Schwie­ri­ge Ver­hand­lun­gen

Finanz und Wirtschaft - - AUSLAND -

Die nie­der­län­di­schen Wäh­ler wol­len der Po­li­tik des Lan­des ei­nen Ruck nach rechts ver­pas­sen. Der rechts­li­be­ra­le Spit­zen­kan­di­dat Mark Rut­te hat die Wahl knapp ge­won­nen und die VVD zur stärks­ten po­li­ti­schen Kraft in den Nie­der­lan­den ge­macht. Doch der gros­se Wahl­sie­ger heisst Geert Wil­ders, der vor vier Jah­ren nicht ganz frei­wil­lig aus der VVD aus­ge­tre­ten war und die Par­tei der Frei­heit PVV ge­grün­det hat­te. Seit­her pro­fi­liert er sich als ra­di­ka­ler Kri­ti­ker des Is­lam: Er for­dert ei­nen Ein­wan­de­rungs­stopp für Mus­li­me. Wirt­schafts­po­li­tisch hat er sich da­ge­gen noch we­nig pro­fi­liert.

Der Rechts­li­be­ra­le Rut­te, der vor sei­nem Wech­sel in die Po­li­tik Ma­na­ger des Le­bens­mit­tel­kon­zerns Uni­le­ver war, hat die Wahl mit kla­ren haupt­säch­lich wirt­schafts­po­li­ti­schen Aus­sa­gen ge­won­nen: Er will ei­ne Sa­nie­rung der Staats­fi­nan­zen, die auch in den Nie­der­lan­den aus dem Ru­der zu lau­fen dro­hen. Be­fürch­tet wird, dass das Haus­halts­de­fi­zit die­ses Jahr auf 6% des Brut­to­in­land­pro­dukts (BIP) steigt. Rut­te will es als Pre­mier in den nächs­ten vier Jah­ren un­ter die Maas­tricht-Li­mi­te von 3% drü­cken. Aus­ser­dem soll der So­zi­al­staat re­for­miert, der öf­fent­li­che Di­enst ge­strafft und das Ren­ten­al­ter von 65 auf 67 Jah­re er­höht wer­den.

Die Fra­ge ist nur, mit wel­chen Part­nern sich die­se wirt­schafts­li­be­ra­le Po­li­tik rea­li­sie­ren lässt. Pro­gram­ma­tisch bie­tet sich ei­gent­lich nur ei­ne Ko­ali­ti­ons­va­ri­an­te an: Die li­be­ra­le VVD steigt mit der rechts­po­pu­lis­ti­schen Wil­der­sPar­tei PVV und den von den Wäh­lern durch ei­ne dra­ma­ti­sche Nie­der­la­ge auf noch 21 der ins­ge­samt 150 Par­la­ments­sit­zen hal­bier­ten Christ­de­mo­kra­ten ins Re­gie­rungs­boot. Ei­ne sol­che bür­ger­lich-rech­te Ko­ali­ti­on hät­te im Par­la­ment die knap­pest­mög­li­che Mehr­heit von 76 Sit­zen. Soll­te sich Rut­te da­ge­gen die So­zi­al­de­mo­kra­ten und an­de­re links­ge­rich­te­ten Par­tei­en als Part­ner aus­su­chen, müss­te er viel Was­ser in den Wein schüt­ten: Das zen­tra­le VVDPro­gramm der Sa­nie­rung der Staats­fi­nan­zen wür­de völ­lig ver­wäs­sert. In der Wirt­schaft wer­den mitt­ler­wei­le Sor­gen um das Image der Nie­der­lan­de ge­äus­sert, falls der ra­di­ka­le Is­lam­kri­ti­ker Wil­ders mit­re­gie­ren soll­te. Doch Wil­ders hat be­reits Kom­pro­miss­be­reit­schaft si­gna­li­siert. Be­son­ders in der Wirt­schafts-und der So­zi­al­staats­po­li­tik will er den VVD-Sa­nie­rungs­kurs mit­ma­chen. Of­fen ist, ob die christ­li­che CDA wie­der mit­re­gie­ren will. Es ste­hen je­den­falls schwie­ri­ge Ko­ali­ti­ons­ver­hand­lun­gen be­vor.

EZB-Prä­si­dent Je­an-Clau­de Tri­chet gab sich die­se Wo­che ein­sil­bi­ger als auch schon.

aus Den Haag über die Per­spek­ti­ven nach den Wah­len in den Nie­der­lan­den

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