Wi­der den Pes­si­mis­mus

Über­trie­be­ne Ängs­te – Bank Pic­tet sieht im Som­mer Ein­stiegs­chan­cen an den Bör­sen

Finanz und Wirtschaft - - BÖRSEN ÜBERSEE - HF

Die Gen­fer Pri­vat­bank Pic­tet spricht von über­trie­be­nem Pes­si­mis­mus an den Ak­ti­en­märk­ten. Die Stim­mung sei «schon fast de­fä­tis­tisch», stellt Se­ni­or-Fi­nanz­ana­lyst Al­f­red Ro­el­li in sei­nem halb­jähr­li­chen An­la­ge­aus­blick fest. Man ne­gie­re nicht die vie­len Schat­ten, die vor­ab auf Eu­ro­pa las­te­ten. Doch wo Schat­ten liegt, gibt’s auch Son­ne.

Das gilt selbst für Eu­ro­pa, wo Pic­tet den Ex­port­sek­tor nicht ab­schrei­ben wür­de. Zwar räumt die Bank der Eu­ro­zo­ne in die­sem Jahr nur ein mar­gi­na­les Wachs­tum von 0,7% ein, das bis 2012 ge­gen null ten­die­re. Nicht ein­zu­lö­sen­de, ja un­sin­ni­ge Leis­tungs­ver­spre­chen der Staa­ten müss­ten «neu ka­li­briert» wer­den. Das drückt auf den Kon­sum.

Doch Eu­ro­pa ha­be die Ten­denz, «in Kri­sen zu rei­fen», wie Ro­el­li aus­führt. Mit in­sti­tu­tio­nel­len Re­for­men kom­me Eu­ro­pa wie­der auf die Bei­ne. Die Welt­wirt­schaft ins­ge­samt sieht Pic­tet in ei­nem güns­ti­gen Licht. Sie wer­de, wenn auch ver­lang­samt, wei­ter ex­pan­die­ren, an­ge­trie­ben von den USA und den Schwel­len­län­dern. Ame­ri­ka pro­fi­tie­re in­di­rekt so­gar von der Eu­ro­kri­se – über tiefere Öl­prei­se und län­ger als er­war­tet tief blei­ben­de Zin­sen. Das wie­ge Nach­tei­le im Ex­port zu­min­dest teil­wei­se auf. Was die Schwel­len­län­der an­geht, macht Ro­el­li Über­hit­zung und In­fla­ti­ons­ri­si­ken aus, wäh­rend in den In­dus­trie­na­tio­nen ein eher de­fla­tio­nä­res Um­feld herr­sche. Doch ih­re Rol­le als Kraft­zen­trum für die glo­ba­le Wirt­schaft wür­den die auf­stre­ben­den Län­der nicht ver­lie­ren.

Die Bank hat mit Blick auf die ver­bes­ser­te Si­tua­ti­on der US-Wirt­schaft – Stich­wor­te Ex­port­auf­schwung, sta­bi­li­sier­ter Häu­ser­markt, Rück­gang von pri­va­ter Ver­schul­dung und Bud­get­de­fi­zit – im aus­ge­wo­ge­nen Fran­ken­porte­feuille USAk­ti­en ge­kauft. Eben­so hat sie in Un­ter- neh­mens­an­lei­hen aus Emer­ging Mar­kets in Lo­kal­wäh­rung in­ves­tiert. Schwel­len­län­der stün­den un­ter Auf­wer­tungs­druck, und im Dol­lar ge­he das «Wen­de­ma­nö­ver» wei­ter. Der Eu­ro hin­ge­gen ha­be sein Tief kaum schon er­reicht.

Pic­tets Ak­ti­en­quo­te ist neu­tral. Müss­te er sich zwi­schen «Bul­le» und «Bär» ent­schei­den, sagt Ro­el­li, wür­de er sich – be­hut­sam zwar – ins Bul­len­la­ger stel­len. Ein ab­ge­schwäch­tes Ge­winn­wachs­tum und selbst Di­vi­den­den­kür­zun­gen sei­en in den Kur­sen es­komp­tiert. Selbst wenn die­se Kür­zun­gen ein­trä­ten, sei die Di­vi­den­den­ren­di­te im­mer noch ei­ni­ges hö­her als die Ob­li­ga­tio­nen­ren­di­te.

Als Bei­spiel für ei­ne ver­zerr­te Be­wer­tung nennt Ro­el­li den Tech­no­lo­gie­sek­tor. Der Auf­schlag des KGV zum Welt­in­dex im Sek­tor ist wie­der na­he dem Tief von An­fang 2009 (vgl. Chart). Da­bei, so be­tont Ro­el­li, ha­ben Tech­no­lo­gie­un­ter­neh­men die höchs­te Li­qui­di­täts­hal­tung und die ge­sün­des­te Bi­lanz al­ler Sek­to­ren.

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