Hof­fen und Ban­gen um den Auf­schwung

Ener­gie- und Roh­stoff­wer­te er­ho­len sich – App­le und Goog­le im Zank um mo­bi­le Wer­bung – Un­ein­heit­li­che Si­gna­le zum Pri­vat­kon­sum – Neue Han­dels­stopp­re­geln

Finanz und Wirtschaft - - BÖRSEN NEW YORK - JAN BAU­MANN,

DIm Roh­stoff­sek­tor rag­ten Cliffs Na­tu­ral Re­sour­ces (54.87 $, +3,1%) her­aus. Die Va­lo­ren des gröss­ten nord­ame­ri­ka­ni­schen Ei­sen­erz­pro­du­zen­ten ge­wan­nen al­lein am Don­ners­tag 8%. So­gar die in New York ko­tier­ten Ti­tel von BP er­leb­ten ei­ne Ge­gen­be­we­gung ( Ta­ges­ge­winn von 12%), ob­schon die US-Re­gie­rung den Druck auf die Bri­ten er­höh­te, für Kos­ten aus der Öl­ver­schmut­zung im Golf von Me­xi­ko auf­zu­kom­men. Zur Dis­kus­si­on steht, ob BP auch die Lohn­fort­zah­lun­gen für Per­so­nal an­de­rer Ge­sell­schaf­ten über­neh­men muss, das we­gen des sechs­mo­na­ti­gen Tief­see­bohr­mo­ra­to­ri­ums vor­über­ge­hend nicht zur Ar­beit geht (vgl. Sei­te 2).

Dem Kurs­ver­lauf von Ana­dar­ko Pe­tro­le­um (39.15 $, –14,8%) und Tran­so­ce­an (44.29 $, –13,4%) war er­neut an­zu­mer­ken, wie hei­kel die De­bat­te über die fi­nan­zi­el­le Ver­ant­wor­tung für die Ka­ta­stro­phe und die Scha­dens­be­he­bung ist. Bei­de Kon­zer­ne sind in den Fall in­vol­viert. We­ni­ger er ame­ri­ka­ni­sche Ak­ti­en­markt hat sich am Don­ners­tag von den Ver­lus­ten der Vor­ta­ge weit­ge­hend er­holt. Das war al­ler­dings pri­mär güns­ti­gen Kon­junk­tur­da­ten aus Chi­na, Ja­pan und Aus­tra­li­en zu ver­dan­ken, we­ni­ger den hei­mi­schen Wirt­schafts­nach­rich­ten. Auch ist un­wahr­schein­lich, dass die Auf­wärts­be­we­gung zum Trend wird. Eher dürf­te es sich um ein Ent­las­tungs­ral­ly han­deln, das mög­lich wur­de, nach­dem die Furcht vor ei­ner glo­ba­len Wirt­schafts­schwä­che in den Hin­ter­grund ge­tre­ten war.

Die Ti­tel der gros­sen, in­te­grier­ten USE­ner­gie­kon­zer­ne Exxon Mo­bil (61.89 $ am Don­ners­tag, +0,5% im Wo­chen­ver­gleich) und Chev­ron (74.17 $, +0,4%) mach­ten ver­lo­re­nes Ter­rain wett.

Avan­cen im Roh­stoff­sek­tor

In­di­zes New York ner­vös re­agier­ten die Ak­ti­en der eben­falls be­trof­fe­nen Öl­ser­vice­ge­sell­schaft Hal­li­bur­ton (24.22 $, +2,5%).

Hal­li­bur­tons Kon­kur­rent Ba­ker Hug­hes (42.42 $, +7,7%) pro­fi­tier­te von ei­ner Kauf­emp­feh­lung durch die In­vest­ment­bank J. P. Mor­gan Cha­se (38.29 $, –2,1%). Ana­lys­ten mei­nen, ge­ne­rell wür­den die Ser­vice­ge­sell­schaf­ten und die Zu­lie­fe­rer der Öl­för­der­in­dus­trie da­von pro­fi­tie­ren, dass in der Bran­che stren­ge­re Si­cher­heits­auf­la­gen ein­ge­führt wer­den.

Die Ak­ti­en von Ca­ter­pil­lar (59.95 $, –1,9%), dem welt­gröss­ten Bau­ma­schi­nen­her­stel­ler, hat­ten in den zu­rück­lie­gen­den Wo­chen un­ter der Ve­r­un­si­che­rung über die glo­ba­len Wachs­tums­per­spek­ti­ven ge­lit­ten. Ähn­lich war es Al­coa (11.25 $, –1,1%) er­gan­gen. Die Ti­tel des füh­ren­den Alu­mi­ni­um­her­stel­lers sind aus­ge­prägt zy­klisch. In der zwei­ten Wo­chen­hälf­te hat der Um­stand zur Ab­wechs­lung für Rü­cken­wind ge­sorgt, so dass sich die Ein­bus­sen deut­lich ver­rin­ger­ten.

Gold­man er­neut im Ge­re­de

Die «Fi­nan­ci­al Ti­mes» be­rich­te­te, die Un­ter­su­chung des Kre­dit­de­ri­vat­ge­schäfts von Gold­man Sachs (133.77 $, –7,1%) durch die Be­hör­den wei­te sich aus: Dem­nach nimmt die US-Bör­sen­auf­sicht SEC ei­ne zwei­te gros­se Trans­ak­ti­on mit CDO (Col­la­te­ra­li­zed Debt Ob­li­ga­ti­ons) un­ter die Lu­pe. We­der die SEC, noch Gold­man Sachs be­stä­tig­ten den Be­richt. Seit­dem die Bör­sen­auf­sicht am 16. April Kla­ge ge­gen den Bro­ker ein­ge­reicht hat­te, ver­lo­ren die Ak­ti­en 27% ih­res Werts.

Im Tech­sek­tor lie­fern sich App­le (250.51 $, –4,8%) und Goog­le (487.01 $, –3,7%) der­zeit ein Ge­fecht: Im Zu­sam­men­hang mit der Lan­cie­rung des neu­en iPho­ne 4 ver­schärf­te App­le An­fang Wo­che die Auf­la­gen für Ent­wick­ler von Ap­pli­ka­tio­nen für das Smart­pho­ne und den App­le-Tablet-Rech­ner iPad. Es geht dar­um, wel­che An­wen­dungs­da­ten auf den Ge­rä­ten mit Wer­be­funk­tio­nen von Dritt­an­bie­tern ver­knüpft wer­den dür­fen. App­le führt die­sen Som­mer ei­ne ei­ge­ne Platt­form für mo­bi­le In­se­ra­te na­mens iAd ein. Dritt­platt­for­men sind zum Da­ten­aus­tausch mit den Ap­pli­ka­tio­nen zwar wei­ter­hin zu­ge­las­sen, aber nur, wenn sie nicht von kon­kur­rie­ren­den Hard­ware­her­stel­lern kon­trol­liert wer­den.

FBI un­ter­sucht Da­ten­leck

Die neue Re­gel zielt di­rekt auf App­les Erz­ri­va­len Goog­le ab, der un­längst Admob, den füh­ren­den Spe­zia­lis­ten für mo­bi­le Wer­bung über­nahm. Für bei­de Kon­zer­ne steht viel auf dem Spiel. App­le ris­kiert ei­nen Rüf­fel der US-Wett­be­werbs­auf­sicht we­gen der Schi­ka­ne ge­gen­über Goog­le. Und der Such­ma­schi­nen­be­trei­ber ver­dient mit Wer­bung auf dem iPho­ne ten­den­zi­ell we­ni­ger. Die Mo­bil­wer­bung auf Smart­pho­nes ist zwar (noch) ein Ni­schen­ge­schäft, aber ei­nes, das ra­sant wächst.

Ein zwei­ter Vor­fall brach­te App­le die­se Wo­che un­ter Druck. Die ame­ri­ka­ni­sche Bun­des­po­li­zei FBI (Fe­deral Bu­reau of In­ves­ti­ga­ti­on) wird ak­tiv, nach­dem Ha­cker auf die Email-Adres­sen von iPad-Nut­zern zu­grei­fen konn­ten. Das Si­cher­heits­leck ist pein­lich für App­le und für den Tele­com­kon­zern AT&T (25.44 $, +2,6%), der in den USA ex­klu­siv als Mo­bil­funk­netz­be­trei­ber für iPho­nes und iPads un­ter Ver­trag steht.

Der Ge­samt­markt gab in der Be­richts­wo­che bis Don­ners­tag ge­mes­sen am Dow Jo­nes In­dus­tri­al 0,8% auf 10172,53 nach. Der tech­no­lo­gie­las­ti­ge Nas­daq-Com­po­si­te-In­dex büss­te 3,6% auf 2218,71 ein. Am Bond­markt schrumpf­te die Ren­di­te zehn­jäh­ri­ger Tre­a­su­ry No­tes um 6 Ba­sis­punk­te auf 3,32%. Am Frei­tag­vor­mit­tag ten­dier­te die US-Bör­se leich­ter. Der Dow ver­lor bis kurz vor Mit­tag 0,2%.

Die Ab­küh­lung war vor al­lem auf die Ent­täu­schung über die De­tail­han­dels­zah­len vom Mai zu­rück­zu­füh­ren (vgl. Spot­light un­ten). Ein­zel­han­dels­wer­te wie Wal­Mart Sto­res (51.22 $, –1%) und J. C. Pen­ney (26.27 $, –3%) wur­den von der Nach­richt zu­rück­ge­wor­fen. Im auf­fäl­li­gen Kon­trast da­zu ver­bes­ser­te sich die Stim­mung un­ter den Ver­brau­chern: Der von Thom­son Reuters und der Uni­ver­si­tät Mi­chi­gan ge­führ­te In­dex der Kon­su­men­ten­stim­mung klet­ter­te im Ju­ni von 73,6 auf 75,5. Das ist der höchs­te Stand seit zwei­ein­halb Jah­ren. Die Öko­no­men hat­ten le­dig­lich mit ei­nem Fort­schritt auf 74,5 ge­rech­net.

Am Frei­tag ha­ben die Bör­sen­be­trei­ber be­gon­nen, neue Re­geln für die Aus­set­zung des Han­dels in Ein­zel­ti­teln ein­zu­füh­ren. Als Re­ak­ti­on auf den «Blitz-Crash» vom 6. Mai ver­langt die Bör­sen­auf­sicht SEC, dass sämt­li­che Platt­for­men – nicht nur die New York Stock Ex­ch­an­ge (Nyse) und die Nas­daq – im Fall von hef­ti­gen Kurs­schwan­kun­gen künf­tig nach dem glei­chen Mus­ter vor­ge­hen. Da die Hin­ter­grün­de der dra­ma­ti­schen Kurs­aus­schlä­ge vom 6. Mai noch im­mer nicht ge­klärt sind, be­schränkt sich die Mass­nah­me auf ein sechs­mo­na­ti­ges Pi­lot­pro­jekt, das nur die im S&P 500 ver­tre­te­nen Ak­ti­en be­trifft.

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