«Ita­li­en ist der Ele­fant»

Finanz und Wirtschaft - - OBLIGATIONEN/DEVISEN - CP, London

Hel­las ist nicht die wah­re Be­dro­hung der Eu­ro­zo­ne. «Grie­chen­land ist zum Sym­bol der Staats­de­fi­zi­te ge­wor­den, aber wenn Sie die Be­trä­ge an­schau­en, ist Ita­li­en viel re­le­van­ter», hält Ste­wart Cow­ley, Chef für fest­ver­zins­li­che An­la­gen des As­set-Ma­na­gers Old Mu­tu­al in London, fest. Je­des Jahr be­nö­ti­ge das Land 35 Mrd.€, um die Zin­sen auf den Staats­schul­den zu be­die­nen. Die Ver­schul­dung im Ver­hält­nis zur Wirt­schafts­kraft lie­ge nur knapp hin­ter dem grie­chi­schen Ni­veau zu­rück. Und Ita­li­ens Ob­li­ga­tio­nen­markt ha­be den glei­chen Um­fang wie der Deutsch­lands.

«Ita­li­en ist der Ele­fant. Grie­chen­land und Ir­land ha­ben ab­so­lut ge­se­hen nur ei­ne klei­ne Be­deu­tung», zeigt sich Cow­ley ge­gen­über «Fi­nanz und Wirt­schaft» über­zeugt. Dar­um glaubt er: «Wenn die Markt­teil­neh­mer den Eu­ro wirk­lich tes­ten wol­len, dann ge­hen sie auf Ita­li­en los.»

Ein spe­zi­fi­sches Pro­blem, das Cow­ley in Ita­li­en aus­macht, ist die weit ver­brei­te­te Steu­er­hin­ter­zie­hung. «Die Steu­er­ein­nah­men sind im Ver­gleich zur Be­völ­ke­rung zu ge­ring», sagt er. Über­spitzt for­mu­liert lei­he sich der Staat Geld von de­nen, die ih­re Steu­ern nicht be­zahl­ten.

Da­mit stel­le sich die Fra­ge, ob das Eu­ro­zo­ne-Sta­bi­li­täts­pa­ket aus­rei­chend sei. Das Pa­ket ha­be den Re­gie­run­gen Zeit ver­schafft, und die sei nö­tig, um den Haus­halt in Ord­nung zu brin­gen. Für die Eu­ro­zo­ne sei es wich­tig, dass sie zu­sam­men­blei­be. «Wenn ein Land aus­ge­schlos­sen wird, dann sucht sich der Markt das nächst­schwä­che­re Land», ist er über­zeugt. Die Spar­plä­ne der Re­gie­run­gen sei­en das rich­ti­ge Si­gnal, und auch, dass Deutsch­land die Füh­rung über­neh­me. «Das ver­leiht dem Eu­ro Glaub­wür­dig­keit und Sta­bi­li­tät.» Cow­ley sieht zwar kei­nen un­mit­tel­ba­ren Tur­naround, doch die Wäh­rung wer­de nicht zu­sam­men­bre­chen.

Die De­fi­zit­re­duk­tio­nen sei­en auch des­halb nö­tig, da­mit pri­va­te Un­ter­neh­men wei­ter Geld auf­neh­men kön­nen und nicht aus dem Markt ge­drängt wer­den. «Aber der Er­satz öf­fent­li­cher Aus­ga­ben durch pri­va­te Nach­fra­ge lässt sich nicht über Nacht er­rei­chen», so der Ex­per­te.

Er sieht frü­hes­tens für 2011 oder 2012 den nächs­ten Schritt in der wirt­schaft­li­chen Er­ho­lung und ist des­halb über­zeugt, dass die Zin­sen wei­ter­hin tief blei­ben. Cow­ley rech­net da­mit, dass sich die Ren­di­ten der Staats­an­lei­hen im Wes­ten in Rich­tung Os­ten, Ja­pan, be­we­gen. Es könn­te al­so zu ei­nem Ral­ly in lang­lau­fen­den eu­ro­päi­schen und bri­ti­schen Staats­an­lei­hen kom­men.

In den An­lei­hen­porte­feuilles von Old Mu­tu­al sind vor­wie­gend lang­lau­fen­de Staats­pa­pie­re aus den USA, Deutsch­land und Gross­bri­tan­ni­en ent­hal­ten. Im Ver­gleich da­zu ist der An­teil in Un­ter­neh­mens­an­lei­hen ge­ring. Die­ser Teil wird mo­men­tan wie­der auf 30% auf­ge­stockt, ver­rät Cow­ley. «In Eu­ro­pa fin­den sich Un­ter­neh­mens­an­lei­hen so­li­der Emit­ten­ten mit Ren­di­ten von 6%.» Selbst in Bank­an­lei­hen sieht er Wert, vor al­lem in Fi­nanz­in­sti­tu­ten, die nicht zu sehr in Ost­eu­ro­pa ex­po­niert sind oder aus dem süd­li­chen Eu­ro­pa stam­men. Grös­se­re Po­si­tio­nen hält er in Bank­an­lei­hen aus Gross­bri­tan­ni­en, die staats­ga­ran­tiert sind.

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