In der Luft­fahrt gibt Du­bai das Tem­po vor

Emi­ra­tes war­tet auf die Aus­lie­fe­rung von 175 Ma­schi­nen für 60 Mrd. $ – Kon­trast zum kol­la­bier­ten Bau­markt – Eu­ro­päi­sche Car­ri­er ha­ben das Nach­se­hen

Finanz und Wirtschaft - - AUSLAND - DO­MI­NIK FELD­GES

Die Vil­len auf der ers­ten pal­men­för­mi­gen In­sel vor Du­bai wur­den noch fer­tig er­stellt, auf der zwei­ten wur­den die Bau­ar­bei­ten nur zur Hälf­te aus­ge­führt, und für die drit­te wur­de bis­her nur das Land auf­ge­schüt­tet. Still­stand herrscht auch auf der «Welt», de­ren künst­li­che In­seln ge­mäss Bau­plan die Um­ris­se sämt­li­cher Kon­ti­nen­te nach­zeich­nen soll­ten. Die letz­te Mel­dung auf der of­fi­zi­el­len Web­site des Pro­jekts, das wie die Pal­men­in­seln durch den in­zwi­schen in Zah­lungs­rück­stand ge­ra­te­nen staat­li­chen Bau­kon­zern Nak­heel be­treut wird, stammt vom 10. Ja­nu­ar 2008.

Lee­rer Wol­ken­krat­zer

«Der Bau­markt in Du­bai ist zu­sam­men­ge­bro­chen», kon­sta­tiert Ro­land Zi­bell vom Pfäf­fi­ker Be­ra­tungs­un­ter­neh­men ADI Con­sul­ting, das in der Golf­re­gi­on seit Jah­ren ak­tiv ist und wäh­rend der Start­pha­se mass­geb­lich in den Auf­bau ei­ner Lo­gis­tik­in­fra­struk­tur am neu­en Al-Mak­to­umFlug­ha­fen (vgl. Kas­ten und FuW Nr. 2 vom 9. Ja­nu­ar 2008) in­vol­viert war. Zi­bell be­rich­tet von zahl­rei­chen Bau­rui­nen und Ge­bäu­den, bei de­nen nur die Fas­sa­de voll­endet wur­de, im In­nern aber gäh­nen­de Lee­re herrscht. Da­zu soll auch in wei­ten Tei­len der An­fang Jahr ein­ge­weih­te welt­gröss­te Wol­ken­krat­zer Burj Kha­li­fa ge­hö­ren, wie in­ter­na­tio­na­le Me­di­en im­mer wie­der be­rich­ten.

Ob­wohl die Im­mo­bi­li­en­prei­se in Du­bai ge­gen­über dem Höchst rund 50% kor­ri­giert ha­ben und es in­zwi­schen ein kla­res Über­an­ge­bot an Woh­nun­gen und Bü­ros gibt, ist die Wüs­ten­me­tro­po­le nicht in al­len Be­lan­gen «am Bo­den». Ei­ne an­hal­ten­de Er­folgs­ge­schich­te ist die Luft­fahrt. Wie gut sich Du­bai im Air­linemarkt po­si­tio­niert hat, wur­de die­se Wo­che er­neut deut­lich, als Emi­ra­tes den Kauf wei­te­rer 32 Gross­raum­flug­zeu­ge vom Typ Air­bus 380 für 11,5 Mrd.$ an­kün­dig­te (vgl. FuW vom Mitt­woch). Da­mit er­rei­chen die von der staat­li­chen Flug­ge­sell­schaft aus Du­bai auf­ge­ge­be­nen Be­stel­lun­gen 175 Ma­schi­nen, was ei­nem Or­der­vo­lu­men von fast 60 Mrd.$ ent­spricht.

Letz­tes Jahr wuchs die Emi­ra­tes-Flot­te um fünf­zehn neue Jets auf 142 Flug­zeu­ge. Die Air­line, die erst vor 25 Jah­ren mit da­mals zwei Ma­schi­nen ge­grün­det wur­de, be­nö­tigt die zu­sätz­li­che Ka­pa­zi­tät, um ihr ra­san­tes Wachs­tum zu be­wäl­ti­gen. 2009, als die An­zahl der bran­chen­weit be­för­der­ten Pas­sa­gie­re 2,7% zu­rück­ging, flo­gen

Scheich mit zwei Da­men: 20,6% mehr Rei­sen­de mit Emi­ra­tes. Die durch­schnitt­li­che Aus­las­tung der Emi­ra­tes-Flug­zeu­ge er­reich­te ho­he 78,1%.

Der ag­gres­si­ve Ex­pan­si­ons­kurs trägt der Flug­ge­sell­schaft zu­neh­mend Kri­tik von Kon­kur­ren­ten ein. Be­son­ders schlecht auf Emi­ra­tes sind die gros­sen eu­ro­päi­schen Air­lines Luft­han­sa, Air Fran­ce-KLM und Bri­tish Air­ways (BA) zu spre­chen. Sie müs­sen zu­se­hen, wie ih­nen ka­pi­tal­kräf­ti­ge Flug­ge­sell­schaf­ten aus dem Na­hen Os­ten, zu de­nen auch Qa­tar Air­ways und Eti­had aus Abu Dha­bi zäh­len, zu­neh­mend Trans­fer­pas­sa­gie­re im lu­kra­ti­ven Langstre­cken­ge­schäft ab­ja­gen.

Die Golf-Air­lines flie­gen in Eu­ro­pa mitt­ler­wei­le nicht nur die gros­sen Zen­tren an, son­dern auch zahl­rei­che klei­ne­re Des­ti­na­tio­nen. Das er­mög­licht Rei­sen­den bei­spiels­wei­se aus Düsseldorf oder Man­ches­ter, auf dem Weg nach Chi­na in Du­bai oder Do­ha um­zu­stei­gen. Das Nach­se­hen ha­ben Hubs wie der vor al­lem von Luft­han­sa be­dien­te Flug­ha­fen in Frank­furt oder das Dreh­kreuz von BA in Lon­donHe­a­throw.

Emi­ra­tes, de­ren ope­ra­ti­ve Füh­rung seit der Grün­dung den bei­den Bri­ten Tim Clark und Mau­rice Fla­na­gan (mitt­ler­wei­le 82-jäh­rig!) ob­liegt, pro­fi­tiert da­von, dass Ge­werk­schaf­ten in Du­bai nicht zu­ge­las­sen sind, wo­mit Streiks ein Fremd­wort sind. Die mehr­heit­lich aus Süd­ost­asi­en re­kru­tier­ten Flug­be­glei­ter ge­ben sich mit ge­rin­ge­ren Löh­nen zu­frie­den als ih­re Kol-

Nur Pe­king wächst schnel­ler le­gen von BA oder Luft­han­sa. Wie al­le Ar­beits­kräf­te in Du­bai müs­sen sie kei­ne Steu­ern be­zah­len. Nicht ge­recht­fer­tigt scheint der Vor­wurf zu sein, dass Emi­ra­tes ver­bil­lig­tes Ke­ro­sin und an­de­re Ver­güns­ti­gun­gen vom Staat er­hält. Scheich Ah­med bin Saeed Al-Mak­to­um, Chair­man und CEO der Air­line, be­ton­te denn auch im Com­mu­ni­qué zu den Zah­len für das ver-

Fracht­zen­trum Du­bai

Bun­des­kanz­le­rin Mer­kel und Bun­des­prä­si­den­tin Leuthard (links) las­sen sich vom Emi­ra­tes-CEO den A380 zei­gen.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.