Bas­ler Aus­schuss und IIF schla­gen ers­te Pf­lö­cke ein

Ban­ken­ver­band warnt vor zu viel Re­gu­lie­run­gen und zu stren­gen Ka­pi­tal­vor­schrif­ten für Ban­ken – Ba­sel will der Bran­che ent­ge­gen­kom­men

Finanz und Wirtschaft - - AUSLAND - BA

Das In­sti­tu­te of In­ter­na­tio­nal Fi­nan­ce (IIF) hat ei­ne War­nung an die Re­gie­run­gen und Re­gu­la­to­ren rund um die Welt aus­ge­spro­chen: Stren­ge­re Ka­pi­tal­an­for­de­run­gen und neue Re­gu­lie­run­gen für Ban­ken sei­en zwar not­wen­dig, hät­ten aber ih­ren Preis und dürf­ten nicht über­stürzt ein­ge­führt wer­den, kon­sta­tier­te der glo­ba­le Welt­fi­nanz­ver­band am Don­ners­tag in Wi­en.

Eben­falls an die­sem Tref­fen sag­te dann tags dar­auf Nout Wel­link, EZB-Rats­mit­glied und Vor­sit­zen­der des Bas­ler Aus­schus­ses, die Ban­ken soll­ten mehr Zeit er­hal­ten, um die neu­en Ei­gen­ka­pi­tal­re­geln (Ba­sel III) um­set­zen zu kön­nen. Kri­ti­scher äus­ser­te sich Ste­phen Ce­chet­ti, Chef­öko­nom der Bank für In­ter­na­tio­na­len Zah­lungs­aus­gleich, ge­gen­über der «Fi­nan­ci­al Ti­mes»: Die Ban­ken wür­den über­trei­ben.

Nach Ein­schät­zung des IIF ist ei­ne Re­form des glo­ba­len Re­gu­lie­rungs­rah­mens in der Tat zwar un­er­läss­lich. Das Vor­ge­hen müs­se aber sehr gut über­legt und an­ge­mes­sen sein. Wich­tig sei auch, dass der Zeit­plan den ge­samt­wirt­schaft­li­chen Ge­ge­ben­hei­ten Rech­nung tra­ge. Die Aus­sa­gen des IIF sind vor a llem nach Ka­na­da ge­rich­tet: Dort fin­det in zwei Wo­chen zu­nächst der G-8-Gip­fel (25./26. Ju­ni) und dar­an an­schlies­send das Tref­fen der zwan­zig füh­ren­den In­dus­trie-und Schwel­len­län­der (G-20) statt. Dort wird die Fra­ge im Zen­trum ste­hen, mit wel­chen glo­ba­len Vor­schrif­ten Fi­nanz­kri­sen we­ni­ger wahr­schein­lich ge­macht wer­den kön­nen.

Ba­lan­ce er­rei­chen

Ge­mäss Deut­sche-Bank-Chef und IIFPrä­si­dent Jo­sef Acker­mann be­grüsst der Ver­band aus­drück­lich die Be­mü­hun­gen, Re­gu­lie­run­gen zu ent­wi­ckeln. Der IIF er­ken­ne an, dass die Ban­ken für die Kri­se mit­ver­ant­wort­lich ge­we­sen sei­en. Man müs­se aber be­ach­ten, dass ein aus­ge­wo­ge­nes Gleich­ge­wicht zwi­schen Sta­bi­li­tät und Wachs­tum er­reicht wer­den müs­se. Der Ver­band un­ter­such­te in ei­ner am Don­ners­tag prä­sen­tier­ten Stu­die, wie sich stren­ge­re Re­geln für Ban­ken, wie sie der­zeit im Raum ste­hen, auf die Ge­samt­wirt­schaft aus­wir­ken wer­den. IIF-Ver­tre­ter Pe­ter Sands, CEO der bri­ti­schen Bank Stan­dard Char­te­red, sag­te, ei­ne schnel­le Ein­füh­rung der Neue­run­gen wer­de ei­nen si­gni­fi­kant ne­ga­ti­ven Ef­fekt auf Wirt­schafts­wachs­tum und Ar­beits­markt ha­ben.

In der Re­gi­on USA, Eu­ro­land und Ja­pan (G-3) müss­ten die Ban­ken den Be­rech­nun­gen zu­fol­ge bis 2015 rund 700 Mrd. $ Ei­gen­ka­pi­tal er­wirt­schaf­ten. An lang­fris­ti­gem Fremd­ka­pi­tal müss­ten zu­sätz­lich 5,4 Bio. $ auf­ge­nom­men wer­den. So soll Ka­pi­tal-und Li­qui­di­täts­an­for­de­run­gen ent­spro­chen wer­den. Zu vie­le Re­strik­tio­nen wür­den aber die Kre­dit­ver­ga­be brem­sen. Das BIP der G-3-Re­gio­nen wür­de 2015 et­wa 3% nied­ri­ger zu lie­gen kom­men. Das be­deu­tet, dass 9,7 Mio. we­ni­ger neue Stel­len ge­schaf­fen wür­den. Al­ler­dings: Je nach Aus­mass, in dem die Vor­schlä­ge ver­än­dert und zeit­lich an­ge­passt wür­den – «und das scheint zu pas­sie­ren» –, wür­den die Aus­wir­kun­gen an­ders aus­se­hen.

«Wir wer­den si­cher­stel­len, dass sich der Ban­ken­sek­tor über die Ein­be­hal­tung von Ge­win­nen und ver­tret­ba­re Ka­pi­tal­er­hö­hun­gen an die neu­en Vor­schrif­ten an­pas­sen kann», sag­te EZB-Rats­mit­glied Wel­link. Ei­ni­ge Ent­wür­fe müss­ten ent­schärft wer­den.

Doch «ver­nach­läs­sig­bar»?

BIZ-Chef­volks­wirt Cec­chet­ti sag­te je­doch ge­mäss FT, die wirt­schaft­li­chen Fol­gen wür­den durch die Ban­ken über­trie­ben dar­ge­stellt. Die In­sti­tu­te leg­ten ih­ren «Schre­ckens­sze­na­ri­en» die An­nah­me zu­grun­de, dass die ma­xi­ma­le Aus­wir­kung der ma­xi­ma­len Re­ge­län­de­rung mit der ge­ringst­mög­li­chen Ver­hal­ten­s­an­pas­sung der Ban­ken zu­sam­men­tref­fe. Der BIZ-Öko­nom ist der An­sicht, die Aus­wir­kun­gen der vom Bas­ler Aus­schuss für Ban­ken­auf­sicht vor­ge­se­he­nen Re­ge­län­de­rung auf das welt­wei­te Wachs­tum sei­en net­to ge­se­hen «ver­nach­läs­sig­bar».

An den Ak­ti­en­märk­ten spiel­ten die je­wei­li­gen Äus­se­run­gen kei­ne Rol­le. Ab­zu­war­ten ist, was – und ob über­haupt et­was – am G-8/G-20-Tref­fen En­de Ju­ni be­schlos­sen wird.

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