­ak­ti­on er­in­nert in ih­rem Mix an die CS-Be­ge­bung von ver­gan­ge­ner Wo­che. Der Er­lös dient der Re­fi­nan­zie­rung ab­ge­lau­fe­ner oder bald zur Til­gung an­ste­hen­der Bonds.

Swiss Re ha­be vom Na­men pro­fi­tiert, er­klärt ZKB, der Auf­schlag sei güns­tig, man ha­be zu­nächst mit 85 Bp son­diert. Ent­schei­dend sei­en Cou­pon, Lauf­zeit und die In­land­ge­ne des Schuld­ners ge­we­sen. CS be­stä­tigt: Der Rück­ver­si­che­rer ha­be sich oh­ne Neu­emis­si­ons­prä­mie auf das Se­kun­där­markt­ni­veau re­fi­nan­zie­ren kön­nen. Man ha­be den vor­ge­ge­be­nen Ma­xi­mal­be­trag aus­ge­schöpft und so­gar Kür­zun­gen vor­neh­men müs­sen.

Im Dop­pel kam auch die Pfand­brief­bank: CS lan­cier­te 21⁄ 8% Pfand­brief­bank 2010/2023 über 265 Mio. Fr. und stock­te 1% Pfand­brief­bank 2010/2014 um 295 Mio. auf 545 Mio. Fr. auf.

Den Rei­gen von Kan­to­nal­bank­ei­gen­an­lei­hen setzt nach BLKB (vgl. letz­te Aus­ga­be) am Don­ners­tag Lu­zer­ner Kan­to­nal­bank (LUKB) mit 17⁄ 8% LUKB 2010/2020 über 300 Mio. Fr.

Ei­ne Ei­gen­an­lei­he über 1,1 Mrd.€ be­gab am Frei­tag CS. Hier­zu­lan­de war die Gross­bank jüngst mit ei­ner Dop­peltran­che rüh­rig (vgl. FuW Nr. 53 vom 5. Ju­ni).

Kon­di­tio­nen von Schwei­zer Ban­ken für erst­ran­gi­ge Hy­po­the­ken auf Wohn­bau­ten

Glei­chen­tags lan­cier­ten UBS IB und CS 2% Aus­tra­lia and New Ze­a­land Ban­king Group (ANZ) 2010/2016 über 325 Mio. Fr., und im Al­lein­gang be­gab UBS IB 15⁄ 8% Île de Fran­ce 2010/2017 über 140 Mio. Fr.

S&P stuft ABB hö­her

Die mo­nat­li­che Sta­tis­tik der Schwei­zer Bör­se SIX zeigt, dass der Um­satz von Fran­ken­an­lei­hen auch im Mai – wie bis­her je­den Mo­nat die­ses Jah­res – über dem Vor­jahr no­tiert. Ins­ge­samt wech­sel­ten bis En­de Mai Ti­tel über 42 Mrd. Fr. die Hand ( Vor­jahr: 30,8 Mrd.). Dass sich Pri­märund Se­kun­där­markt der­zeit ge­gen­läu­fig ent­wi­ckeln, stell­te auch Ue­li Gol­de­ner, Lei­ter für den fest­ver­zins­li­chen Be­reich an der SIX, am dies­jäh­ri­gen SIX Bond Event am Mitt­woch fest. Grund ist u. a. der Steu­er­vor­teil des Pri­mär­markts (kei­ne Um­satz­steu­er).

Aryz­ta wird bis 18. Ju­ni 3,31 Mio. ei­ge­ne Ak­ti­en zu 41.40 Fr. pri­vat pla­zie­ren, um die Ak­qui­si­ti­on von Fresh Start Ba­ke­ries (vgl. letz­te Aus­ga­be) zu fi­nan­zie­ren. ZKB sieht das Fi­nanz­pro­fil durch die Über­nah­me ver­schlech­tert und stutzt den Back­wa­ren­her­stel­ler von BBB+ auf BBB.

Stan­dard & Poor’s (S&P) hat ABB im ab­ge­kürz­ten Ver­fah­ren oh­ne vor­he­ri­ge Aus­bli­ck­än­de­rung von A– auf A hö­her­ge­stuft. Das ope­ra­ti­ve Er­geb­nis ha­be we­ni­ger zy­klisch re­agiert als an­ge­nom­men, das Fi­nanz­ri­si­ko­pro­fil sei gar bes­ser ge­wor­den. S&P er­war­tet 2010 ei­nen wei­te­ren Mar­gen-(2%) und Um­satz­rück­gang (5), was aber eben­so wie all­fäl­li­ge wei­te­re schul­den­fi­nan­zier­te Ak­qui­si­tio­nen so­wie hö­he­re Ak­tio­närs­aus­schüt­tun­gen in der Neu­be­wer­tung be­reits be­rück­sich­tigt sei.

Der­zeit kämp­fen in Spa­ni­en so­wohl die Re­gio­nen als auch die Zen­tral­re­gie­rung mit mas­si­ven Steu­er­ein­nah­me­aus­fäl­len (vgl. letz­te Aus­ga­be). S&P hat nun Fran­ken­schuld­ner Ge­ne­ra­li­tat de Va­len­cia von AA– auf A+ zu­rück­ge­stuft und den ne­ga­ti­ven Aus­blick bei­be­hal­ten. S&P rech­net mit wei­te­ren Bud­get­de­fi­zi­ten bis min­des­tens 2013. Ei­ne aber­ma­li­ge Rück­stu­fung könn­te fol­gen, falls nach­hal­tig ho­he De­fi­zi­te die Schul­den bis 2012 auf 190 bis 200% der Ein­nah­men hoch­trie­ben und sich die­ses Ver­hält­nis nicht sta­bi­li­sier­te.

Zur Meh­rung der Markt­trans­pa­renz trägt das am Mitt­woch von CS vor­ge­stell­te Kre­dit­hand­buch bei. Die Gross­bank stellt ei­ne Sta­bi­li­sie­rung der Bo­ni­tät der Schwei­zer Un­ter­neh­men fest.

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