Kon­so­li­die­rungs­pha­se hat be­gon­nen

DE­VI­SEN Ein ge­stör­ter In­ter­ban­ken­markt und das War­ten auf die Re­sul­ta­te der Stress­tests

Finanz und Wirtschaft - - OBLIGATIONEN/DEVISEN - DA­NI­EL BLANCHET,

Es wird eif­rig spe­ku­liert: Dar­an las­sen die in den ver­gan­ge­nen Ta­gen er­reich­ten Kurs­ni­veaus an den Ak­ti­en-und De­vi­sen­märk­ten so­wie die Ent­wick­lung der lang­fris­ti­gen Zin­sen kei­ne Zwei­fel. Aber die Som­mer­pau­se naht und die Fuss­ball­meis­ter­schaft ist im Gan­ge. Es scheint, als ob ei­ne Pe­ri­ode des Short Co­ver­ing ein­ge­setzt hät­te.

Seit ei­ner Wo­che hat der Dol­lar zu Fran­ken und Eu­ro über 3 Cents ein­ge­büsst. Der Kurs liegt nun auf 1,1450 Fr./$ bzw. 1,2177 $/€. Im glei­chen Zei­t­raum leg­te die Ge­mein­schafts­wäh­rung zur hel­ve­ti­schen Va­lu­ta 2 Cent zu. Die Bör­sen­in­di­zes zei­gen er­neut nach oben und die lang­fris­ti­gen Ren­di­ten sind im Ver­gleich zu ih­ren his­to­ri­schen Tiefst­wer­ten um ei­ni­ge Ba­sis­punk­te ge­stie­gen. War in den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten noch ei­ne Hi­obs­bot­schaft der an­de­ren ge­folgt und muss­te zeit­wei­se gar die Zah­lungs­un­fä­hig­keit ei­ni­ger Län­der be­fürch­tet wer­den, so stellt sich der­zeit die Fra­ge, ob noch un­vor­teil­haf­te­re Mel­dun­gen zu er­war­ten sind.

In Kri­sen nimmt die Vo­la­ti­li­tät im So­ge von spe­ku­la­ti­ven Trans­ak­tio­nen zu. Es wer­den Kurs­ni­veaus er­reicht, die nicht mehr viel mit der Rea­li­tät zu tun ha­ben. In nor­ma­len Zei­ten ver­moch­ten die Gross­ban­ken ih­re pri­va­ten und in­sti­tu­tio­nel­len Kun­den mit lang­fris­ti­gem An­la­ge­ho­ri­zont von den mäch­ti­gen «Nicht­ban­ken-Markt­ma­ni­pu­la­to­ren» ab­zu­schir­men. Sie be­trie­ben Ar­bi­tra­ge­ge­schäf­te zwi­schen den ver­schie­de­nen Märk­ten, was die­se kor­re­lier­te. Heu­te ver­fü­gen die Ban­ken nicht mehr über die Mit­tel, um sol­chen Han­del zu be­trei­ben. Es ist ih­nen nicht mehr mög­lich, die An­grif­fe ab­zu­weh­ren. Die meis­ten Ban­ken sind nicht mehr be­reit, fäl­li­ge Dar­le­hen zu er­neu­ern – be­son­ders wenn es dar­um geht, die Ri­si­ken zu über­neh­men, die die tra­di­tio­nel­len An­le­ger nicht tra­gen kön­nen. Die heu­ti­ge Ent­wick­lung ver­an­lasst sie, die Ge­sund­heit der be­trof­fe­nen Ak­ti­ven zu hin­ter­fra­gen, was – manch­mal un­be­rech­tig­ter­wei­se – ei­ne Ver­trau­ens­kri­se aus­löst.

Je­an-Clau­de Tri­chet, Prä­si­dent der EZB, räum­te jüngst ein, dass der In­ter­ban­ken­markt, an dem sich die Ban­ken ge­gen­sei­tig Geld lei­hen, nicht nor­mal funk­tio­niert. Die in­ter­na­tio­na­len Märk­te wer­den nicht aus­rei­chend mit Dol­lar ver­sorgt. Die US-No­ten­bank Fed hat­te des­we­gen Mit­te Mai be­schlos­sen, mit den üb­ri­gen wich­ti­gen Zen­tral­ban­ken De­vi­sen-Swap-Li­ni­en zu er­öff­nen. Nimmt der Wert der Ak­ti­ven stark ab, so wer­den die Ge­schäfts­ban­ken, wel­che die­se hal­ten, eben­falls an den Rand des Ruins ge­drängt. Des­halb möch­ten sie sich auf dem In­ter­ban­ken­markt nicht mehr ge­gen­sei­tig Geld lei­hen.

Glück­li­cher­wei­se sind die Zen­tral­ban­ken vor­sich­tig und tre­ten in ex­tre­mis als Dar­le­hens­ge­ber ge­gen­über den Ge­schäfts­ban­ken auf. Da die ge­gen­wär­ti­ge Kri­se aber in ers­ter Li­nie das Ban­ken­sys­tem als sol­ches be­trifft, wer­den die Eng­päs­se am In­ter­ban­ken­markt noch wäh­rend Mo­na­ten ei­ne Ge­fahr für das Kre­dit­we­sen dar­stel­len. Die Er­geb­nis­se der letz­ten Stress­tests, de­nen die Ban­ken un­ter­zo­gen wur­den, wer­den des­halb ge­spannt er­war­tet. Sie sol­len dar­über Auf­schluss ge­ben, in­wie­weit die Ban­ken ex­tre­men Wirt­schafts-und Fi­nanz­be­din­gun­gen Stand zu hal­ten ver­mö­gen.

Die Tes­t­er­geb­nis­se wer­den den Fi­nanz­mi­nis­tern der EU bis im Herbst mit­ge­teilt wer­den. Die Uni­on scheint sich mit der Idee ab­zu­fin­den, dass die Un­ter­su­chungs­er­geb­nis­se ver­öf­fent­licht wer­den sol­len. Ei­ne Pu­bli­ka­ti­on der Na­men könn­te de­ren Schick­sal be­sie­geln, wer­den nicht gleich­zei­tig Hilfs­pro­gram­me an­ge­kün­digt. Es liegt auf der Hand, wes­halb be­reits An­nä­he­rungs­ver­su­che zwi­schen man­chen Bank­in­sti­tu­ten zu be­ob­ach­ten sind und wes­halb die frag­li­chen Er­geb­nis­se auf sich war­ten las­sen. Es dürf­te so­mit noch ei­ne Wei­le Un­ge­wiss­heit vor­herr­schen; die ge­gen­wär­ti­ge Markt­kon­so­li­die­rung könn­te sich durch­aus fort­set­zen.

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