Zü­rich und Ba­sel sind Top

Bak Ba­sel ana­ly­siert Re­gio­nen – Eu­ro­pas Spit­zen­stand­or­te er­hal­ten Kon­kur­renz aus Asi­en

Finanz und Wirtschaft - - SCHWEIZ - PHIL­IP­PE BÉ­GUE­LIN,

Ba­sel und Zü­rich sind im in­ter­na­tio­na­len Ver­gleich at­trak­ti­ve Stand­or­te, das zeigt er­neut die Ana­ly­se des For­schungs­in­sti­tuts Bak Ba­sel, prä­sen­tiert am Bench­mar­king-Fo­rum am Don­ners­tag in Ba­sel. Öko­nom Mar­tin Eich­ler er­läu­ter­te: «Wir ver­glei­chen Eu­ro­pas Re­gio­nen mit Blick auf struk­tu­rel­le Fak­to­ren, nicht auf kurz­fris­ti­ge Zy­klen.»

Ein Re­sul­tat: Die Kri­se hat die re­la­ti­ve Po­si­ti­on der Re­gio­nen kaum be­ein­flusst – die Rang­lis­te sieht al­so recht un­ver­än­dert aus. Ran­giert wird an­hand von drei In­di­zes. Der Per­for­mance-In­dex zeigt, was bis­her er­reicht wor­den ist und misst das Ni­veau des Brut­to­in­land­pro­dukts (BIP) pro Kopf so­wie das Wachs­tum des BIP und der Zahl der Ar­beits­plät­ze. In ei­ner Aus­wahl der eta­blier­ten städ­ti­schen Re­gio­nen ganz vor­ne lie­gen Os­lo, Ba­sel, Dublin, Zü­rich und London, zu­hin­terst sind Stutt­gart, Mailand und Li­ver­pool.

Di­ver­si­fi­ziert und de­zen­tral

Der At­trak­ti­vi­täts­in­dex als zwei­te Re­fe­renz ist hoch, wenn Steu­ern und Re­gu­lie­rung ge­ring so­wie Er­reich­bar­keit und In­no­va­ti­on gut sind. Dort führt Zü­rich vor Dublin, Ba­sel und Ko­pen­ha­gen. Zü­rich zeich­ne sich da­durch aus, dass es in al­len Be­rei­chen stark sei, führ­te Eich­ler aus. Im Ge­gen­satz da­zu lie­ge Dublin vor al­lem dank tie­fer Un­ter­neh­mens­steu­er vor­ne. Die Re­gi­on soll­te sich über­le­gen, ob nicht ei­ne neue Stra­te­gie er­for­der­lich sei. Süd­eu­ro­päi­sche Re­gio­nen sei­en meist we­ni­ger at­trak­tiv, hät­ten da­durch aber auch gu­te Chan­cen, sich zu ver­bes­sern.

Der drit­te In­dex spie­gelt das struk­tu­rel­le Po­ten­zi­al, will heis­sen die Wachs­tums­chan­cen und Wett­be­werbs­fä­hig­keit der an­säs­si­gen Bran­chen so­wie die po­li­ti­sche Struk­tur. Eich­ler: «Eu­ro­pas Re­gio­nen könn­ten sich ver­bes­sern, wenn sie de­zen­tra­ler or­ga­ni­siert wä­ren. Ab ei­nem ge­wis­sen Punkt bringt das zwar nichts mehr, aber dort sind sie noch nicht an­ge­kom­men.» Ein gu­ter Rang sei nicht nur mit ex­port­fä­hi­gen Pro­duk­ten mög­lich. «Auch mit ei­ner star­ken re­gio­na­len Bin­nen­wirt­schaft lässt sich ein ho­hes struk­tu­rel­les Po­ten­zi­al er­rei­chen.» Der In­dex ran­giert Dublin vor Ba­sel, Zü­rich, Paris und Os­lo.

Die In­di­zes be­stä­ti­gen: Wer viel er­reicht hat, ist auch at­trak­tiv und be­sitzt vor al­lem gros­ses Po­ten­zi­al. Ob es aus­ge­schöpft wer­de, sei da­mit aber nicht ge­si­chert, gibt Eich­ler zu be­den­ken. Ei­ne Pro­gno­se müs­se wei­te­re Fak­to­ren ein­be­zie­hen.

Eu­ro­pas Re­gio­nen er­hal­ten ver­mehrt Kon­kur­renz aus Asi­en. Urs Mül­ler, Di­rek- tor und Chef­öko­nom von Bak Ba­sel, zieht den Ver­gleich zu Hong­kong, Schang­hai und Sin­ga­pur: «Die­se Re­gio­nen ho­len nicht nur in der In­dus­trie, son­dern auch im Di­enst­leis­tungs­sek­tor auf.» Die Fi­nanz­in­dus­trie wächst in Sin­ga­pur be­son­ders schnell, al­ler­dings ist ihr An­teil am BIPWachs­tum mit gut 2% ge­ring (vgl. Gra­fik). Er be­trägt in Zü­rich et­wa 25%, dort wächst die Bran­che je­doch nur noch lang­sam. «In Hong­kong sind Ban­ken und Ver­si­che­run­gen für die Re­gi­on et­wa gleich wich­tig wie in London», er­läu­tert Mül­ler.

Sein Fa­zit: «Die Qua­li­tät der Stand­ort­fak­to­ren in den drei erst­klas­si­gen Re­gio­nen Asi­ens ist un­ter­schied­lich, aber das Ge­samt­pa­ket ist be­ein­dru­ckend.» Wei­te­re asia­ti­sche Re­gio­nen lä­gen noch zu­rück, ver­füg­ten aber über gros­ses Po­ten­zi­al.

Ge­fah­ren für Kon­junk­tur

Für das welt­wei­te Wirt­schafts­wachs­tum or­tet Mül­ler Pro­ble­me. Zwar ge­be es An­zei­chen für sta­bi­le­re Zei­ten. Der Welt­han­del wach­se kräf­tig, und die Pro­gno­sen für das BIP-Wachs­tum für 2010 und 2011 sei­en op­ti­mis­tisch. «Doch die Ur­sa­chen der Kri­se von 2008 sind nicht be­ho­ben.» Die lo­cke­re Geld­po­li­tik ber­ge die Ge­fahr neu­er Bla­sen in Ver­mö­gens­wer­ten, das Un­gleich­ge­wicht im in­ter­na­tio­na­len Han­del be­ste­he wei­ter­hin, und die Pro­ble­me der Fi­nanz­bran­che sei­en nicht ge­löst.

«Die gröss­te Ent­täu­schung war der Ver­lust des Ver­trau­ens in die EZB.» Sie sei nicht mehr un­ab­hän­gig, son­dern ein Mit­tel der eu­ro­päi­schen Po­li­tik. «Ei­ne Bla­sen­wirt­schaft ist nicht trag­fä­hig, wir be­nö­ti­gen nach­hal­ti­ges Wachs­tum.» Im­mer­hin sind Ba­sel und Zü­rich da­für gut ge­rüs­tet.

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