Chi­na ex­por­tiert weit mehr als er­war­tet

Et­was we­ni­ger ein­ge­führt – Han­dels­bi­lanz­über­schuss nimmt kräf­tig zu – Ase­an löst Ja­pan ab – Wachs­tum der Aus­fuh­ren wird sich ab­schwä­chen

Finanz und Wirtschaft - - AUSLAND - THO­MAS PENTSY

Nach den über­ra­schend gu­ten Ex­port­da­ten aus Tai­wan war­tet auch die Volks­re­pu­blik mit deut­lich über den Er­war­tun­gen lie­gen­den Ex­port­zah­len für Mai auf: Chi­nas Aus­fuh­ren wuch­sen ful­mi­nan­te 48,5% zum Vor­jahr und über­tra­fen da­mit die Kon­sens­schät­zung von +32% bei wei­tem. Zu­zu­schrei­ben ist das nicht nur der tie­fen Ver­gleichs­ba­sis aus dem Vor­jahr, weil der Mai da­mals mit –26% der schlech­tes­te Mo­nat ge­we­sen war. Die Aus­fuh­ren be­stä­tig­ten ih­ren Er­ho­lungs­kurs auch mit ei­nem Zu­wachs von 10,9% zum Vor­mo­nat, der in der Hö­he fast so stark war wie im April (+11% zum März). Ins­ge­samt ent­spre­chen die Ex­port­zah­len dem kräf­tigs­ten Wachs­tum im lau­fen­den Er­ho­lungs­zy­klus, und ge­mes­sen am Wa­ren­wert no­tie­ren die Aus­fuh­ren auch wie­der na­he dem höchs­ten Stand vor Aus­bruch der glo­ba­len Wirt­schafts­kri­se.

Roh­stoff­hun­ger lässt nach

Kaum über­ra­schend spie­geln die Im­port­da­ten ei­ne leich­te Ab­schwä­chung zum über­aus gu­ten April (+49,7%). Mit ei­nem Plus von 48,3% zum Vor­jahr wur­den aber auch hier die Pro­gno­sen über­trof­fen. Im Vor­mo­nats­ver­gleich da­ge­gen re­sul­tiert für die Ein­fuh­ren ein leich­tes Mi­nus von 0,9%, nach ei­nem se­quen­zi­el­len Wachs­tum von 6,9% im April. Dar­in äus­sern sich un­ter an­de­rem die Be­mü­hun­gen von Pe­king, die Sti­mu­lus­mass­nah­men zu­rück­zu­fah­ren und das Spe­ku­la­ti­ons­fie­ber am Im­mo­bi­li­en­markt durch Brems­ma­nö­ver ab­zu­küh­len. Über­dies hat die Kor­rek­tur der Roh­stoff­prei­se eben­falls zum schwä­che­ren Im­port bei­ge­tra­gen.

An­ge­kün­digt hat­ten sich die tie­fe­ren Ein­fuh­ren schon durch zu­letzt rück­läu­fi­ge In­ves­ti­tio­nen für In­fra­struk­tur­pro­jek­te, was wie­der­um da­zu füh­ren soll­te, dass Chi­nas Ap­pe­tit auf Roh­stof­fe in den nächs­ten Mo­na­ten et­was nach­las­sen wird. Ge­mes­sen am Vo­lu­men frag­te die Volks­re­pu­blik im Mai ge­mäss der bri­ti­schen Gross­bank HSBC 6% we­ni­ger Ei­sen­erz und 9,1% we­ni­ger un­ver­ar­bei­te­tes Kup­fer als im Vor­mo­nat nach.

Auf dem Rü­cken ei­ner sich er­ho­len­den Welt­kon­junk­tur wur­de das Wachs­tum

Ma­kro­öko­no­mi­sche Eck­da­ten durch ro­bus­te Ex­por­te in al­le Welt­re­gio­nen ge­tra­gen. Ein be­son­ders kraft­vol­ler Wachs­tums­trei­ber war der in­ner­asia­ti­sche Han­del. Nicht nur be­schleu­nig­te sich das Wachs­tum der Aus­fuh­ren nach Süd­ko­rea und Tai­wan auf 52,2 re­spek­ti­ve 77,7% im Jah­res­ver­gleich, nach 40,9 und 73,4% im April. Mit ei­nem Zu­wachs von 48% über­flü­gel­te zu­dem der Wirt­schafts­raum Ase­an ( Ver­band Süd­ost­asia­ti­scher Na­tio­nen) Ja­pan und schwang sich so­mit zu Chi­nas dritt­wich­tigs­ten Han­dels­part­ner auf. Aber auch nach Nip­pon (+37,1%) wur­de wei­ter kräf­tig ex­por­tiert.

Un­be­ein­druckt zeig­te sich die chi­ne­si­sche Ex­port­wirt­schaft bis jetzt von der Schul­den­kri­se in der Eu­ro­päi­schen Uni­on (EU) oder dem schwä­che­ren Eu­ro. In die wich­tigs­te Ex­port­des­ti­na­ti­on wur­den im Mai 49,7% mehr aus­ge­führt als vor ei­nem Jahr, wo­bei sich auch hier das Wachs­tum er­heb­lich be­schleu­nig­te. Glei­ches trifft auf den Han­del mit den Ver­ei­nig­ten Staa­ten zu (+44,3% im Mai nach +19,1% im April), was in Washington wohl Ir­ri­ta­tio­nen her­vor­ru­fen wird und vor al­lem den Stim­men Auf­trieb gibt, die Chi­na un­fai­re Wett­be­werbs­vor­tei­le durch ei­ne künst­lich zu tief ge­hal­te­ne Lan­des­wäh­rung vor­wer­fen.

Denn Chi­nas Han­dels­bi­lanz­über­schuss wei­te­te sich als Fol­ge des kräf­ti­gen Ex­ports von ma­ge­ren 1,7 Mrd.$ im April auf 19,5 Mrd.$ im Mai aus. Die­ser Auf­schwung lässt ver­mu­ten, dass das Han­dels­bi­lanz­de­fi­zit von März wohl nur ein vor­über­ge­hen­des Phä­no­men war. Hand­kehrum wird der ho­he Über­schuss in den USA wohl Fi­nanz­mi­nis­ter Ti­mo­thy Geith­ner un­ter Druck set­zen. Der US-Be­richt, ob Chi­na von Washington der Wäh­rungs­ma­ni­pu­la­ti­on be­zich­tigt wird und der Volks­re­pu­blik da­durch al­len­falls Straf­zöl­le dro­hen, ist wei­ter aus­ste­hend.

Kei­ne Ei­le

Pe­king wird sich in Sa­chen Auf­wer­tung des Yu­ans aber kaum die Agen­da aus Ame­ri­ka dik­tie­ren las­sen. Zum ei­nen wird sich das ho­he Wachs­tums­tem­po der Aus­fuh­ren wie das der Ge­samt­wirt­schaft ab der zwei­ten Jah­res­hälf­te auf­grund des Ba­sis­ef­fekts und Pe­kings Mass­nah­men zur Kon­junk­tur­ab­küh­lung ab­schwä­chen. In die­se Rich­tung weist auch der Ein­kaufs­ma­na­ger­index, der zu­letzt et­was nach­ge­las­sen hat. Zum an­de­ren ist un­si­cher, ob sich die Schul­den­kri­se der EU nicht doch noch ver­tieft und in wel­chem Aus­mass die Spar­pa­ke­te in Eu­ro­pa die Nach­fra­ge auf dem Al­ten Kon­ti­nent be­ein­träch­ti­gen wer­den. Nicht zu­letzt no­tiert Chi­nas Han­del­bi­lanz­über­schuss für Ja­nu­ar bis Mai mit 35,8 Mrd.$ weit un­ter dem Vor­jah­res­wert von 88,3 Mrd.$. Auch hat sich der Yuan zum Eu­ro we­gen des­sen Schwä­che seit Jah­res­be­ginn rund 18% auf­ge­wer­tet.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.