Eu­ro un­ter 1.40 Fr./€

DE­VI­SEN Der un­ga­ri­sche Forint er­holt sich – Neu­see­land be­ginnt mit Leit­zins­er­hö­hun­gen

Finanz und Wirtschaft - - OBLIGATIONEN/DEVISEN - JEAN­NE RICHENBERGER

Der Eu­ro konn­te sich in den ver­gan­ge­nen Ta­gen auf über 1.21 $/€ fes­ti­gen. Seit De­zem­ber be­fin­det sich die Ge­mein­schafts­wäh­rung un­ter ei­nem Ab­wer­tungs­druck, in des­sen Ver­lauf sie mehr als 20% an Wert ein­ge­büsst hat­te. Die Grün­de für die jüngs­te Er­ho­lung sind zahl­reich: Spa­ni­en be­gab er­folg­reich ei­ne Staats­an­lei­he mit drei­jäh­ri­ger Lauf­zeit, und zahl­rei­che eu­ro­päi­sche Un­ter­neh­men nah­men Ka­pi­tal auf dem Pri­mär­markt auf, Ak­ti­en no­tier­ten sta­bil. Der Zins­ent­scheid der Eu­ro­päi­schen Zen­tral­bank (EZB) si­gna­li­sier­te, dass sich die No­ten­bank al­le Op­tio­nen of­fen hält (vgl. Sei­te 28). Der Satz für die Haupt­re­fi­nan­zie­rungs­ge­schäf­te so­wie die Sät­ze für die Spit­zen­re­fi­nan­zie­rungs­fa­zi­li­tät und die Ein­la­ge­fa­zi­li­tät wur­den auf 1 und 1,75 bzw. 0,25% be­las­sen. Des Wei­te­ren konn­te Spa­ni­en er­folg­reich ei­ne Staats­an­lei­he mit drei­jäh­ri­ger Lauf­zeit be­ge­ben, und zahl­rei­che eu­ro­päi­sche Un­ter­neh­men nah­men Ka­pi­tal auf dem Pri­mär­markt auf.

Für ei­ne Über­ra­schung sorg­ten die jüngs­ten Ex­port­zah­len Chi­nas: Dem­nach hat sich im Mai das Aus­fuhr­vo­lu­men im Ver­gleich zum Vor­jahr 50% er­höht. Ins­ge­samt wur­den Wa­ren im Wert von 131,7 Mrd. $ ex­por­tiert, die Im­por­te be­lie­fen sich auf 112,2 Mrd. $. So­mit weist Chi­na den höchs­ten Han­dels­bi­lanz­über­schuss seit ei­nem hal­ben Jahr aus. Dem Da­ten­ma­te­ri­al der Volks­re­pu­blik ist je­doch nicht un­ein­ge­schränkt zu trau­en, künf­tig ist mit ei­ner et­was schwä­che­ren Ex­port­dy­na­mik zu rech­nen. Denn sie dürf­te so­wohl un­ter der rück­läu­fi­gen Nach­fra­ge der eu­ro­päi­schen Län­der als auch un­ter ei­nem stär­ke­ren Ren­min­bi lei­den (vgl. Sei­te 33).

Er­freu­li­ches Bei­ge Book

Im Zu­ge des et­was fes­te­ren Eu­ros no­tier­te der Fran­ken 1.39 Fr./€. Das Paar hat­te am Mitt­woch auf 1,3734 Fr./€ ein his­to­ri­sches Tief er­reicht. Die jüngs­te Stär­ke der hel­ve­ti­schen Va­lu­ta ist auf Un­garn (vgl. wei­ter un­ten) zu­rück­zu­füh­ren. Zum Dol­lar no­tier­te die hel­ve­ti­sche Va­lu­ta 1.14 Fr./$, zur Vor­wo­che mo­de­rat schwä­cher. Der Gre­en­back pro­fi­tier­te kaum von den vor­teil­haf­ten Kon­junk­tur­aus­sich­ten. Das am Mitt­woch von der US-No­ten­bank Fed pu­bli­zier­te Bei­ge Book – in dem Be­richt wer­den die Kon­junk­tur­be­ob­ach­tun­gen aus al­len zwölf No­ten­bank­di­strik­ten zu­sam­men­ge­fasst und zwei Wo­chen vor dem Tref­fen des Of­fen­markt­aus­schus­ses ver­öf­fent­licht – at­tes­tiert der US-Wirt­schaft ei­ne ver­bes­ser­te, hö­he­re Ak­ti­vi­tät. Zu­sätz­lich wird die La­ge am Ar­beits­markt güns­ti­ger be­ur­teilt.

Im Schat­ten des fes­te­ren Eu­ros konn­te sich auch die un­ga­ri­sche Va­lu­ta et­was er­ho­len: von 290.52 auf un­ter 280Forint/€. Die De­vi­sen­ex­per­ten von Bar­clays sind in Be­zug auf die un­ga­ri­sche Va­lu­ta wei­ter­hin vor­sich­tig und rech­nen lang­fris­tig mit ei­nem schwä­che­ren Forint. Sie be­grün­den den Ab­wer­tungs­druck mit den zahl­rei­chen aus­ste­hen­den Hy­po­the­ken in Fremd­wäh­run­gen, be­son­ders be­liebt sind Eu­ro und Fran­ken. Seit Jah­res­be­ginn sei­en zwar in die­sem Markt kei­ne neu­en Ak­ti­vi­tä­ten ver­zeich­net wor­den, doch zahl­rei­che Dar­le­hen wür­den nach und nach fäl­lig. Das zwin­ge die Fi­nanz­in­sti­tu­te, Fremd­wäh­rung zu kau­fen um so den ex­ter­nen Ver­pflich­tun­gen nach­zu­kom­men.

Vor ei­ner Wo­che hat­ten die Aus­sa­gen der neu­en un­ga­ri­schen Re­gie­rung die Markt­teil­neh­mer in Pa­nik ver­setzt. Sie liess ver­lau­ten, dass le­dig­lich ei­ne ge­rin­ge Chan­ce be­ste­he, ei­ne Si­tua­ti­on wie in Grie­chen­land zu ver­hin­dern. Ar­gu­men­tiert wur­de mit an­geb­lich ge­fälsch­ten Zah­len der Vor­gän­ger­re­gie­rung. Ge­mäss den Ex­per­ten von De­kabank ist die Rhe­to­rik in ers­ter Li­nie an die Wäh­ler ge­rich­tet ge­we­sen, um die Not­wen­dig­keit der Spar­mass­nah­men zu be­to­nen. Zu­sätz­lich sei­en wohl die Chan­cen für ei­ne Neu­ver­hand­lung des Hilfs­pro­gramms mit dem IWF und der EU ge­tes­tet wor­den.

De­kabank ist über­zeugt, dass Un­garn kein neu­es Grie­chen­land ist. Die Staats­ver­schul­dung sei mit rund 80% des Brut- to­in­land­pro­dukts (BIP) ge­rin­ger und das Land ha­be be­reits zahl­rei­che Re­for­men durch­ge­führt. So konn­te Un­garn das Bud­get­de­fi­zit 2009 auf 4% des BIP re­du­zie­ren, noch drei Jah­re zu­vor wa­ren es 9,3% ge­we­sen. Auch der Aus­lands­fi­nan­zie­rungs­be­darf ha­be sich re­du­ziert: Der Sal­do ist seit ver­gan­ge­nem Jahr po­si­tiv. Im Not­fall kann Un­garn zu­dem noch rund 4 Mrd.€ Hilfs­kre­di­te ab­ru­fen.

BoE hält still

Ne­ben der EZB ha­ben zwei wei­te­re No­ten­ban­ken, Bank of En­g­land (BoE) und Re­ser­ve Bank of New Ze­a­land (RBNZ), über das künf­ti­ge Zins­ni­veau ent­schie­den. BoE pass­te den bis­he­ri­gen Leit­zins von 0,5% so­wie die As­set Purcha­se Fa­ci­li­ty über 200 Mrd.£ nicht an.

RBNZ hin­ge­gen hat mit dem Zins­an­he­bungs­zy­klus be­gon­nen: Das In­sti­tut er­höh­te die Of­fi­ci­al Cash Ra­te 25 Ba­sis­punk­te (Bp) auf 2,75%. Den letz­ten Schritt hat­te RBNZ im April 2009 vor­ge­nom­men. Da­mals war der Satz 50 Bp auf 2,5% ge­senkt wor­den. Die No­ten­bank be­grün­de­te die An­he­bung mit der seit zwei Jah­ren an­hal­ten­den Wachs­tums­er­ho­lung. Zu­dem pro­fi­tie­re der In­sel­staat von der ro­bus­te­ren Ver­fas­sung der wich­tigs­ten neu­see­län­di­schen Han­dels­part­ner – Asi­en, Aus­tra­li­en, USA – so­wie hö­he­ren Roh­stoff­prei­sen. RBNZ er­war­tet im lau­fen­den Jahr ei­ne Zu­nah­me der Wirt­schafts­leis­tung von 3,5%. Des­halb re­du­zie­re sie ei­nen Teil des geld­po­li­ti­schen Sti­mu­lus.

Im kom­men­den Jahr wird Est­land der Eu­ro­zo­ne bei­tre­ten und da­mit den Mit­glie­der­kreis auf sieb­zehn er­wei­tern. Für Stan­dard & Poor’s be­deu­tet das ei­ne Bo­ni­täts­ver­bes­se­rung. Neu be­no­tet die Agen­tur den nörd­lichs­ten Staat des Bal­ti­kums mit dem Ra­ting A sta­bil. Sie be­grün­det den Schritt mit be­kann­ten Ar­gu­men­ten: ei­nem ge­rin­ge­ren Wäh­rungs­ri­si­ko so­wie ei­nem ver­ein­fach­ten Ka­pi­tal­markt­zu­gang. Zu­dem ver­fü­ge die est­ni­sche Volks­wirt­schaft über ge­nü­gend Fle­xi­bi­li­tät, um in ei­ner Wäh­rungs­uni­on zu be­ste­hen. Est­land wen­det seit 2004 den Wech­sel­kurs­me­cha­nis­mus II an. Er ist ei­ne not­wen­di­ge Vor­aus­set­zung für den Bei­tritt zur Eu­ro­zo­ne: Staa­ten, die die Ein­heits­va­lu­ta ein­füh­ren wol­len, müs­sen ih­re Wäh­rung wäh­rend zwei­er Jah­re in ei­ner be­stimm­ten Band­brei­te schwan­ken las­sen. Für die est­ni­sche Kro­ne gilt der Kurs 15.65 Kr./€.

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