Auf­tritt mit Sym­bol­kraft

Hil­de­brand an der 75. Mit­glie­der­ver­samm­lung der Pri­vat­ban­kiers – Ja zur Ab­gel­tungs­steu­er

Finanz und Wirtschaft - - SCHWEIZ - THO­MAS WYSS,

Die Ver­ei­ni­gung Schwei­ze­ri­scher Pri­vat­ban­kiers hielt am Frei­tag in Lau­sanne ih­re 75. Mit­glie­der­ver­samm­lung ab. Trotz des Ju­bi­lä­ums trat vor die­ser der­zeit wohl ein­fluss­reichs­ten Ver­ei­ni­gung von Schwei­zer Ban­kiers nicht ein Bun­des­rat auf – was mit Blick auf das der­zei­ti­ge po­li­ti­sche Um­feld nicht wirk­lich über­ra­schen kann. Statt­des­sen reis­te Phil­ipp Hil­de­brand, Prä­si­dent des Di­rek­to­ri­ums der Schwei­ze­ri­schen Na­tio­nal­bank, nach Lau­sanne, wo er wärms­tens emp­fan­gen wur­de. Der Auf­tritt von Hil­de­brand ist nicht oh­ne Sym­bol­kraft.

Nicht von heu­te auf mor­gen

Der SNB-Prä­si­dent schaff­te es knapp zum Ein­gang der Ter­ras­se des olym­pi­schen Mu­se­ums in Lau­sanne, wo nach der Mit­glie­der­ver­samm­lung ein Apé­ro statt­fand. Phil­ipp Hil­de­brand wur­de um­la­gert von Ban­kiers, West­schwei­zer Po­li­ti­kern und Jour­na­lis­ten – und war mit Ab­stand der po­pu­lärs­te Mann auf dem Platz.

Was er wäh­rend der Ver­samm­lung ge­sagt hat­te, war of­fen­sicht­lich nach dem Gus­to der Zu­hö­rer. Zu­erst ein­mal zeig­te er sich be­tont zu­vor­kom­mend ge­gen­über der Ver­ei­ni­gung Schwei­ze­ri­scher Pri­vat­ban­kiers und de­ren Prä­si­dent Kon­rad Humm­ler. Die heis­sen The­men Bank­kun­den­ge­heim­nis und Amts­hil­fe sprach er in sei­nem Re­fe­rat zwar nicht an. Das war vom Prä­si­den­ten der Na­tio­nal­bank in die­sem Rah­men aber auch nicht un­be­dingt er­war­tet wor­den. Mit sei­nen Aus­füh­run­gen zum The­ma «Too big to fail» und in­ter­na­tio­na­le Re­gu­lie­rung sprach Hil­de­brand den Pri­vat­ban­kiers, die mit ih­rem per­sön­li­chen Ver­mö­gen un­be­schränkt haf­ten, aber aus dem Her­zen.

Phil­ipp Hil­de­brand er­wähn­te in sei­nem Re­fe­rat in die­sem Zu­sam­men­hang die Mög­lich­keit oder Not­wen­dig­keit, das in­ter­na­tio­na­le In­sol­venz­recht für Ban­ken zu har­mo­ni­sie­ren und die Mög­lich­keit zu schaf­fen, Bonds kurz­fris­tig (und im bes­ten Fall vor­über­ge­hend) in Ei­gen­ka­pi­tal um­zu­wan­deln – ei­ne Idee, die in die­ser Zei­tung pro­mi­nent von Hu­go Bän­zi­ger, dem an­de­ren Schwei­zer im Vor­stand der Deut­schen Bank, pro­pa­giert wur­de.

In ei­nem kur­zen Ge­spräch mit «Fi­nanz und Wirt­schaft» dämpf­te Hil­de­brand al­ler­dings Er­war­tun­gen auf ei­ne ra­sche Um­set­zung die­ser Idee. Auch wenn ein­zig die wich­tigs­ten drei oder vier Fi­nanz­plät­ze der Welt ih­re Ge­set­zes­ba­sis an­pas­sen wür­den, brau­che das Zeit.

Die rich­ti­gen Wor­te fand auch Kon­rad Humm­ler, Teil­ha­ber der St. Gal­ler Pri­vat­bank We­ge­lin, in sei­ner Prä­si­di­al­adres­se. Zu­erst be­män­gel­te er, dass in der Schweiz die «staats­tra­gen­den Kräf­te» die po­li­ti­sche Über­zeu­gungs­ar­beit mehr und mehr den Ver­bän­den über­lies­sen, was sei­ner Mei­nung nach kein gu­tes Omen ist: «Die De­le­ga­ti­on des Kern­ge­schäfts an Drit­te ist ein Zei­chen des Nie­der­gangs.» Fol­ge­rich­tig woll­te er als Prä­si­dent der Ver­ei­ni­gung Schwei­ze­ri­scher Pri­vat­ban­kiers kei­ne Po­li­tik be­trei­ben, son­dern «Prä­fe­ren­zen des Be­rufs­stan­des» for­mu­lie­ren.

«Fah­ne auf­recht­hal­ten»

In «ho­hem Mass ge­schäfts­re­le­vant» ist für Kon­rad Humm­ler das Über­grei­fen aus­län­di­scher Rechts­auf­fas­sun­gen auf das schwei­ze­ri­sche Ter­ri­to­ri­um: «Wir müs­sen wis­sen, was in un­se­rem Land rech­tens ist, und ge­wiss sein, dass uns die­se schwei­ze­ri­sche Rechts­auf­fas­sung im Aus­land nicht vor un­lös­ba­re Pro­ble­me stellt.»

Phil­ipp Hil­de­brand

Die Idee ei­ner Ab­gel­tungs­steu­er wird von den Pri­vat­ban­kiers, be­kräf­tig­te Humm­ler in Lau­sanne, denn auch als «pro­ak­ti­ve Mass­nah­me zur Her­bei­füh­rung ei­nes Zu­stan­des von Rechts­si­cher­heit und gleich­ge­rich­te­ter In­ter­es­sen» be­grüsst. Da­mit wer­de die Mög­lich­keit er­öff­net, das Prin­zip der fi­nan­zi­el­len Pri­vat­heit zu ret­ten und wei­ter­zu­ent­wi­ckeln, «oh­ne da­bei vom Ge­wicht des fis­ka­li­schen Mühl­steins lau­fend ab­ge­würgt zu wer­den».

Humm­ler sah sich denn auch ge­nö­tigt, dar­auf hin­zu­wei­sen, «dass un­ser Ge­schäft un­ter der Rah­men­be­din­gung ei­nes lang­sam ero­die­ren­den schwei­ze­ri­schen Rechts­be­stands, der uns im­mer nä­her an ei­ne Kri­mi­na­li­sie­rung im Aus­land rückt, aus­ser­or­dent­lich er­schwert und mit der Zeit ver­un­mög­licht wird».

Auch wenn die Schwei­zer Pri­vat­ban­kiers nicht die Ar­beit der Po­li­ti­ker ver­rich­ten wol­len, ist für den Prä­si­den­ten der Ver­ei­ni­gung doch ei­nes klar: «Wenn es ei­nen, un­ser gan­zes Land ei­ni­gen­den Auf­trag gibt, dann die­sen: ge­gen al­le An­mas­sun­gen der Macht die Fah­ne des Ru­le of Law auf­recht­zu­hal­ten.» Galt bis­lang als Vor­ga­be ei­ne ope­ra­ti­ve Mar­ge (Stu­fe Ebit) von 10% in al­len Ein­hei­ten, brach­te Kott­mann im Ge­spräch mit dem Bro­ker Hel­vea erst­mals die Ziel­grös­se von 15% ins Spiel. Ei­ne sol­che Um­satz­ren­di­te wer­de in der In­dus­trie er­reicht. Kom­men­des Jahr will die Grup­pe das Port­fo­lio Ge­schäft für Ge­schäft durch­käm­men und an­schlies­send leis­tungs­fä­hi­ger ma­chen. Soll­te sich her­aus­stel­len, dass ei­ne Spar­te die­se Ge­winn­span­ne nicht aus ei­ge­ner Kraft er­wirt­schaf­ten kann, schliesst der CEO klei­ne­re Ar­ron­die­run­gen nicht aus.

Be­trach­tet man Cla­ri­ants his­to­ri­sche Mar­gen, liegt der Schluss na­he: Oh­ne Zu­käu­fe ist das Ziel nicht zu schaf­fen. Durch­aus mög­lich, dass der Kon­zern aus ein­zel­nen Ge­schäf­ten aus­stei­gen wird. Frag­lich bleibt, wie bei den chro­nisch schwa­chen Tex­til-und Le­der­che­mi­ka­li­en ein sol­cher Er­trags­sprung be­werk­stel­ligt wer­den soll – so­gar wenn ab 2013 nicht mehr in der Schweiz, son­dern in Asi­en pro­du­ziert wird. In die­sen Märk­ten fin­det ein Ver­drän­gungs­kampf statt, asia­ti­sche Bil­lig­an­bie­ter sor­gen für Preis­druck.

Wäh­rend sich Cla­ri­ant ope­ra­tiv erst an die Wett­be­wer­ber her­an­kämpft, nimmt die Be­wer­tung die­ses Auf­rü­cken be­reits vor­weg. Ge­mes­sen am Ver­hält­nis des Un­ter­neh­mens­werts zum Ebit­da sind die Pa­pie­re nur un­we­sent­lich güns­ti­ger als je­ne des deut­lich pro­fi­ta­ble­ren Bran­chen­füh­rers BASF. Seit März 2009 hat sich Cla­ri­ants Markt­ka­pi­ta­li­sie­rung bei­na­he ver­vier­facht. Ne­ben der Hoff­nung auf den Tur­naround trei­ben Über­nah­me­fan­ta­si­en den Kurs an. Auch in den ver­gan­ge­nen Wo­chen hielt der Auf­wärts­trend an, wenn auch ver­lang­samt. Über meh­re­re Jah­re be­trach­tet, schnei­den die Va­lo­ren in­des noch im­mer schlech­ter ab als der Sek­tor.

Will­kom­me­ner Gast: Na­tio­nal­bank­prä­si­dent

un­ter Pri­vat­ban­kiers.

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