Eu­ro­land be­wegt Wal­ls­treet

EU-Schul­den­pro­blem wirft Schat­ten – Gar­min ver­legt Haupt­sitz in die Schweiz – Nest­lé klagt ge­gen Sa­ra Lee

Finanz und Wirtschaft - - BÖRSEN NEW YORK - FRANK HEI­NI­GER UND MAR­TIN GOLLMER

Wie­der ein­mal wa­ren es Nach­rich­ten aus Eu­ro­pa, die an den USAk­ti­en­märk­ten für Be­we­gung ver­ant­wort­lich wa­ren. Die Mel­dung vom Mon­tag, dass die In­dus­trie­pro­duk­ti­on in den Eu­rolän­dern hö­her als er­war­tet aus­ge­fal­len ist, sorg­ten für Schwung. Die Rück­stu­fung von Grie­chen­lands Staats­an­lei­hen auf Junk-Sta­tus durch die Ra­ting­agen­tur Moo­dy’s brach­te dann al­ler­dings Er­nüch­te­rung. Die Ge­win­ne wur­den preis­ge­ge­ben, und das Blue-Chip-Barometer Dow Jo­nes In­dus­tri­al schloss 0,2% tie­fer auf 10190,89. Der tech­no­lo­gie­las­ti­ge Nas­daq Com­po­si­te In­dex ret­te­te da­ge­gen ein mi­ni­ma­les Plus von 0,02% auf 2243,96.

Am Di­ens­tag leg­ten die US-Bör­sen dank nach­las­sen­der Sor­ge um die Fi­nanz­pro­ble­me in der Eu­ro­zo­ne wie­der den Vor­wärts­gang ein. Auk­tio­nen von Staats­an­lei­hen meh­re­rer EU-Län­der wa­ren er­folg­reich ver­lau­fen. US-Kon­junk­tur­da­ten lie­fer­ten da­ge­gen un­ter­schied­li­che Si­gna­le: Ei­ner­seits fie­len die Im­port­prei­se im Mai auf Mo­nats­sicht um 0,6% – ein Zei­chen, dass sich die In­fla­ti­on un­ter Kon­trol­le be­fin­det. An­der­seits trüb­te sich die Stim­mung un­ter den US-Häu­ser­bau­ern im Ju­ni über­ra­schend ein. Nach gut zwei Han­dels­stun­den stand der Dow 1,2% im Plus, der Nas­daq no­tier­te 1,6% hö­her.

RIM und Mo­to­ro­la ei­nig

Re­se­arch in Mo­ti­on (RIM; 59.32 $ am Mon­tag, +0,4% seit Don­ners­tag) und Mo­to­ro­la (6.96 $, +1,8%) ha­ben ei­nen mo­na­te­lan­gen Pa­tent­streit bei­ge­legt. RIM, der ka­na­di­sche Her­stel­ler der be­kann­ten Black­ber­ry-Smart­pho­nes, muss dem US-Ri­va­len ei­nen Ein­mal­be­trag so­wie wie­der­keh­ren­de Li­zenz­ge­büh­ren ent­rich­ten. Im Ge­gen­zug lässt Mo­to­ro­la die Kla­ge fal­len, die der US-Kon­zern im Ja­nu­ar bei der in­ter­na­tio­na­len Han­dels­kom­mis­si­on ITC ein­ge­reicht hat­te. Über die Hö­he der Ab­gel­tung be­wah­ren bei­de Un­ter­neh­men Still­schwei­gen.

Gar­min (32.56 $, –1,8%), der ame­ri­ka­ni­sche Her­stel­ler von Na­vi­ga­ti­ons­ge­rä­ten, wird En­de Ju­ni sei­nen Haupt­sitz de­fi­ni­tiv von den Cay­man Is­lands in die Schweiz ver­le­gen. Be­reits im Mai hat­te das Ak­tio­na­ri­at dem Schritt zu­ge­stimmt. Das ope­ra­ti­ve Haupt­quar­tier von Gar­min bleibt al­ler­dings nach wie vor in Ola­the im USBun­des­staat Kan­sas. Der Um­zug ge­schieht vor­nehm­lich aus steu­er­li­chen Grün­den. Zu­sätz­lich soll der Aus­bau des eu­ro­päi­schen Ge­schäfts for­ciert wer­den. Ei­ne Ko­tie­rung an der Schwei­zer Bör­se SWX ist zwar noch nicht ge­plant, sei aber lang­fris­tig durch­aus mög­lich, liess das Ma­nage­ment ver­lau­ten.

News Corp (13.12 $, –1,5%) hat am Mon­tag er­klärt, sie wol­le die bri­ti­sche BSkyB kau­fen (vgl. Sei­te 36). Ei­ne Be­tei­li­gung von 39% am Pay-TV-An­bie­ter be­sitzt der USMe­di­en­kon­zern be­reits. Für die ver­b­lei-

In­di­zes New York ben­den 61% bie­tet das Un­ter­neh­men, das von Ru­pert Mur­doch ge­führt wird, 7,8 Mrd.£ bzw. 700p pro Ak­tie. Die Bri­ten schla­gen das An­ge­bot als zu tief aus. Sie for­dern min­des­tens 800 p pro Ti­tel.

Laut ei­nem Be­richt des «Wall Street Jour­nal» strebt der US-Dün­ge­mit­tel­kon­zern Mo­saic (43.97 $, –3%) für rund 1 Mrd. $ den Kauf des me­xi­ka­ni­schen Bran­chen­ver­tre­ters Gru­po Fer­ti­nal an. Die bei­den Un­ter­neh­men sei­en seit sechs Mo­na­ten in Ver­hand­lun­gen; ob ei­ne Ei­ni­gung zu­stan­de kom­me, sei un­klar.

Ca­b­le­vi­si­on (24.57 $, +5,1%) kauft zu. Der fünft­gröss­te TV-Ka­bel­netz­be­trei­ber der USA mach­te am Mon­tag pu­blik, für rund 1,4 Mrd.$ Bres­nan Com­mu­ni­ca­ti­ons zu über­neh­men. Die pri­vat ge­hal­te­ne Bres­nan bie­tet in vier ame­ri­ka­ni­schen Bun­des­staa­ten Fern­seh-und In­ter­net­ver­sor­gung an. Die Trans­ak­ti­on soll spä­tes­tens zu Be­ginn des kom­men­den Jah­res ab­ge­schlos­sen wer­den. Gleich­zei­tig hat der Auf­sichts­rat von Ca­b­le­vi­si­on be­schlos­sen, bis zu 500 Mio. $ an ei­ge­nen Ak­ti­en zu­rück­zu­kau­fen.

Mi­cro­soft sorgt für Auf­se­hen

Der­weil hat in Los An­ge­les die Elec­tro­nic En­ter­tain­ment be­gon­nen, die welt­weit zu den wich­tigs­ten Mes­sen der Vi­deo­spiel­in­dus­trie zählt. Für ei­ni­ge Pu­bli­zi­tät sorg­te da­bei Mi­cro­soft (25.49 $, +2%): Der Soft­ware­gi­gant hat un­ter dem neu­en Na­men Kinect (das frü­he­re Pro­ject Na­tal) ein Sys­tem vor­ge­stellt, mit dem über Kör­per­be­we­gun­gen und ge­spro­che­ne Kom­man­dos der Spiel­ver­lauf ge­steu­ert wer­den kann.

Der deut­sche Phar­ma­kon­zern Bayer gab am Mon­tag be­kannt, das Krebs­me­di­ka­ment Nexa­var (auch un­ter dem Na­men Sora­fe­nib be­kannt) ha­be in kli­ni­schen Tests das Ziel ver­fehlt, das Le­ben von Lun­gen­krebs-Pa­ti­en­ten zu ver­län­gern. Das Me­di­ka­ment wur­de ge­mein­sam mit dem US-Bio­tech­un­ter­neh­men Onyx Phar­maceu­ti­cals (23.09 $, +2,3%) ent­wi­ckelt. Nexa­var ist be­reits zur Be­hand­lung von Nie­ren-und Le­ber­krebs zu­ge­las­sen. Dem Me­di­ka­ment wird ein jähr­li­cher Um­satz von bis zu 2,5 Mrd.$ zu­ge­traut.

Wer­be­of­fen­si­ve von P&G

Der Kon­sum­gü­ter­kon­zern Proc­ter & Gam­ble (P&G; 61.25 $, –1,1%) ver­stärkt die Wer­bung für sei­ne wei­ter­ent­wi­ckel­ten Pam­pers-Win­deln. In Um­set­zung des Plans «früh und oft» zu wer­ben, er­höh­te das Un­ter­neh­men die Aus­ga­ben für An­zei­gen im In­ter­net und gab mehr Gut­schei­ne für die Win­deln aus. Mit der Wer­be­of­fen­si­ve will P&G Kri­tik an sei­nem neu­en Pro­dukt be­geg­nen. Müt­ter hat­ten sich be­klagt, die re­de­sign­ten Pam­pers wür­den Haut­aus­schlä­ge ver­ur­sa­chen. Sie lan­cier­ten so­gar ei­ne On­line-Kam­pa­gne, in der sie den Kon­zern auf­for­der­ten, wie­der zu den al­ten Win­deln zu­rück­zu­keh­ren. Die Be­schwer­den der Müt­ter führ­ten zu Un­ter­su­chun­gen durch ame­ri­ka­ni­sche Pro­dukt­si­cher­heits­be­hör­den und in Ka­na­da gar zu Kla­gen vor Ge­richt.

Der Schwei­zer Nah­rungs­mit­tel­mul­ti Nest­lé klagt in Frank­reich ge­gen sei­nen ame­ri­ka­ni­schen Kon­kur­ren­ten Sa­ra Lee (14.78 $, unv.). Nest­lé wirft Sa­ra Lee vor, Pa­ten­te des Nes­pres­so-Kaf­fee-Sys­tems ver­letzt zu ha­ben. Die Ame­ri­ka­ner be­haup­ten, ihr Pro­dukt ge­nü­ge al­len recht­li­chen Er­for­der­nis­sen. Bis zum Früh­jahr konn­ten die 8 Mio. Nes­pres­so-Nut­zer nur die Kaf­fee­kap­seln die­ser Mar­ke in ih­ren Kaf­fee­ma­schi­nen ein­set­zen – ein Sys­tem, das mit nicht we­ni­ger als 1700 Pa­ten­ten ge­schützt ist. Doch nun ge­ben zwei Ri­va­len von Nest­lé – ne­ben Sa­ra Lee auch das Schwei­zer Start-up-Un­ter­neh­men Ethi­cal Cof­fee – an, ein Loch in die­ser Pa­tent­mau­er ge­fun­den zu ha­ben. Sa­ra Lee hat seit der Lan­cie­rung ih­res Pro­dukts im April in Frank­reich be­reits rund 12 Mio. Kaf­fee­kap­seln ver­kauft.

End­lich gu­te Nach­rich­ten für die An­le­ger in Tran­so­ce­an (44.78 $, +1,2%): Mor­gan St­an­ley pro­gnos­ti­ziert, dass der Ak­ti­en­kurs des in der Schweiz do­mi­zi­lier­ten USÖl­bohr­kon­zerns in­ner­halb von 12 Mo­na­ten auf 105 $ steigt und sich da­mit mehr als ver­dop­pelt (vgl. Sei­te 33). Der US-Bro­ker rech­net ei­ner­seits da­mit, dass die Aus­wir­kun­gen des Tief­see­bohr­ver­bots im Golf von Me­xi­ko für Tran­so­ce­an ge­rin­ger sind als für ei­ni­ge Kon­kur­ren­ten. An­de­rer­seits sol­len stren­ge­re Si­cher­heits­vor­schrif­ten zu län­ge­ren Bohr­zei­ten und da­mit zu hö­he­ren Miet­erträ­gen für Bohr­in­seln füh­ren. Schlecht ist da­ge­gen die Mel­dung, dass sich Tran­so­ce­an im Zu­sam­men­hang mit der Öl­ka­ta­stro­phe im Golf von Me­xi­ko nicht auf die so ge­nann­te «Ti­ta­nic-Klau­sel» be­ru­fen kann. Der Kon­zern hat­te zu­letzt ver­sucht, so mög­li­che Haf­tungs­zah­lun­gen auf 27 Mio. $ zu be­schrän­ken.

Wal­green und CVS strei­ten

Die bei­den füh­ren­den US-Apo­the­ken­ket­ten lie­gen im Streit. Ver­gan­ge­ne Wo­che droh­te – wie an die­ser Stel­le be­rich­tet – Wal­green (29.54$, –1,4%), neue Re­zep­tKun­den von CVS Ca­re­mark (31.87$, –0,1%) nicht mehr mit ver­schrei­bungs­pflich­ti­gen Me­di­ka­men­ten zu ver­sor­gen. Der Grund: Wal­green stösst sich an der Dop­pel­rol­le des Kon­kur­ren­ten, der über den zum Kon­zern ge­hö­ri­gen Re­zept­ma­na­ger Ca­re­mark nicht nur als Apo­the­ke, son­dern auch als Zah­lungs­ab­wick­ler (Phar­ma Be­ne­fit Ma­na­ger) im Auf­trag von Kran­ken­ver­si­che­rungs­kas­sen ak­tiv ist. Im Ge­gen­zug ent­schloss sich CVS, Wal­green nicht mehr mit Arz­nei­en zu be­lie­fern. An­fang Wo­che hat das Ma­nage­ment von Wal­green ge­gen­über Kun­den be­tont, die Kampf­mass­nah­me rich­te sich ge­zielt nur ge­gen Zu­mu­tun­gen in der Phar­ma­kos­ten­ver­gü­tung durch CVS Ca­re­mark.

We­gen des un­ter­stell­ten In­ter­es­sen­kon­flikts als An­bie­ter und als Zahl­stel­le für Me­di­ka­men­te steht die Grup­pe in der Bran­che schon seit län­ge­rem schlecht da. Um sich we­nigs­tens bei den In­ves­to­ren be­lieb­ter zu ma­chen, star­tet CVS Ca­re­mark per so­fort ein Ak­ti­en­rück­kauf­pro­gramm über 2 Mrd.$. Seit die US-Wett­be­werbs­be­hör­de am 5. No­vem­ber an­ge­kün­digt hat­te, die Ver­triebs­prak­ti­ken des Kon­zerns in rund zwan­zig Glied­staa­ten zu un­ter­su­chen, ver­lo­ren die Ak­ti­en 12% an Wert.

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