ABC nimmt die letz­te Hür­de

Bör­sen­gang in Schang­hai und Hong­kong – Die schwächs­te un­ter Chi­nas Gross­ban­ken – Emis­si­ons­flut ei­ne Be­las­tung für die Märk­te

Finanz und Wirtschaft - - AUSLAND - ERNST HERB,

Das häss­li­che Entlein un­ter den chi­ne­si­schen Gross­ban­ken, die Ag­ri­cul­tu­ral Bank of Chi­na (ABC), hat mit der Zu­stim­mung der Hong­kon­ger Bör­sen­auf­sichts­be­hör­de die letz­te Hür­de ge­nom­men, um Mit­te Ju­ni die ge­plan­te Pu­bli­kums­öff­nung an den Ak­ti­en­märk­ten in Hong­kong und Schang­hai durch­füh­ren zu kön­nen. Da­mit dürf­te dem mög­li­cher­wei­se welt­weit gröss­ten Bör­sen­gang der Ge­schich­te nichts mehr im We­ge ste­hen.

Der Zeit­punkt für das In­iti­al Pu­b­lic Of­fe­ring (IPO) der ABC, das dem Geld­haus schät­zungs­wei­se 20 bis 30 Mrd.$ in die Kas­se spü­len könn­te, scheint zu­min­dest auf den ers­ten Blick nicht ide­al zu sein. Denn in den ver­gan­ge­nen Wo­chen ka­men er­neut Be­den­ken über die künf­ti­ge Er­trags­la­ge der Staats­bank auf. Pe­king ver­ab­reich­te ihr En­de 2008 zwar ei­ne Fi­nanz­sprit­ze im Um­fang von 18 Mrd. $, aber das Kre­dit­in­sti­tut er­wirt­schaf­tet trotz­dem die tiefs­te Ei­gen­ka­pi­tal­ren­di­te der chi­ne­si­schen Gross­ban­ken.

Un­güns­ti­ger Zeit­punkt

Vor al­lem auch er­scheint das all­ge­mei­ne Markt­um­feld für IPO zu die­sem Zeit­punkt un­güns­tig. Das hat un­ter an­de­rem den Hong­kon­ger Misch­kon­zern Swire Pa­ci­fic da­zu be­wo­gen, die für das Früh­jahr 2010 ge­plan­te Ein­füh­rung sei­ner Im­mo­bi­li­en­toch­ter an der Bör­se Hong­kong auf un­be­stimm­te Zeit zu ver­schie­ben. Denn die Sor­gen über die Kri­se im Eu­ro­raum, ei­nen schwa­chen ame­ri­ka­ni­schen Ar­beits­markt und spe­zi­ell die an­hal­ten­den Be­den­ken über die Sta­bi­li­tät des chi­ne­si­schen Im­mo­bi­li­en­mark­tes drü­cken der­zeit auf die Ak­ti­en­kur­se chi­ne­si­scher Un­ter­neh­men. Ab­ge­straft wur­den da­bei we­gen der be­deu­ten­den En­ga­ge­ments chi­ne­si­scher Geld­häu­ser am lo­ka­len Im­mo­bi­li­en­markt vor al­lem die Bank­ti­tel.

Der Hang-Seng-In­dex hat in den ver­gan­ge­nen sechs Mo­na­ten bei­na­he 10% ver­lo­ren. Noch schlech­ter steht al­ler­dings der Schang­hai­er Ak­ti­en­markt da, der seit An­fang Jahr ein Mi­nus von über 20% er­lit­ten hat. Die Sor­gen über die Sta­bi­li­tät der in-und aus­län­di­schen Wirt­schaft wa­ren aber nur ei­ner der Grün­de für die sin­ken­den Kur­se. Als eben­so be­las­tend für be­reits ko­tier­te Ti­tel er­weist sich die Flut neu­er Ak­ti­en: Nach­dem das Emis­si­ons­vo­lu­men an den Bör­sen Hong­kong, Schang­hai und Shen­zhen im ver­gan­ge­nen Jahr mehr als 40 Mrd.$ be­tra­gen hat­te, wird es nach Schät­zung des Be­ra­tungs­hau­ses Pri­ce­wa­ter­hou­seCo­o­pers 2010 mehr als 50% über dem Vor­jah­res­wert lie­gen. Seit Jah­res­be­ginn wur­de be­reits ein Vo­lu­men von 20 Mrd.$ rea­li­siert.

Be­son­ders ins Ge­wicht fal­len da­bei ne­ben Ers­te­mis­sio­nen wie der­je­ni­gen der Ag­ri­cul­tu­ral Bank of Chi­na die Ka­pi­tal­er­hö­hun­gen an­de­rer Fi­nanz­in­sti­tu­te, zum Bei­spiel der Bank of Chi­na oder der Bank of Com­mu­ni­ca­ti­ons. Nach­dem die Gross­ban­ken im Vor­jahr zur Stüt­zung des Wirt­schafts­wachs­tums auf An­ord­nung der Re­gie­rung mas­siv mehr Kre­di­te er­teilt ha­ben, sind sie jetzt ge­zwun­gen, ih­re Ka­pi­tal­de­cke auf­zu­sto­cken. Die ge­plan­te Be­ge­bung von Wan­del­an­lei­hen oder die Aus­ga­be neu­er Ak­ti­en könn­ten dem zweit-und dem dritt­gröss­ten chi­ne­si­schen Geld­haus zu­sam­men mehr als 15 Mrd.$ ein­brin­gen.

Start­schuss

Dass in den kom­men­den Wo­chen ne­ben der ABC mit Xin­jiang Gold­wind, dem gröss­ten Wind­tur­bi­nen­her­stel­ler des Lan­des, so­wie dem Fi­nanz­kon­glo­me­rat Chi­na Ever­bright Bank gleich drei be­deu­ten­de chi­ne­si­sche Un­ter­neh­men an die Bör­se ge­bracht wer­den sol­len, ist un­ter an­de­rem dem Um­stand zu­zu­schrei­ben, dass vie­le IPO im lau­fen­den Jahr ein Er­folg wa­ren. Wäh­rend sich die Fest­land­bör­se 2010 un­ter den welt­weit zehn gröss­ten Ak­ti­en­märk­ten bis­her am schlech­tes­ten ent­wi­ckelt hat, ha­ben neu pla­zier­te Ak­ti­en ih­re Be­sit­zer in den ers­ten dreis­sig Han­dels- ta­gen mit ei­ner Wert­stei­ge­rung von durch­schnitt­lich 29% ver­wöhnt.

Auch die ABC dürf­te die In­ves­to­ren zu­min­dest kurz­fris­tig nicht ent­täu­schen. Der Staat, der auch nach der Pu­bli­kums­öff­nung als 85%iger An­teils­eig­ner das In­sti­tut kon­trol­lie­ren wird, ist dar­an in­ter­es­siert, dass mit ei­nem rea­lis­ti­schen Aus­ga­be­preis der Bör­sen­gang er­folg­reich über die Büh­ne ge­bracht wer­den kann. Da­mit will er nicht nur die Klein­ak­tio­nä­re bei Lau­ne hal­ten, son­dern mehr noch stra­te­gi­sche In­ves­to­ren wie Staats­fonds lang­fris­tig an den noch jun­gen Markt bin­den.

Soll­te das Go­ing Pu­b­lic der Ag­ri­cul­tu­ral Bank of Chi­na ein Er­folg wer­den, dürf­te in den kom­men­den Mo­na­ten ne­ben wei­te­ren chi­ne­si­schen Un­ter­neh­men auch ei­ne Rei­he re­nom­mier­ter aus­län­di­scher Ge­sell­schaf­ten ih­re Bör­sen­plä­ne in Chi­na wei­ter vor­an­trei­ben. HSBC Hol­dings et­wa, Eu­ro­pas gröss­te Bank, strebt nach London und Hong­kong nun auch ei­ne Kon­tie­rung in Schang­hai an. Auch die in Asi­en stark ver­an­ker­te und eben­falls in Hong­kong no­tier­te Stan­dard & Char­te­red Bank will mit­tel­fris­tig an die Bör­se Schang­hai.

Die Ag­ri­cul­tu­ral Bank of Chi­na ist tra­di­tio­nell stark in den länd­li­chen Re­gio­nen der Volks­re­pu­blik ver­tre­ten.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.