Un­kal­ku­lier­bar

Ent­las­tung in UBS – Swiss Re fin­den Ge­fal­len – Zy­kli­ker wie ABB und Sul­zer ge­fragt

Finanz und Wirtschaft - - BÖRSE SCHWEIZ - CAR­LA PALM

Selbst eher un­wich­ti­ge Kon­junk­tur­in­di­ka­to­ren be­we­gen der­zeit welt­weit die Bör­sen. So ga­ben po­si­ti­ve Da­ten zur In­dus­trie­pro­duk­ti­on aus Eu­ro­pa und den USA auch Schwei­zer Ak­ti­en zu Wo­chen­be­ginn ei­nen Schub nach oben. Ge­sucht wa­ren vor al­lem zy­kli­sche Wer­te, wie Cla­ri­ant, ABB und Pe­trop­lus. Sol­che Schwan­kun­gen zei­gen al­ler­dings auch, dass die In­ves­to­ren dünn­häu­tig ge­wor­den sind. Dies­mal hielt der Schwung, trotz trü­ber Kon­junk­tur­er­war­tun­gen wie et­wa am Di­ens­tag des ver­hal­te­nen Aus­blicks des Zen­trums für Eu­ro­päi­sche Wirt­schafts­for­schung. Aus­nahms­wei­se trenn­ten sich die An­le­ger nicht gleich von ih­ren Ak­ti­en. Die Un­kal­ku­lier­bar­keit bleibt.

Der­weil hat die Ra­ting­agen­tur Moo­dy’s die Kre­dit­wür­dig­keit Grie­chen­lands wei­ter ge­senkt und da­mit an den Fi­nanz­märk­ten er­neut Miss­trau­en ver­brei­tet. Zu­dem be­rei­ten sich die Län­der der Eu­ro­päi­schen Uni­on dar­auf vor, Spa­ni­en mit Kre­di­ten aus der sich ver­schär­fen­den Fi­nan­zund Schul­den­kri­se zu hel­fen. Of­fen­bar hat sich die La­ge am Ban­ken­markt dort ver­schärft, es rollt ei­ne Kon­so­li­die­rungs­wel­le. Die In­sti­tu­te ver­su­chen, durch Zu­sam­men­schlüs­se die Fol­gen der Im­mo­bi­li­en­kri­se in den Griff zu be­kom­men. Das ge­gen­sei­ti­ge Ver­trau­en ist stark ge­sun­ken, die Kre­dit­ge­wäh­rung im In­ter­ban­ken­han­del stockt seit Ta­gen.

Der Swiss Mar­ket In­dex SMI ge­wann im Ver­gleich zum End­stand der Vor­wo­che 0,9% auf 6484,73.

Bank­ak­ti­en im Plus

Hö­her be­wer­tet wur­den im Fi­nanz­sek­tor am Di­ens­tag nicht ein­zig UBS (+3,7%). Das hat nur am Ran­de mit den Ge­scheh­nis­sen im Schwei­zer Par­la­ment zu tun. Viel­mehr ist es so, dass Ängs­ten und Be­den­ken über ein Aus­wei­ten der Schul­den­kri­se in den ver­gan­ge­nen Ta­gen et­was die Spit­ze ge­bro­chen wur­de. Auch die gröss­ten Pes­si­mis­ten sind zur Er­kennt­nis ge­langt, dass die Welt mor­gen nicht un­ter­ge­hen wird. CS Group (+1,2%) spür­ten eben­falls leich­ten Auf­wind.

Ist die Stim­mung an der Bör­se ge­ne­rell et­was bes­ser, wirkt sich das im­mer auch auf die Be­wer­tung der Ver­mö­gens­ver­wal­ter aus. Auf­fäl­li­ge Be­we­gun­gen zei­gen seit Ta­gen die Ti­tel des Hedge-Fund-An­bie­ters Got­tex (+3,7%). Ju­li­us Bär (+3,2%) und Von­to­bel (+1,5%) wa­ren eben­falls ge­sucht, GAM (–0,5%) da­ge­gen we­ni­ger.

Im Ver­si­che­rungs­sek­tor fällt die Per­for­mance von Swiss Re (+2%) auf. Am Markt wird das mit den Nach­we­hen des In­ves­to­ren­ta­ges in der Vor­wo­che be­grün­det. Was die An­le­ger hör­ten und sa­hen, ge­fiel ih­nen – und zu­rück im Bü­ro, kau­fen sie nun zu. Nach den Ein­bus­sen an den Vor­ta­gen we­gen des kom­men­den Aus­schlus­ses aus dem SMI wa­ren Swiss Li­fe (+0,7%) wie­der ge­fragt.

Die Va­lo­ren des SMI-Nach­fol­gers Tran­so­ce­an (–0,1%) blei­ben der­weil leb­los. Die Ge­sell­schaft steht we­gen Haf­tungs­fra­gen wei­ter im Dia­log mit dem zu­stän­di­gen US-Ge­richt. Sie ak­zep­tiert nun, dass im Zu­sam­men­hang mit der Öl­pest im Golf von Me­xi­ko die ak­tu­el­len Um­welt­schutz­ge­set­ze (Oil Pol­lu­ti­on Act) zur An­wen­dung kom­men. Tran­so­ce­an hat­te zu­vor über die so­ge­nann­te Ti­ta­nic-Klau­sel ver­sucht, mög­li­che Zah­lun­gen auf 27 Mio. $ ein­zu­schrän­ken.

ABB, die ein­zi­gen klas­si­schen In­dus­trie­ak­ti­en im SMI, ka­men 3,5% vor­an. Im Seg­ment der Mid Caps wa­ren Sul­zer (+3,7%) ge­sucht. Leicht un­ge­hal­te­ne Äus­se­run­gen des Mehr­heits­ak­tio­närs Vic­tor Vek­sel­berg so­wie sei­nes Statt­hal­ters im Sul­zer-Ver­wal­tungs­rat, Vla­di­mir Kuz­net­s­ov, wo­nach es der Kon­zern in Russ­land an Ri­si­ko­freu­de man­geln las­se, schei­nen die Markt­teil­neh­mer nicht be­son­ders be­ein­druckt zu ha­ben (vgl. Sei­te 18).

Die lau­fen­de Über­nah­me der bri­ti­schen Dow­ding & Mills zeigt je­den­falls, dass der Ver­wal­tungs­rat un­ter Jür­gen Dormann und das Ma­nage­ment un­ter Ton Büch­ner die In­ves­ti­ti­ons­po­li­tik nach sach­li­chen Kri­te­ri­en ge­stal­ten und sich selbst un­ter (wie auch im­mer mo­ti­vier­tem) Druck kei­nes­falls auf Aben­teu­er ein­las­sen. Dass Russ­land ein heis­ses Pflas­ter ist – man­ches läuft dort so­zu­sa­gen wie ge­schmiert –, weiss üb­ri­gens auch ABB.

Cla­ri­ants Rei­ze

Die eben­falls den zy­kli­schen Mid-Cap-Po­si­tio­nen zu­zu­rech­nen­den Ak­ti­en Cla­ri­ant (+5,2%) pro­fi­tier­ten von ei­ner Emp­feh­lung von No­mu­ra als güns­tig be­wer­te­te, at­trak­ti­ve Re­struk­tu­rie­rungs­sto­ry.

Die Nach­richt, wo­nach der ame­ri­ka­ni­sche Süss­wa­ren­her­stel­ler Hers­hey gros­se In­ves­ti­tio­nen plant und da­bei nicht auf Out­sour­cing setzt, dürf­te Bar­ry Cal­le­baut (–0,3%) be­las­tet ha­ben. Der In­dus­trie­scho­ko­la­de­pro­du­zent setzt just dar­auf, dass die End­ver­ar­bei­ter zu­neh­mend Wa­re vor­fer­ti­gen las­sen. Hers­hey hät­te be­son­ders gros­se Vo­lu­men zu ver­ge­ben, wo­nach es jetzt je­doch nicht aus­sieht.

Ei­ne Emp­feh­lung er­reich­te die­ser Ta­ge die Kun­den der ZKB. De­ren Or­ga­ni­sa­ti­ons­ein­heit In­vest­ment So­lu­ti­ons rät ZKB-Kun­den, die Ak­ti­en des In­su­lin­pen­her­stel­lers Yp­so­med (+0,9%) in ih­rem Port­fo­lio hal­ten, zum Tausch in So­no­va (+1,9%). Yp­so­med, so die Ar­gu­men­te der In­vest­ment­stra­te­gen, lie­fe­re ei­ne we­nig über­zeu­gen­de Per­for­mance. Der Ge­winn pro Ak­tie dürf­te im lau­fen­den Ge­schäfts­jahr et­wa 14% zu­rück­ge­hen, schreibt die ZKB, und der Er­folg neu­er Pro­duk­te ste­he noch aus.

Der Hör­ge­rä­te­her­stel­ler So­no­va da­ge­gen ge­win­ne zu­se­hends an Dy­na­mik. Das Un­ter­neh­men ver­fü­ge über In­no­va­ti­ons­kraft, ei­ne ge­sun­de Bi­lanz und ein über­zeu­gen­des Ma­nage­ment, wie die ZKB fest­hält. Die Er­kennt­nis­se sind nicht ge­ra­de neu. War­um die Bank aus­ge­rech­net jetzt mit ei­ner «Switch-Emp­feh­lung» da­her­kommt, er­schliesst sich nicht.

Mag So­no­va Vu­vu­zel­as?

Da­von ab­ge­se­hen darf sich we­nigs­tens So­no­va über den Vu­vu­ze­la-Lärm an der Fuss­ball­welt­meis­ter­schaft in Süd­afri­ka freu­en. Die Fan-Trö­ten kön­nen ei­nen Schall­pe­gel von 123 De­zi­bel er­rei­chen – dau­er­haf­te Schä­den des Ge­hörs kön­nen be­reits bei ei­ner durch­schnitt­li­chen Be­las­tung von 85 De­zi­bel ent­ste­hen (vgl. Sei­te 35). Gut, dass So­no­va ge­ra­de erst das Bil­lig­hör­ge­rät OK! für Ent­wick­lungs­län­der an­ge­kün­digt hat. Die Ge­rä­te sol­len für 150 $ an­ge­bo­ten wer­den und be­nö­ti­gen kei­ne An­pas­sun­gen durch Akus­ti­ker, da die­se in vie­len Re­gio­nen so­wie­so nicht vor­han­den sind. Vi­el­leicht än­dert sich dies nach der WM, und So­no­va kann dort end­lich auch High-End-Ge­rä­te zum Preis von 5000 $ (bei­de Sei­ten) los­wer­den.

Ba­si­lea (+3,4%) wa­ren am Di­ens­tag nach dem Ab­schluss ei­nes Ver­triebs­ab­kom­mens für das Han­dek­zem­me­di­ka­ment Toc­ti­no ge­fragt. Toc­ti­no wird künf­tig in ver­schie­de­nen eu­ro­päi­schen Län­dern so­wie in Me­xi­ko vom spa­ni­schen Un­ter­neh­men Al­mi­rall ver­trie­ben. Ba­si­lea er­hält bis zu 27 Mio.€ Vor­aus-und Mei­len­stein­zah­lun­gen. Durch die Ver­ein­ba­rung ver­rin­gern sich die Auf­wen­dun­gen Ba­si­leas für den Auf­bau ei­ner ei­ge­nen Ver­triebs­mann­schaft.

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