Wachs­tums­pfad mit Stol­per­stei­nen

Ge­ne­ri­ka­in­dus­trie hat Sor­gen in den USA – Ver­zö­ger­te Zu­las­sung von bio­tech­ni­schen Ge­ne­ri­ka – Gros­ses Po­ten­zi­al in Asi­en

Finanz und Wirtschaft - - AUSLAND - MI­SCHA STÜNZI DF

Das Um­feld, so scheint es, könn­te für die Ge­ne­ri­ka­bran­che bes­ser nicht sein: Po­li­ti­ker welt­weit schrei­en nach güns­ti­gen Me­di­ka­men­ten, Oba­mas Ge­sund­heits­re­form wird 44 Mio. Ame­ri­ka­ner kran­ken­ver­si­chern und so zu zah­lungs­kräf­ti­ge­ren Kon­su­men­ten ma­chen, und bis 2014 wird der Pa­tent­schutz von Block­bus­ter-Me­di­ka­men­ten im Wert von 142 Mrd.$ aus­lau­fen. Der Glo­bal Ge­ne­rics In­dex hat mit ei­nem An­stieg um 23,7% seit An­fang Jahr deut­lich re­agiert. Doch ei­ni­ge Bran­chen­schwer­ge­wich­te ste­hen nicht in der Gunst der In­ves­to­ren. Vor al­lem US-Kon­zer­ne fal­len zu­rück.

Da­bei gel­ten die USA als Pio­nier­markt. In den USA sind 70% der ver­schrie­be­nen Me­di­ka­men­te Ge­ne­ri­ka. Bei den Phar­ma­zeu­ti­ka oh­ne Pa­tent­schutz er­rei­chen sie so­gar ei­nen Um­satz­an­teil von fast 90%. Die In­dus­trie ge­ne­rier­te 2008 ei­nen USUm­satz von 63 Mrd.$. Das sind rund 40% der welt­wei­ten Ver­käu­fe. Der wich­ti­ge USMarkt macht der Bran­che Sor­gen.

Bio­si­mi­lars ha­ben Po­ten­zi­al

Die US-Ge­sund­heits­po­li­tik drückt die Prei­se. Statt dem bis­he­ri­gen Ra­batt in staat­li­chen Ge­sund­heits­pro­gram­men von 11% ver­langt die Re­gie­rung neu ein Ent­ge­gen­kom­men von 13%. Dem se­hen die füh­ren­den Ge­ne­ri­kakon­zer­ne je­doch ge­las­sen ent­ge­gen. Sie ge­hen da­von aus, dass die tie­fe­ren Prei­se durch die stei­gen­de Nach­fra­ge kom­pen­siert wer­den. Auch in Eu­ro­pa sieht sich die Bran­che mit der For­de­rung nach tie­fe­ren Prei­sen kon­fron­tiert. Die Mar­ge kön­ne aber ge­hal­ten wer­den, mein­te Richard Sil­ver, Ge­ne­ri­kaana­lyst von Bar­clays Ca­pi­tal, an­läss­lich ei­ner Ana­lys­ten­kon­fe­renz in Zü­rich. Die Un­ter­neh­men wür­den ein­fach die Ra­bat­te, die sie heu­te den Apo­the­ken ge­wäh­ren, ent­spre­chend kür­zen. Nicht ganz so op­ti­mis­tisch ist da­ge­gen das auf Ge­sund­heits­fra­gen spe­zia­li­sier­te US-For­schungs­un­ter­neh­men IMS. «Der Preis­druck setzt die Zu­kunft der In­dus­trie aufs Spiel», heisst es im ak­tu­el­len Ge­ne­ri­ka­be­richt.

Si­cher ist, dass die tie­fe­ren Prei­se und der er­höh­te Kos­ten­druck zu ei­ner Kon­so­li­die­rung der Bran­che ge­führt ha­ben. Ak­tu­ells­tes Bei­spiel ist die Über­nah­me der deut­schen Ra­tio­pharm durch den Markt­füh­rer Te­va aus Is­ra­el für 3,6 Mrd. € Mit­te März. In den letz­ten vier Jah­ren ist es da­mit bran­chen­weit zu dreis­sig M&ATrans­ak­tio­nen ge­kom­men. Ein En­de ist ge­mäss ei­ner Stu­die der Cre­dit Suis­se nicht in Sicht.

Zu­sätz­li­che Sor­gen be­rei­tet der In­dus­trie ein Ent­scheid des US-Par­la­ments zu Bio­tech-Me­di­ka­men­ten. Trotz Bran­chen­for­de­run­gen, den Pa­tent­schutz von Bio- phar­ma­zeu­ti­ka auf fünf bis sie­ben Jah­re zu be­schrän­ken, ent­schied der Kon­gress auf ei­ne Dau­er von zwölf Jah­ren. Bis heu­te gibt es erst aus­ser­halb der USA zu­ge­las­se­ne bio­tech­ni­sche Ge­ne­ri­ka. Den­noch zeich­net sich ab, dass die so­ge- nann­ten Bio­si­mi­lars mit­tel­fris­tig zu ei­ner Wachs­tums­ge­schich­te wer­den. In den nächs­ten fünf Jah­ren ver­fal­len Bio­techPa­ten­te, die heu­te ei­nen Um­satz von 40 Mrd. $ schüt­zen. Te­va ist 2009 ei­ne Al­li­anz mit der in Ba­sel an­säs­si­gen Lon­za ein­ge­gan­gen, um am Po­ten­zi­al zu par­ti­zi­pie­ren.

Die Ge­ne­ri­ka­er­folgs­ge­schich­te ent­wi­ckelt sich zu­se­hends zu ei­nem Bu­me­rang für die In­dus­trie. Die FDA ist mit der stei­gen­den Zahl von Zu­las­sungs­an­trä­gen für Ge­ne­ri­ka über­las­tet (vgl. Gra­fik). Die Bran­che will nun die FDA fi­nan­zi­ell un­ter­stüt­zen und so die Pro­zes­se be­schleu­ni­gen. Die Schwie­rig­kei­ten auf dem US-Markt füh­ren da­zu, dass das Wachs­tum vor al­lem aus­ser­halb der Ver­ei­nig­ten Staa­ten zu fin­den ist. Süd­ame­ri­ka und Asi­en sind heu­te die Trei­ber. Chi­nas Phar­ma­markt ist im letz­ten Jahr ge­mäss IMS um mehr als 25% ge­wach­sen. Doch aus Angst vor der lo­ka­len Kon­kur­renz in den auf­stre­ben­den Märk­ten Chi­na und In­di­en kon­zen­trie­ren sich vie­le gros­se Ge­ne­ri­kaun­ter­neh­men auf Eu­ro­pa und die USA.

In­di­en auf dem Vor­marsch

In­di­sche Mit­be­wer­ber wer­den es ih­nen dan­ken. Sie sind im Heim­markt gut po­si­tio­niert, wie ei­ne Stu­die der Cre­dit Suis­se fest­hält. Das macht in­di­sche Ge­ne­ri­kaun­ter­neh­men zu be­gehr­ten Über­nah­me­ob­jek­ten. Im Som­mer 2008 hat der ja­pa­ni­sche Phar­ma­kon­zern Daiichi mit der Ak­qui­si­ti­on von Ran­ba­xy – mit 8 Mrd. $ die bis­her gröss­te der Bran­che – für Fu­ro­re ge­sorgt. Die Ana­lys­ten der Cre­dit Suis­se se­hen auch Dr. Red­dy’s als mög­li­chen Über­nah­me­kan­di­da­ten. Ins­be­son­de­re des­halb weil er in wich­ti­gen Märk­ten wie In­di­en, Russ­land, Deutsch­land und den USA gut po­si­tio­niert ist und als füh­ren­des in­di­sches Bio­si­mi­lar-Un­ter­neh­men gilt.

Für In­ves­to­ren gibt es am Bran­chen­rie­sen Te­va kein Vor­bei­kom­men. Die Ge­sell­schaft hält dank der er­wähn­ten Ak­qui­si­ti­on von Ra­tio­pharm ei­nen Markt­an­teil von 19%, deut­lich mehr als die Num­mer zwei, No­var­tis-San­doz, mit 11%. In ei­nem Um­feld, wo die Ska­len­ef­fek­te ei­ne zen­tra­le Rol­le spie­len, ist das ein ge­wich­ti­ger Vor­teil. Ge­mäss Pro­gno­sen von Bar­clays Ca­pi­tal wird er zu­dem bei aus­lau­fen­den Pa­ten­ten wich­ti­ger Block­bus­ter zu den ers­ten Ge­ne­ri­kaan­bie­tern ge­hö­ren (vgl. Ta­bel­le). Er ist so­mit für die Her­aus­for­de­run­gen der Bran­che bes­tens ge­rüs­tet. Mit ei­nem KGV von 12 ist er deut­lich güns­ti­ger zu ha­ben als die in­di­schen Mit­be­wer­ber. Der­zeit scheint es, als ob die Fussball-WM auf die Ak­ti­en­märk­te ei­ne ein­schlä­fern­de Wir­kung hat. Aus der Un­ter­neh­mens­welt kom­men schon seit Wo­chen kaum mehr Nach­rich­ten, un­ter an­de­rem, weil – aus Rück­sicht auf fuss­ball­be­geis­ter­te Mit­ar­bei­ter? – fast kei­ne Fu­sio­nen und Über­nah­men in An­griff ge­nom­men wer­den. Vi­el­leicht be­lebt Kö­nig Fussball die Bör­sen aber doch noch. Ana­lys­ten der Schwei­zer Gross­bank Cre­dit Suis­se sind der Fra­ge nach­ge­gan­gen, wel­che Un­ter­neh­men vom sport­li­chen Gross­er­eig­nis in Süd­afri­ka pro­fi­tie­ren könn­ten und wer aus dem Er­folg ein­zel­ner Län­der be­son­de­ren Nut­zen zieht.

Der «An­la­ge­füh­rer zur Welt­meis­ter­schaft» («In­ves­tor’s Gui­de to World Cup»), wie die CS ih­re Stu­die nennt, ent­hält ei­ner­seits ei­ne Lis­te der «of­fen­sicht­li­chen WMAk­ti­en». Sie um­fasst die Ti­tel der drei gros­sen Sport­ar­ti­kel­grup­pen Ni­ke, Adi­das und Pu­ma, der bei­den Braue­rei­kon­zer­ne Am­bev und SAB Mil­ler (vgl. Sei­te 27) so­wie die Pa­pie­re von McDo­nald’s, Co­ca-Co­la und der bei­den ame­ri­ka­ni­schen Sport­ge­schäft­ket­ten Dick’s Sporting Goods und Foot Lo­cker, die ge­mäss den Au­to­ren vor al­lem von ei­nem gu­ten Ab­schnei­den des US-Teams pro­fi­tie­ren wür­den.

Ei­ne zwei­te Lis­te ist den «we­ni­ger of­fen­sicht­li­chen WM-Ti­teln» ge­wid­met. Zu ih­nen zäh­len die in Hong­kong ge­han­del­ten Va­lo­ren des welt­weit gröss­ten Sport­schuh­her­stel­lers Yu Yu­en. Ein wei­te­rer «Ge­heim­fa­vo­rit» sind die Ak­ti­en der USRe­stau­rant­ket­te Yum Brands, die in Süd­afri­ka mit 800 Fi­lia­len breit ver­tre­ten ist (vgl. Ta­bel­le). Und: Soll­te Grie­chen­land Welt­meis­ter wer­den, wür­den nach Er­war­tung der CS nicht nur Adi­das und eu­ro­päi­sche Bank­ti­tel, son­dern die ge­sam­ten Märk­te pro­fi­tie­ren. Hopp Hel­las!

40% der ver­kauf­ten Ge­ne­ri­ka ge­hen in den USA über den La­den­tisch.

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