War­ten auf Don­ners­tag

Vor der SNB-La­ge­be­ur­tei­lung bleibt es ru­hig am Pri­mär­markt – BNP Pa­ri­bas be­gibt Floa­ter

Finanz und Wirtschaft - - OBLIGATIONEN - TOM­MA­SO MANZIN

Wä­re Grie­chen­land nicht schon lan­ge ge­ret­tet, hin­ge sein Schick­sal nun end­gül­tig am be­rühm­ten sei­de­nen Fa­den. Seit Di­ens­tag be­sitzt die Re­pu­blik nur noch für Fitch An­la­ge­qua­li­tät (BBB–). Nach­dem Stan­dard & Poor’s (S&P) Hel­las En­de April von BBB+ auf BB– ge­stutzt hat­te, folgt nun die Rück­stu­fung durch Moo­dy’s von A3 auf Ba1 (vgl. Sei­te 6). Die Un­ter­stüt­zung durch die Eu­ro­zo­ne und den In­ter­na­tio­na­len Wäh­rungs­fonds eli­mi­nie­re zwar die Li­qui­di­täts­eng­päs­se. An­de­rer­seits sei­en mit dem Plan er­heb­li­che Wachs­tums-und Im­ple­men­tie­rungs­ri­si­ken ver­bun­den.

Die Kri­se hat das Re­gime, wo­nach Staats­pa­pie­re nur dann bei der Eu­ro­päi­schen Zen­tral­bank (EZB) re­po­fä­hig sind, wenn sie zu­min­dest von ei­ner Agen­tur mit Triple-B oder bes­ser be­wer­tet sind, schon An­fang Mai aus den An­geln ge­ho­ben. Moo­dy’s hat zu­dem neun grie­chi­sche Ban­ken zu­rück­ge­stuft, dar­un­ter die Fran­ken­schuld­ner EFG Eu­ro­bank Er­gasi­as so­wie Al­pha Bank von Baa3 auf Ba1. Die Vo­la­ti­li­tät in die­sen Ob­li­ga­tio­nen war be­reits in den letz­ten Wo­chen hoch, nun ha­ben die Ren­di­ten kaum mehr re­agiert.

In­fla­ti­ons­ge­fahr mit­tel­fris­tig

Mit Ar­gus­au­gen wird wei­ter­hin Spa­ni­en be­trach­tet. Der Im­mo­bi­li­en­sek­tor ist schwer an­ge­schla­gen und es fragt sich, ob der Staat ihn und die Spar­kas­sen stüt­zen könn­ten oder ob da­zu die Hil­fe der EU nö­tig wä­re (vgl. Sei­te 34).

Die Eu­ro­kri­se bleibt auch hier­zu­lan­de nicht oh­ne Aus­wir­kun­gen. Die Ex­por­te re­agie­ren auf ei­nen Rück­gang des Wachs­tums in Eu­ro­land noch sen­si­bler als auf den Wech­sel­kurs. Der jähr­li­chen Stu­die von Cre­dit Suis­se (CS) «Me­ga­trends – Chan­cen und Ri­si­ken für KMU» zu­fol­ge soll­te trotz Wäh­rungs­kri­se Eu­ro­land nicht zum al­ten Ei­sen ge­legt wer­den. Zwar hät­ten die Schwei­zer KMU ge­lernt, sich die wachs­tums­star­ken Schwel­len­län­der zu er­schlies­sen, doch be­klag­ten sie dort ho­he Markt­ein­tritts­bar­rie­ren und ei­ne ge­wis­se Ver­lo­ren­heit vor Ort. Der aus den um­lie­gen­den Re­gio­nen in Deutsch­land, Frank­reich, Ita­li­en und Ös­ter­reich ge­bil­de­te Kranz bil­det ei­nen kauf­kräf­ti­gen «er­wei­ter­ten Heim­markt» von ins­ge­samt im­mer­hin 42 Mio. Per­so­nen.

Für Eco­no­mie­su­is­se ist die Tal­soh­le durch­schrit­ten. Die Ex­por­te hät­ten in den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten zum Wachs­tum zu­rück­ge­fun­den, und der Kon­sum blei­be ei­ne Stüt­ze, be­grün­det der Wirt­schafts­dach­ver­band in ei­ner Mit­tei­lung vom Mon­tag die Pro­gno­se. Im lau­fen­den Jahr wird ein Wachs­tum von 1,9 und für 2011 von 1,6% er­war­tet. Das Staats­se­kre­ta­ri­at für Wirt­schaft (Se­co) er­war­tet heu­er 1,8 und 2011 eben­falls 1,6% (vgl. FuW Nr. 44 vom 9. Ju­ni). Für 2010 geht der Ver­band von ei­ner Ar­beits­lo­sen­quo­te von 4 (Se­co: 3,9) und für 2011 von 3,6% (Se­co: 3,7) aus. Die Bin­nen­kon­junk­tur wer­de wei­ter von sin­ken­der Ar­beits­lo­sig­keit, Im­mi­gra­ti­on und der Eu­ro­schwä­che pro­fi­tie­ren. Die­se ver­bil­li­ge die Im­por­te aus dem Eu­ro­raum und er­hö­he den Kon­sum. Mit­tel­fris­tig be­ste­he in­des er­heb­li­che In­fla­ti­ons­ge­fahr.

Kon­di­tio­nen von Schwei­zer Ban­ken für erst­ran­gi­ge Hy­po­the­ken auf Wohn­bau­ten

Die Schwei­ze­ri­sche Na­tio­nal­bank (SNB) hat bis­lang en­er­gisch ver­sucht, über De­vi­sen­in­ter­ven­tio­nen den Fran­ken nicht «über­mäs­sig» auf­wer­ten zu las­sen und so ei­ne De­fla­ti­on durch tie­fe Im­port­prei­se zu ver­hin­dern. Ge­ra­de die Im­port­prei­se er­höh­ten sich in­des ge­mäss Bul­le­tin des Bun­des­amts für Sta­tis­tik (BFS) vom Mon­tag im Mai ver­gli­chen mit April 0,7%, zum Vor­jahr gar 2,8%. Der Ge­samt­in­dex der Pro­du­zen­ten-und Im­port­prei­se ist zum Vor­mo­nat 0,3% ge­stie­gen, im Jah­res­ver­gleich 1,4%. Die Kern­in­fla­ti­on lag da­ge­gen nur 0,1 hö­her als im April bzw. gar 0,8% un­ter Vor­jahr.

Die meis­ten Öko­no­men er­war­ten von der SNB-La­ge­be­ur­tei­lung am Don­ners­tag u. a. mehr Hin­wei­se über die Bi­lanz, nach­dem die De­vi­sen­re­ser­ven im Mai um 78 Mrd. Fr. auf 232 Mrd. an­ge­schwol­len wa­ren (vgl. FuW Nr. 44 vom 9. Ju­ni). Uni­so­no geht die Zunft von ei­nem un­ver­än­der­ten Li­bor­ziel aus (vgl. Ar­ti­kel un­ten). Die SNB wer­de sich wohl wei­te­re In­ter­ven­tio­nen ge­gen ei­ne «über­mäs­si­ge» Fran­ken­auf­wer­tung vor­be­hal­ten, lau­tet der Te­nor.

SNB lan­ciert län­ge­re Bills

Ei­gen­an­lei­hen sind wei­ter be­liebt – die Ban­ken nut­zen wohl auch, dass sich die Ri­si­ko­aver­si­on von den Fi­nan­ci­als weg­ver­scho­ben hat, zu­nächst auf die Cor­po­ra­tes und nun auf Staa­ten. BNP Pa­ri­bas be­gibt den Floa­ter BNP Pa­ri­bas 2010/2012 über 150 Mio. Fr.

Die SNB hat be­kannt­ge­ge­ben, neu Fran­ken-Bills mit 168 Ta­gen Lauf­zeit zu lan­cie­ren. Of­fen­bar be­ginnt die No­ten­bank, län­ger­fris­ti­ges Geld ab­zu­schöp­fen. Bis­her schon aus­ste­hend hat die No­ten­bank Fran­ken-Bills mit Lauf­zei­ten von 7, 28, 33 und 84 Ta­gen. Die­se Ti­tel wer­den im Ge­gen­satz zu den Dol­lar-Bills, den Geld­markt­buch­for­de­run­gen des Bun­des so­wie den «Eid­ge­nos­sen» nicht im hol­län­di­schen Ver­fah­ren auk­tio­niert, son­dern im ame­ri­ka­ni­schen, d. h. je­des Ge­bot wird zum Bie­ter­preis be­rück­sich­tigt (kein Ein­heits­preis). Die drei­mo­na­ti­gen Geld­markt­buch­for­de­run­gen ka­men auch die­sen Di­ens­tag wie­der­um mit ei­nem Dis­kont von 0% (was ei­ner Ren­di­te von 0% ent­spricht) an den Markt.

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