«Nai­ve bi­nä­re Roh­öl­glei­chung»

Finanz und Wirtschaft - - OBLIGATIONEN/DEVISEN - JR

Seit zwan­zig Jah­ren wei­sen Schwel­len­län­der (Emer­ging Mar­kets, Em­Ma) pro Jahr rund 4 Pro­zent­punk­te mehr Wachs­tum auf als In­dus­trie­län­der. Auf die­se mar­kan­te Dif­fe­renz wies Roy Schee­pe, Di­rek­tor von ING, an ei­ner Prä­sen­ta­ti­on in Zü­rich hin. Ne­ben der hö­he­ren Wirt­schafts­leis­tung sprä­chen noch an­de­re Fak­to­ren für ein En­ga­ge­ment in Em­Ma: die ge­rin­ge­re Übe­r­al­te­rung, ten­den­zi­ell hö­he­re Roh­stoff­prei­se so­wie das Wachs­tum der Bin­nen­nach­fra­ge.

Sein Kol­le­ge Fa­di Al Said, Se­ni­or Fund Ma­na­ger von ING in Du­bai, emp­fiehlt im Zu­sam­men­hang die Re­gi­on Me­na (Midd­le East North Af­ri­ca). Sie um­fasst den Ma­ghreb, Ägyp­ten, Su­dan, Jor­da­ni­en, Li­ba­non, Sy­ri­en, Irak, Iran, Kuwait so­wie die sechs Mit­glied­staa­ten des Golf­ko­ope­ra­ti­ons­rats. Die Re­gi­on pro­fi­tie­re von Zah­lungs­bi­lanz­über­schüs­sen, an­hal­ten­den Staats­in­ves­ti­tio­nen, sta­bi­len Wäh­run­gen und vor­teil­haf­ten de­mo­gra­fi­schen Trends. Als na­iv be­zeich­net Al Said die «bi­nä­re Roh­öl­glei­chung», wo­nach stei­gen­de Roh­öl­prei­se sich güns­tig auf Me­na aus­wir­ken und fal­len­de ne­ga­tiv.

Doch ganz so sim­pel sei der Zu­sam­men­hang nicht. Denn die Fis­kal­po­li­tik der ein­zel­nen Staa­ten sei na­he­zu un­ab­hän­gig vom Spot­preis des schwar­zen Gol­des. Die Re­gie­run­gen wür­den in ih­ren Bud­gets mit deut­lich tie­fe­ren No­tie­run­gen kal­ku­lie­ren. Zu­sätz­li­chen Schutz ge­gen Preis­schwan­kun­gen bö­ten die ak­ku­mu­lier­ten Wäh­rungs­re­ser­ven. Des Wei­te­ren hät­ten die Re­gie­run­gen in den ver­gan­ge­nen Jah­ren be­wie­sen, dass In­fra­struk­tur­pro­jek­te in Fol­ge sin­ken­der Roh­öl­prei­se nicht ge­stri­chen wür­den. Es ha­be ein Pa­ra­dig­men­Wech­sel statt­ge­fun­den, ist der Men­aEx­per­te über­zeugt. Wäh­rend frü­her der (Lu­xus-)Kon­sum im Vor­der­grund ge­stan­den sei, streb­ten die Re­gie­run­gen nun ver­mehrt ei­ne Di­ver­si­fi­ka­ti­on der Volks­wirt­schaf­ten an.

Doch auch die Me­na-Re­gi­on blieb nicht von der Fi­nanz­kri­se ver­schont: Ver­gan­ge­nen De­zem­ber war die Staats­hol­ding Du­bai World in Li­qui­di­täts­pro­ble­me ge­ra­ten. Das Emi­rat Du­bai – Teil der Ver­ei­nig­ten Ara­bi­schen Emi­ra­te – er­hielt zur Til­gung der Schul­den von Nach­bar Abu Dha­bi ei­nen Not­kre­dit von 10 Mrd.$. Al Said re­la­ti­viert, der Fall Du­bai World sei von den Me­di­en auf­ge­bauscht wor­den. Am En­de sei es zu kei­nem Zah­lungs­aus­fall ge­kom­men. Zu­dem sei das wirt­schaft­li­che Ge­wicht des Stadt­staa­tes ge­ring. Na­he­zu als Mus­ter­schü­ler prä­sen­tie­re sich das Emi­rat in Be­zug auf den Ver­schul­dungs­grad: Er be­trägt le­dig­lich 70%.

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