Öl- und Gas­in­dus­trie so­wie Ban­ken

IN­TER­NA­TIO­NA­LE AN­LEI­HEN Russ­land, In­ves­ti­ti­ons­mög­lich­kei­ten im Land des star­ken Bä­ren

Finanz und Wirtschaft - - OBLIGATIONEN/DEVISEN - BERN­HARD OBEN­HU­BER, Cre­dit Suis­se

Im Zu­ge der jüngs­ten Un­si­cher­hei­ten auf den glo­ba­len Fi­nanz­märk­ten ha­ben die An­lei­hen von Schwel­len­län­dern ge­lit­ten. Seit An­fang April sind die Ri­si­ko­auf­schlä­ge (Spreads) ge­stie­gen. Auch die Ob­li­ga­tio­nen der Re­pu­blik Russ­land und Pa­pie­re von staats­na­hen rus­si­schen Un­ter­neh­men sind im Preis ge­fal­len.

Die jet­zi­gen Preis­ni­veaus stel­len ei­ne in­ter­es­san­te Ein­stiegs­mög­lich­keit für An­le­ger dar. Zu emp­feh­len sind rus­si­sche Staats­an­lei­hen mit mitt­le­rer Lauf­zeit von fünf Jah­ren. In­ves­to­ren mit ei­nem et­was aus­ge­präg­te­ren Ri­si­ko­pro­fil sind Pa­pie­re von Un­ter­neh­men aus dem Öl-und Gas­sek­tor so­wie von aus­ge­such­ten Fi­nanz­in­sti­tu­ten zu emp­feh­len.

Po­si­ti­ve Fun­da­men­tal­da­ten

Die ge­fal­le­nen Bond­prei­se sind aber nur ei­ne Sei­te der Me­dail­le. Eben­so wich­tig ist die Ein­schät­zung der fun­da­men­ta­len Ent­wick­lung Russ­lands. Die welt­wei­te Fi­nanz-und Wirt­schafts­kri­se der Jah­re 2008 und 2009 ging auch an die­ser Volks­wirt­schaft nicht spur­los vor­über.

Im ver­gan­ge­nen Jahr re­du­zier­te sich die Wirt­schafts­leis­tung, be­mes­sen am Brut­to­in­land­pro­dukt (BIP), zum Vor­jahr na­he­zu 8%. Vor al­lem der Be­reich der In­dus­trie­pro­duk­ti­on so­wie das Bau­ge­wer­be kon­tra­hier­ten kräf­tig. Aber auch die ge­fal­le­nen Roh­stoff­prei­se hat­ten sich un­vor­teil­haft auf die Aussenhandelsbilanz und in der Fol­ge auf den BIP-Bei­trag aus­ge­wirkt. An­ders als in frü­he­ren Wirt­schafts­kri­sen, die ih­ren Ur­sprung oft in den Schwel­len­län­dern hat­ten – u. a. die Russ­land­kri­se von 1998 –, konn­te die Re­gie­rung auf ein statt­li­ches Si­cher­heits­pols­ter in Form von Wäh­rungs­re­ser­ven zu­rück­grei­fen. Zu Kri­sen­be­ginn hat­te Russ­land in ei­ner Rei­he von Staats­fonds 592 Mrd.$ zur Ver­fü­gung, und die Re­gie­rung nutz­te die­se Mög­lich­kei­ten auch in ver­schie­dens­ter Form: Ne­ben stüt­zen­den Fis­kal­mass­nah­men lag ein Fo­kus auf der Sta­bi­li­sie­rung des Ban­ken­sys­tems. Die Zen­tral­bank ver­sorg­te das Fi­nanz­sys­tem mit aus­rei­chend Li­qui­di­tät und stell­te auch Ka­pi­tal für sys­tem­re­le­van­te Fi­nanz­in­sti­tu­te in Form von nach­ran­gi­gen An­lei­hen zur Ver­fü­gung.

Dank die­sen Mass­nah­men hat das rus­si­sche Ban­ken­sys­tem die schwie­ri­ge Zeit gut über­stan­den. Da­durch wur­de aber auch die über­fäl­li­ge Kon­so­li­die­rung der frag­men­tier­ten Ban­ken­land­schaft hin­aus­ge­scho­ben, und die Kos­ten die­ser Mass­nah­men führ­ten zu ei­ner merk­li­chen Ver­schlech­te­rung des Staats­haus­halts.

Dank der Wäh­rungs­re­ser­ven muss­te man sich aber kei­ne Sor­gen um die Fi­nan­zier­bar­keit des Bud­get­de­fi­zits ma­chen. Für das Län­der­ri­si­ko in der mitt­le­ren Frist ist es den­noch wich­tig, dass die Re­gie­rung ei­ne Haus­halts­kon­so­li­die­rung ein­lei­tet und die not­wen­di­ge Di­ver­si­fi­zie­rung der Wirt­schaft vor­an­treibt. Der In­ter­na­tio­na­le Wäh­rungs­fonds pro­gnos­ti­ziert, dass die rus­si­sche Wirt­schaft in die­sem Jahr 4% und im Jahr 2011 um 3,3% wach­sen wird. Die jüngs­te Kor­rek­tur von rus­si­schen Staats­an­lei­hen stellt ei­ne gu­te In­ves­ti- ti­ons­mög­lich­keit dar. Die Be­wer­tun­gen sind at­trak­tiv, be­son­ders auch im Ver­gleich zu an­de­ren Schwel­len­län­dern mit ei­ner ähn­li­chen Bo­ni­tät.

Neue Dol­lar­an­lei­hen

Die wirt­schaft­li­che Er­ho­lung, ei­ne re­la­tiv ge­rin­ge Aus­land­ver­schul­dung und ho­he Wäh­rungs­re­ser­ven bil­den ein so­li­des In­ves­ti­ti­ons­um­feld. Die Re­pu­blik be­gab im April des lau­fen­den Jah­res neue Dol­l­ar­bonds und be­wies da­durch, dass ihr der Zu­gang zu den in­ter­na­tio­na­len Fi­nanz­märk­ten of­fen­steht.

Für An­le­ger mit ei­ner hö­he­ren Ri­si­ko­to­le­ranz emp­feh­len wir rus­si­sche Un­ter­neh­mens­an­lei­hen aus dem Öl-und Gas­sek­tor so­wie der Fi­nanz­in­dus­trie. Das Ban­ken­sys­tem ist aus­rei­chend mit Ei­gen­ka­pi­tal ver­sorgt, und die Qua­li­tät des Kre­dit­port­fo­li­os soll­te sich im Lau­fe des zwei­ten Halb­jah­res ver­bes­sern. Die Ein­la­gen von pri­va­ten Haus­hal­ten neh­men wie­der zu und öff­nen da­mit den Zu­gang zu ei­ner sta­bi­len Fi­nan­zie­rungs­form. Wir be­vor­zu­gen An­lei­hen von VTB und Bank von Mos­kau. Im Öl-und Gas­be­reich be­vor­zu­gen wir das staats­na­he Un­ter­neh­men Gaz­prom. Für die Ge­sell­schaft spre­chen ei­ne at­trak­ti­ve Be­wer­tung und so­li­de Bi­lanz­kenn­zah­len. Die glo­ba­le wirt­schaft­li­che Er­ho­lung soll­te auch den Roh­öl­preis und dem­ent­spre­chend die Ein­nah­men von Gaz­prom un­ter­stüt­zen.

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