Der Macht des Fak­ti­schen ge­beugt

MO­NAT­LI­CHE ZINS­PRO­GNO­SE Wie re­agiert die SNB auf Fran­ken­stär­ke und Im­mo­bi­li­en­markt?

Finanz und Wirtschaft - - OBLIGATIONEN - PK

Die re­gel­mäs­sig nach den Fran­ken­zin­sen be­frag­ten Ban­köko­no­men bli­cken er­war­tungs­voll auf die geld­po­li­ti­sche La­ge­be­ur­tei­lung vom Don­ners­tag. Span­nungs­mo­men­te ver­spricht we­ni­ger der Zins­ent­scheid der Schwei­ze­ri­schen Na­tio­nal­bank (SNB) an sich (es ist mit kei­ner Än­de­rung zu rech­nen), son­dern In­fla­ti­ons­pro­gno­se samt Äus­se­run­gen zum Wech­sel­kurs.

Die Ren­di­te­pro­gno­sen für die zehn­jäh­ri­ge Bun­des­an­lei­he ha­ben die fünf Ban­ken nach un­ten ge­nom­men und dem ak­tu­el­len Ni­veau (und nicht et­wa ei­ner schlech­te­ren Kon­junk­tur­ein­schät­zung), in der Schweiz wie in Deutsch­land, an­ge­passt. Die Öko­no­men ge­hen eher nicht da­von aus, dass die SNB un­or­tho­do­xe Mass­nah­men wie Ne­ga­tiv­zin­sen für aus­län­di­sche Fran­ken­de­po­si­ten ver­kün­det.

«Die Fran­ken­auf­wer­tung hat den Zeit­punkt der ers­ten Straf­fung nach hin­ten ge­scho­ben», hält Kars­ten Linowsky von Cre­dit Suis­se fest; ei­ne An­sicht, die sei­ne Kol­le­gen tei­len. Die SNB hof­fe auf ei­ne Be­ru­hi­gung in der Eu­ro­zo­ne, die Auf­wer­tungs­druck vom Fran­ken näh­me. Das knap­pe An­ge­bot an «Eid­ge­nos­sen» ban­ne die Ge­fahr ei­nes kräf­ti­gen Ren­di­te­an­stiegs.

Der Chef­öko­nom der Bank Bär er­war­tet, dass sich die SNB in Be­zug auf den

Zins­pro­gno­sen der Ban­ken für die Schweiz Wech­sel­kurs nicht in die Kar­ten bli­cken lässt. «Das Di­rek­to­ri­um wird fest­hal­ten, der Ef­fekt der Auf­wer­tung sei noch nicht ab­seh­bar und auf Kon­junk­tur­ri­si­ken im nächs­ten Jahr hin­wei­sen», sagt Jan­wil­lem Acket vor­aus. «Die No­ten­bank­bi­lanz hat sich stark ver­län­gert, weil die SNB rich­ti­ger­wei­se prag­ma­tisch vor­geht, um Schocks ab­zu­fe­dern. Al­ler­dings ist für die Schweiz die Wirt­schafts­ent­wick­lung im Aus­land wich­ti­ger als der Wech­sel­kurs.» Ein Wachs­tums­pro­zent we­ni­ger wir­ke sich im Brut­to­in­land­pro­dukt gleich ne­ga­tiv aus wie ei­ne Auf­wer­tung von 10%. Die SNB dürf­te am Don­ners­tag ei­ne Um­fra­ge zum Hy­po­thekar­markt prä­sen­tier­ten. Auf­grund der Kre­dit­sta­tis­tik ver­wirft Acket die The­se, es ha­be sich ei­ne Bla­se ge­bil­det: «Das Wachs­tum des Hy­po­the­kar­vo­lu­mens hat sich näm­lich be­reits ver­lang­samt.»

Da­vid Mar­met von der Zürcher Kan­to­nal­bank nimmt an, dass die SNB im Win­ter ein Zins­si­gnal nicht zu­letzt an die Adres­se des Hy­po­thekar­markts aus­sen­den wird. «Der Fran­ken ist heu­te als si­che­rer Ha­fen ge­sucht. Die Zins­dif­fe­renz spielt für den Wech­sel­kurs zum Eu­ro nur ei­ne Ne­ben­rol­le.» Vor­läu­fig hiel­ten Käu­fe aus­län­di­scher No­ten­ban­ken die Ren­di­ten tief, doch auf Jah­res­sicht do­mi­nier­ten Kon­junk­tur­bild und in­ter­na­tio­na­les Um­feld.

Auch Uni­credit geht nun da­von aus, dass im Sep­tem­ber kein Zins­schritt an­steht. «Soll­te der fes­te Fran­ken da­zu füh­ren, dass die SNB ih­ren In­fla­ti­ons­pfad sicht­bar nach un­ten ver­schiebt, er­war­ten wir vor März kei­nen Er­hö­hung», er­klärt Kor­ne­li­us Purps. «Wo stün­de der Wech­sel­kurs oh­ne In­ter­ven­tio­nen? Es wä­re in­ter­es­sant, der SNB da­zu ei­ne Aus­sa­ge zu ent­lo­cken.» Die Ren­di­te­pro­gno­se wird im Zu­ge der Re­vi­si­on für deut­sche Bun­des­an­lei­hen nach un­ten kor­ri­giert. «Noch sind lan­ge nicht al­le Fran­ken­kre­di­te in Ost­eu­ro­pa ge­schlos­sen», warnt Purps.

Dirk Ef­fen­ber­ger hat die Pro­gno­se der UBS eben­falls der Kraft des Fak­ti­schen an­ge­passt. «Mit Blick auf die Kon­junk­tur und mög­li­che Über­trei­bun­gen am Im­mo­bi­li­en­markt wür­de die SNB nor­ma­ler­wei­se die Zin­sen bald er­hö­hen, we­gen der Fran­ken­stär­ke könn­te sie statt­des­sen zu an­de­ren In­stru­men­ten grei­fen.»

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.