Ge­no­lier zwi­schen den Fron­ten

Ak­tio­nä­re wäh­len Ver­wal­tungs­rats­prä­si­dent ab – CEO wird aus­ge­tauscht – Un­si­cher­hei­ten auf al­len Ebe­nen – Kein Kauf

Finanz und Wirtschaft - - SCHWEIZ - CAR­LA PALM

Eher na­gelt man ei­nen Pud­ding an die Wand, als im ku­rio­sen Fall der Spi­tal­grup­pe Ge­no­lier zu ent­schei­den, wer auf der gu­ten Sei­te steht. An die­sem Mitt­woch wähl­ten die Ak­tio­nä­re an der Ge­ne­ral­ver­samm­lung zu­erst Ver­wal­tungs­rats­prä­si­dent Ray­mond Lo­re­tan und die VR-Mit­glie­der An­toi­ne Koh­ler so­wie An­toi­ne Hu­bert ab. An­ge­regt wur­de der Vor­gang von der In­vest­ment­ge­sell­schaft Lin­coln Va­le, die mit 8,15% an Ge­no­lier be­tei­ligt ist (vgl. Kas­ten). Un­ter­stüt­zung fand der Hedge Fund, der die Trans­pa­renz, ope­ra­ti­ve Per­for­mance und Pro­fi­ta­bi­li­tät von Ge­no­lier be­män­gel­te, in den Ak­tio­nä­ren Jai­me Ro­sell (1,5%, plus 9,7% Op­tio­nen), Alain Fa­ba­rez (5,9%) und VRMit­glied Michael Schro­eder (13,3%).

Schro­eder ent­schloss sich ge­mäss ei­ge­ner Darstel­lung erst an der GV, «als die Stim­mung kipp­te», im Sin­ne von Lin­coln Va­le ab­zu­stim­men. Er wur­de als VR-Mit­glied wie­der­ge­wählt, eben­so Hans-Rein­hard Zer­kow­ski und Ro­bert Pen­no­ne. Sie be­an­trag­ten dar­auf­hin die Zu­wahl von fünf wei­te­ren Ver­wal­tungs­rä­ten, was aber we­gen ei­nes Ab­stim­mungs­feh­lers von Alain Fa­ba­rez miss­lang, da er ei­nen fal­schen Stimm­zet­tel in die Ur­ne warf. Für den VR vor­ge­schla­gen wa­ren ein Ver­tre­ter von Lin­coln Va­le, zwei An­wäl­te der Kanz­lei Bär&Kar­rer so­wie die Ak­tio­nä­re Jai­me Ro­sell und Fa­ba­rez.

Kein Stra­te­gie­wech­sel

Der neue, nun nur noch aus drei Per­so­nen be­ste­hen­de VR setz­te als ers­te Amts­hand­lung CEO An­toi­ne Hu­bert ab. Sei­nen Pos­ten über­nimmt nun Hans-Rein­hard Zer­kow­ski. Er er­klär­te am Frei­tag an ei­nem Hin­ter­grund­ge­spräch in Zü­rich, dass er kei­nen stra­te­gi­schen Rich­tungs­wech­sel für die Grup­pe pla­ne. Die Stra­te­gie, durch Zu­käu­fe zu wach­sen, sei grund­sätz­lich rich­tig. Nur man­gel­te es an der ope­ra­ti­ven Um­set­zung. Auch ha­be das bis­he­ri­ge Ma­nage­ment die of­fen­sicht­li­chen Sy­ner­gi­en ei­ner Spi­tal­grup­pe, et­wa im Ein­kauf, nicht ge­nutzt. Eben­so sieht Zer­kow­ski Po­ten­zi­al, das me­di­zi­ni­sche Ni­veau zu ver­bes­sern. Schro­eder, der eben­falls an dem Ge­spräch teil­nahm, for­der­te zu­dem die ISO-Zer­ti­fi­zie­rung al­ler Ge­no­lier-Kli­ni­ken, was vom al­ten Ma­nage­ment bis­her nicht for­ciert wur­de. Ge­ra­de im in­ter­na­tio­na­len Wett­be­werb wer­de das zu­neh­mend wich­ti­ger, so Schro­eder, der selbst Arzt ist und ver­schie­de­ne Spi­tä­ler be­rät. Das Ziel für Ge­no­lier sei es, lang­fris­tig Markt­füh­rer in der Schweiz zu wer­den.

Ge­mäss Schro­eder reg­te sich be­reits seit über ei­nem Jahr Kri­tik am Ma­nage­ment­stil von An­toi­ne Hu­bert. Sei­ne Aus­wechs­lung sei «ein ganz nor­ma­ler Vor­gang». Schro­eder und Hu­bert ken­nen sich seit fünf­zehn Jah­ren und sind ge­mein­sam noch in der West­schwei­zer Im­mo­bi­li­en­ge­sell­schaft Uni­ge­rim in­ves­tiert, die Im­mo­bi­li­en an die Spi­tal­grup­pe ver­mie­tet. Ge­no­lier hat ei­ne Kauf­op­ti­on auf Uni­ge­rim. Die bei­den Ge­schäfts­män­ner ste­hen sich nun als er­bit­ter­te Geg­ner ge­gen­über. «Ich bin froh, dass Hu­bert nicht da­bei ist», er­klär­te Schro­eder im Ge­spräch.

Hu­bert kämpft

Hu­bert wie­der­um zeig­te sich vom Vor­ge­hen sei­ner Wi­der­sa­cher ent­täuscht. Als gröss­ter Ak­tio­när (er wird dem­nächst Op­tio­nen im Wert von 9,7% der Ge­sell­schaft aus­üben und hält dann 24,3% an Ge­no­lier) hat er den An­trag für ei­ne aus­ser­or­dent­li­che GV ein­ge­reicht. Dann soll über die Zu­sam­men­set­zung des VR ab­ge­stimmt wer­den. Sein Ziel ist, den al­ten VR wie­der zu in­stal­lie­ren. Zu­dem will Hu­bert auch wie­der das Amt des CEO über­neh­men.

Ei­ne neue GV kann frü­hes­tens Mit­te Ju­li statt­fin­den. Bis da­hin stei­gen die Un­si­cher­hei­ten für Mit­ar­bei­ter, Ärz­te und Ak­tio­nä­re von Ge­no­lier Swiss Me­di­cal Net­work (GSMN). Die eher il­li­qui­den Ak­ti­en zo­gen nach Be­kannt­ga­be des Ma­nage­ment­wech­sel 5% an, ga­ben am Frei­tag aber wie­der nach. Ein Kauf drängt sich un­ter all den Um­stän­den nicht auf.

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