Vom Sor­gen­kind zum Mus­ter­kna­ben

MAN SPRICHT VON der Tech­no­lo­gie­bran­che, die sich in ei­nem ner­vö­sen Bör­sen­um­feld als at­trak­ti­ver An­la­ge­sek­tor er­weist

Finanz und Wirtschaft - - AUF EINEN BLICK - FRANK HEI­NI­GER

Staat­li­che Schul­den­kri­sen, der Fall des Eu­ro, Rück­stu­fun­gen von Län­der­ra­tings, die Ge­fahr ei­nes Dou­bleDips – in den ver­gan­ge­nen Wo­chen ist die Ve­r­un­si­che­rung an die Bör­sen zu­rück­ge­kehrt. In ei­nem sol­chen Um­feld ge­winnt die rich­ti­ge Ti­tel-und Bran­chen­se­lek­ti­on an Re­le­vanz. Kein Weg führt da­bei an der In­for­ma­ti­ons­tech­no­lo­gie-Bran­che (IT) vor­bei: Kaum ein an­de­rer Sek­tor lockt zur­zeit mit ei­nem ähn­lich at­trak­ti­ven Ver­hält­nis zwi­schen Chan­ce und Ri­si­ko.

Es gibt di­ver­se gu­te Grün­de, die für Tech­no­lo­gie­ak­ti­en spre­chen. So sind die Bi­lan­zen der Bran­chen­ver­tre­ter in be­nei­dens­wer­ter Ver­fas­sung. Dank ho­hen frei­en Cash­flows und er­folg­rei­chen Spar­mass­nah­men konn­ten selbst in der Re­zes­si­on Mit­tel auf die Sei­te ge­legt wer­den. Als ein­zi­ger Sek­tor im S&P-500-In­dex wei­sen Tech-Un­ter­neh­men im Schnitt ein Net­to­gut­ha­ben auf (vgl. Ta­bel­le). Zu den po­ten­tes­ten Kon­zer­nen zäh­len et­wa App­le mit ei­ner Net­to­li­qui­di­tät von 41,7 Mrd.$ oder der US-Netz­werk­gi­gant Cis­co Sys­tems mit ei­nem Geld­pols­ter von 23,9 Mrd.$.

Kei­ne Lu­xus­gü­ter mehr

Auch hin­sicht­lich der Nach­fra­ge sind die Aus­sich­ten viel­ver­spre­chend. Im Nach­gang der Dot­com-Hys­te­rie im Jahr 2000 ist der IT-Aus­ga­ben­an­teil am BIP deut­lich un­ter die lang­fris­ti­ge Trend­li­nie ge­fal­len. Es dürf­te nur ei­ne Fra­ge der Zeit sein, bis die In­ves­ti­tio­nen nach­ge­holt wer­den. Das gilt spe­zi­ell im Com­pu­ter­seg­ment: Drin­gen­der Er­neue­rungs­be­darf be­steht et­wa in den Un­ter­neh­men, wo das Al­ter der ver­wen­de­ten PCs im Schnitt zwi­schen vier und fünf Jah­ren liegt. Der Pri­vat­kon­su- ment dürf­te sich trotz schwie­ri­gem Wirt­schafts­kli­ma eben­falls nicht mit Aus­ga­ben zu­rück­hal­ten. «Die Nach­fra­ge bleibt auch in un­si­che­ren Zei­ten hoch. PCs ha­ben sich welt­weit von ei­nem Lu­xus­gut zu ei­ner Not­wen­dig­keit ge­wan­delt», er­klär­te jüngst Ran­jit At­wal. Der IT-Markt­for­scher von Gart­ner pro­gnos­ti­ziert, dass im lau­fen­den Jahr welt­weit 377 Mio. Rech­ner ver­kauft wer­den. Das ent­spricht ge­gen­über dem – zu­ge­ge­be­ner­mas­sen schwa­chen – Vor­jahr ei­nem Wachs­tum von 22%. Dass die Kon­su­men­ten da­bei auch neu­en Pro­dukt­ka­te­go­ri­en of­fen ge­gen­über­ste­hen, hat die Lan­cie­rung von App­les iPad be­wie­sen.

Ge­lernt hat die Tech-Bran­che zu­dem aus den Ver­wer­fun­gen der Dot­com-Bla­se. Re­la­tiv mo­de­rat wur­den im Auf­schwung neue Fer­ti­gungs­ka­pa­zi­tä­ten hin­zu­ge­fügt. Die Mar­gen sind des­halb auch im Ab­schwung nicht völ­lig zu­sam­men­ge­bro­chen. Sicht­bar wird die Mo­de­ra­ti­on in der zy­kli­schen Halb­lei­ter­in­dus­trie: In ei­ni­gen Seg­men­ten – et­wa bei den Spei­cher­chips – wird dank ho­her Nach­fra­ge be­reits am Ka­pa­zi­täts­ma­xi­mum pro­du­ziert. Die Be­fürch­tung, dass die Er­ho­lung le­dig­lich von Vor­rats­auf­sto­ckun­gen in der Ver­sor­gungs­ket­te ge­trie­ben ist, scheint un­be­grün­det. Ge­mäss ei­ner Stu­die der Cre­dit Suis­se lag En­de des ers­ten Quar­tals 2010 die durch­schnitt­li­che La­ger­dau­er (In­ven­to­ry Days) im IT-Sek­tor bei 36,8 Ta­gen – und da­mit deut­lich un­ter dem lang­jäh­ri­gen Schnitt. Die Zu­ver­sicht ist auch an der wach­sen- den In­ves­ti­ti­ons­nei­gung der Un­ter­neh­men ab­zu­le­sen. Ein deut­li­ches Zei­chen setz­te im Mai Samsung Elec­tro­nics. Die Süd­ko­rea­ner er­klär­ten, welt­weit hät­ten sich die Aus­sich­ten für Kon­sum­elek­tro­nik und IT-Aus­ga­ben ver­bes­sert. Der Tech­no­lo­gie­kon­zern pla­ne des­halb, im lau­fen­den Jahr die gi­gan­ti­sche Sum­me von 26 Bio. Won (21,2 Mrd.$) in die Fer­ti­gung und For­schung zu in­ves­tie­ren.

Mo­de­ra­te Be­wer­tung

Die zen­tra­le Rol­le der IT-Un­ter­neh­men zeigt sich an den Ak­ti­en­märk­ten. Un­ter den vier­zig gröss­ten Un­ter­neh­men der Welt (ge­mes­sen an der Markt­ka­pi­ta­li­sie­rung) sind acht Tech­no­lo­gie­kon­zer­ne ver­tre­ten. Doch das Wich­tigs­te: Trotz der spe­zi­fi­schen Stär­ken des Sek­tors be­fin­det sich der Be­wer­tungs­auf­schlag ge­gen­über dem Ge­samt­markt auf sehr nied­ri­gem Ni­veau (vgl. Gra­fik). Dar­an hat auch die Über­per­for­mance seit März 2009 nichts ge­än­dert. Nimmt man die Ge­win­ne der letz­ten vier Quar­ta­le als Be­zugs­grös­se, weist der ge­sam­te S&P-500-IT-Sek­tor ein Kurs-Ge­winn-Ver­hält­nis (KGV) von 16,9 auf. Die Prä­mie ge­gen­über dem S&P 500 liegt bei le­dig­lich 7%. Ähn­lich vor­teil­haft ist der Aus­blick für die kom­men­den vier Quar­ta­le. Auf Ba­sis der Kon­sens­schät­zung weist die Tech-In­dus­trie ein KGV von 13,6 auf und liegt da­mit nur ge­ring­fü­gig über dem markt­brei­ten Wert von 13,4.

Zu den Ti­teln, die sich In­ves­to­ren mit gu­tem Ge­wis­sen ins Port­fo­lio le­gen kön­nen, zäh­len die Va­lo­ren des US-Soft­ware­hau­ses Ora­cle. Der Spei­cher­kon­zern EMC wird eben­falls von stei­gen­den IT-In­ves­ti­tio­nen pro­fi­tie­ren. Ein gu­te Wahl ist auch der zur­zeit at­trak­tiv be­wer­te­te US-Com­pu­ter­chip­gi­gant In­tel.

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