Ge­nie und Mar­ke­ting

Art Ba­sel – Schau­lau­fen der Ga­le­ri­en – Käu­fer sind wich­ti­ger als Künst­ler – Markt­test

Finanz und Wirtschaft - - KUNSTMARKT - CHRIS­TI­AN VON FA­BER- CA­S­TELL

Kunst­händ­ler, Ga­le­ris­ten und Auk­tio­na­to­ren war­ten die­ses Jahr mit be­son­de­rer Span­nung auf den Start der Art Ba­sel am 16. Ju­ni. Die be­deu­tends­ten Käu­fe dürf­ten bis da­hin zwar längst ab­ge­schlos­sen sein: Fi­nanz­star­ke Samm­ler, Mu­se­ums­ver­tre­ter und an­de­re Gross­käu­fer ha­ben ja schon am 15. Ju­ni und zum Teil am 14. Ju­ni im Rah­men ex­klu­si­ver Pre­views Ge­le­gen­heit, sich die in­ter­es­san­tes­ten Wer­ke zu si­chern.

Wie zu bes­ten Zei­ten

Aus Markt­be­ob­ach­ter­sicht ist das gar nicht so wich­tig. Dass das Kunst­ge­schäft in den obers­ten Preis-und Qua­li­täts­ge­fil­den kaum un­ter Fi­nanz­markt­tur­bu­len­zen lei­det, ha­ben bis­he­ri­ge Auk­tio­nen zur Ge­nü­ge ge­zeigt: Gleich zwei Prei­se über 100 Mio. $ für zwei Kunst­markt­tro­phä­en von Al­ber­to Gi­a­co­met­ti und Pa­blo Pi­cas­so so­wie ein un­ver­hofft ho­her Auk­ti­ons­um­satz er­in­nern an die Hausse­zeit von 2007 und 2008. So ver­stei­ger­ten Chris­tie’s, Sothe­by’s und Phil­lips de Pu­ry & Com­pa­ny al­lein in New York an fünf Auk­tio­nen vom 4. bis 13. Mai 288 Meis­ter­wer­ke im­pres­sio­nis­ti­scher, mo­der­ner und zeit­ge­nös­si­scher Kunst für 990,2 Mio. $.

We­ni­ger klar ist da­ge­gen die Markt­si­tua­ti­on im Be­reich der Brot-und-But­ter-Kunst zwi­schen 3000 und 300000 Fr., von de­ren Ver­kauf die meis­ten Ga­le­ri­en, Kunst­händ­ler und Auk­tio­na­to­ren le­ben, so pom­pös und ein­drucks­voll ihr Händ­ler­la­tein auch klin­gen mag. Ob und wann die Er­ho­lung der Nach­fra­ge in die­sem be­schei­de­ne­ren, aber wich­ti­gen Markt­be­reich ein­setzt, ist selbst für die in­ter­na­tio­na­le Ga­le­rieeli­te, die es an die Art ge­schafft hat, von exis­ten­zi­el­ler Be­deu­tung.

Mit wel­chen neu­en Ta­len­ten dann die bes­ten Ge­schäf­te ge­macht wer­den und wel­che eins­ti­gen Entdeckungen ih­re Markt­kar­rie­re über die wirt­schaft­li­chen Wir­ren der ver­gan­ge­nen zwei Jah­re in die Ge­gen­wart ret­ten kön­nen, ist da­bei von zweit­ran­gi­ger Be­deu­tung. In Ba­sel ste­hen schliess­lich nicht die Künst­ler und ih­re Kunst im Mit­tel­punkt, son­dern ih­re Ver­mark­ter. Die Art Ba­sel und ih­re Töch­ter die­nen ja in ers­ter Li­nie als Kon­takt­hof für Kunst­händ­ler und Kunst­käu­fer.

Für Käu­fer ist Ba­sel Pflicht und Kür zu­gleich. Als Fol­ge des me­ta­st­a­sie­ren­den Wachs­tums des Bas­ler Kun­st­an­ge­bots wird die ge­nuss­vol­le Kunst­kür da­bei zwar im­mer mehr durch be­schwer­lich müh­sa­me Pflicht ver­drängt. Das al­ler­dings kann man kaum der Art Ba­sel an­las­ten, de­ren Or­ga­ni­sa­to­ren sich kon­se­quent um ei­ne Be­schrän­kung des Mes­se­um­fangs be­mü­hen und sich da­mit in Ga­le­ri­en­krei­sen nicht nur be­liebt ma­chen.

Ver­ant­wort­lich für die­se Wu­che­rung sind viel­mehr die tritt­brett­fah­ren­den Zu­satz­mes­sen wie die deut­sche Vol­ta­show und die New Yor­ker Scope, die sich im Um­feld der Art Ba­sel ein­ge­rich­tet ha­ben. Den von der Teil­nah­me an der Art Ba­sel selbst aus­ge­schlos­se­nen Ga­le­ri­en kann man es an­de­rer­seits nicht ver­übeln, dass sie sol­che Aus­stel­lungs­ge­le­gen­hei­ten er­grei­fen, um von der phe­ro­mon­ar­ti­gen Lock­wir­kung der Mut­ter­mes­se auf ei­ne in­ter­na­tio­na­le Kunst­käu­fer­schaft zu pro­fi­tie­ren.

Blue-Chip-Mes­se

Die mark­tent­schei­den­de Kraft der Art Ba­sel und ih­rer in­zwi­schen le­gi­ti­mier­ten Toch­ter, der Ga­le­ri­en­cas­ting­show Lis­te, wird da­durch in­des nicht ge­schmä­lert. Vor al­lem die im Erd­ge­schoss der Art ver­sam­mel­ten Aus­stel­ler ver­mit­teln nach wie vor den bes­ten und zu­ver­läs­sigs­ten Über­blick dar­über, was heu­te als Blue Chips des Kunst­mark­tes an­zu­se­hen ist.

Zu­gleich ist die Art Ba­sel ein Cat­walk der Ga­le­ri­en, die das bes­te Mar­ke­ting für ih­re Künst­ler be­trei­ben, wo­zu ja nicht zu­letzt de­ren Prä­sen­ta­ti­on an die­ser Eli­te­mes­se ge­hört. Ih­ren al­lein se­lig­ma­chen­den An­spruch hat die Art Ba­sel je­doch ver­lo­ren, seit meh­re­re an­er­kannt erst­klas­si­ge Ga­le­ri­en an ihr nicht mehr teil­neh­men wol­len oder dür­fen.

Dar­un­ter fin­det sich im­mer­hin Markt­pro­mi­nenz wie die Wich­t­ra­cher Ex­pres­sio­nis­ten­ga­le­rie Hen­ze & Ket­te­rer, der Wie­ner Art-Ve­te­ran und Top­kunst­kom­mu­ni­ka­tor Ernst Hil­ger oder auch der Zürcher Fo­to­kunst­pio­nier Kas­par Fleisch- mann, des­sen Ga­le­rie zur Sto­cke­regg die Art Ba­sel ih­re heu­ti­ge Füh­rungs­rol­le als Fo­to­kunst­an­lass we­sent­lich mit­ver­dankt.

Wer sich da­ge­gen we­ni­ger für den Kunst­markt und mehr für wirk­lich neue, jun­ge Kunst selbst in­ter­es­siert, muss heu­te an­dern­orts, mög­lichst noch vor der kom­mer­zi­el­len Ga­le­ri­en­fil­te­rung su­chen. Als Kunst­jagd­re­vie­re hier­für emp­feh­len sich für am­bi­tio­nier­te Kun­st­in­ter­es­sier­te et­wa die Aus­stel­lung Jung­kunst in Win­ter­thur vom 28. bis 31. Ok­to­ber (www.jung­kunst. ch) oder auch die Bild­hau­er­ate­liers der Ar­beits­ge­mein­schaft Zürcher Bild­hau­er AZB auf dem Gas­werkare­al in Schlie­ren (www.plas­ti­ker.ch).

Fritz Glar­ner, «Re­la­tio­nal Pain­ting Ton­do Nr. 39», 1955, Öl auf Ma­so­nit, Durch­mes­ser: 124 cm, Preis: 1,5 Mio. Fr. (Ga­le­rie De Bar­tha, Ba­sel, an der Art Ba­sel 2010)

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