Bör­se macht ih­rem Är­ger Luft

Man­geln­de Durch­set­zung der Of­fen­le­gungs­pflich­ten durch die Bun­des­be­hör­den?

Finanz und Wirtschaft - - SCHWEIZ - AS

Seit Jah­ren weist die Of­fen­le­gungs­stel­le (OLS) der SIX Swiss Ex­ch­an­ge auf Pro­ble­me in der Durch­set­zung von Of­fen­le­gungs­pflich­ten in der Schweiz hin. Im neus­ten Jah­res­be­richt bzw. in ei­ner Me­di­en­mit­tei­lung hat sie nun aber den Ton ein­deu­tig ver­schärft. Sie nimmt so­wohl die Fi­nanz­markt­auf­sicht Fin­ma als auch das Eid­ge­nös­si­sche Fi­nanz­de­par­te­ment (EFD) aufs Korn.

2009 hat die OLS 106 Fäl­le von Mel­de­pflicht­ver­let­zun­gen (vgl. Kas­ten) an­ge­zeigt – fast je­de zehn­te Mel­dung der ins­ge­samt 1143 war nicht kor­rekt. Ob­schon fahr­läs­si­ge Ver­let­zun­gen der Mel­de­pflicht seit Ja­nu­ar 2009 straf­bar sind, «schei­nen die zu­stän­di­gen Bun­des­be­hör­den» sol­che Fäl­le «nicht oder nicht kon­se­quent zu ver­fol­gen und zu ahn­den», mo­niert die OLS. Es hat ih­res Wis­sens we­der An­zei­gen noch Straf­ver­fü­gun­gen ge­ge­ben.

Im Jah­res­be­richt ist gar von ei­ner «Ver­wei­ge­rung des Ge­set­zes­voll­zugs» die Re­de: «Ei­ne Po­li­tik, die Ver­let­zun­gen der Mel­de­pflicht im­pli­zit ba­ga­tel­li­siert, wi­der­spricht dem aus­drück­li­chen Wil­len des Ge­setz­ge­bers», be­tont die Ab­tei­lung der Schwei­zer Bör­se. Aus­ser­dem be­klagt die OLS im Jah­res­be­richt, nicht in die In­for­ma­ti­ons­pro­zes­se der Fin­ma und des EFD ein­ge­bun­den zu sein, und for­dert ei­ne Ver­bes­se­rung des In­for­ma­ti­ons­flus­ses.

Die Fin­ma nimmt die wohl als Pro­vo­ka­ti­on ge­dach­te Stel­lung­nah­me der OLS «be­frem­det» auf, wie Spre­cher Alain Bich- sel sag­te. Man ar­bei­te sehr eng zu­sam­men, erst ge­ra­de die­se Wo­che ha­be es ei­ne Sit­zung ge­ge­ben. Die Fin­ma ha­be ei­ne Flut von Mel­dun­gen er­hal­ten, sie al­le­samt ge­prüft, je­doch nicht sys­te­ma­tisch Straf­an­zei­ge er­stat­tet. Ziel sei, ei­nen ver­deck­ten Po­si­ti­ons­auf­bau ei­nes In­ves­tors zu ver­hin­dern, aber gleich­zei­tig ei­ne über­mäs­si­ge Bü­ro­kra­tie zu ver­hin­dern. «Wir wol­len uns auf die wirk­lich schwe­ren Fäl­le kon­zen­trie­ren», be­ton­te Bich­sel. Das EFD liess schrift­lich ver­lau­ten, es be­dau­re, dass die OLS den Kon­takt nicht ge­sucht ha­be, um sich über das «Schick­sal» der Mel­dun­gen zu in­for­mie­ren. Die Bun­des­be­hör­de be­ab­sich­ti­ge kei­nes­wegs, die Ver­let­zung der Mel­de­pflicht zu ba­ga­tel­li­sie­ren. Be­ste­he ein be­grün­de­ter Ver­dacht, sei das EFD ver­pflich­tet, ein Ver­fah­ren zu er­öff­nen. Die fahr­läs­si­ge Ver­let­zung von Of­fen­le­gungs­pflich­ten wird mit ei­ner Bus­se von bis zu 1 Mio. Fr. be­straft.

Im­mer­hin herrscht in ei­nem zwei­ten Punkt, den die OLS be­män­gelt, Ei­nig­keit mit der Fin­ma. Bei­de spre­chen sich da­ge­gen aus, die Höchst­bus­se im Fall von fahr­läs­si­ger und vor­sätz­li­cher Mel­de­pflicht­ver­let­zung auf 150000 bzw. 500000 Fr. zu sen­ken. Die Ober­gren­zen sind nach An­sicht der Bör­se viel zu nied­rig und wür­den nicht ab­schre­ckend wir­ken. Das EFD hat­te den Vor­schlag, die Höchst­bus­sen zu re­du­zie­ren, in ei­ne Ver­nehm­las­sung ge­ge­ben und ist nun dar­an, die Stel­lung­nah­men aus­zu­wer­ten.

Mit der Of­fen­le­gung be­deu­ten­der Ak­tio­nä­re ist die Ab­sicht ver­bun­den, Trans­pa­renz in Be­zug auf die Be­tei­li­gungs­ver­hält­nis­se zu schaf­fen und die Gleich­be­hand­lung der Ak­tio­nä­re zu ge­währ­leis­ten. Über das Ziel dürf­ten sich die drei Par­tei­en ei­nig sein. Es soll­te nicht aus­ge­spro­chen schwie­rig sein, ei­nen grös­se­ren ge­mein­sa­men Nen­ner für ei­ne grif­fi­ge­re Um­set­zung zu fin­den.

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