Pfi­zer wer­den zu Un­recht ge­mie­den

AKTIENEXPOSÉ Li­pi­tor-Um­satz wird ab 2011 ein­bre­chen – Sy­ner­gi­en aus der Wy­eth-Über­nah­me – Tie­fes Kurs-Ge­winn-Ver­hält­nis

Finanz und Wirtschaft - - KAPITALANLAGEN - MI­SCHA STÜNZI

Wie ein Da­mokles­schwert hängt er seit lan­gem über dem USPhar­ma­rie­sen Pfi­zer: der Ver­fall des Pa­tents von Li­pi­tor. Der Cho­le­ste­rin­sen­ker steu­er­te im letz­ten Jahr 11,4 Mrd.$ oder 23% zum Um­satz bei. Da­mit ist er das best­ver­kauf­te Me­di­ka­ment der Welt. En­de 2010 oder An­fang 2011 wird sein Pa­tent­schutz aus­lau­fen. Die Ge­ne­ri­ka­her­stel­ler ste­hen be­reits in den Start­blö­cken. Ana­lys­ten rech­nen des­halb mit ei­ner Hal­bie­rung des Li­pi­tor-Um­sat­zes bis 2012 und mit ei­ner Sta­bi­li­sie­rung auf 3 Mrd.$ ab 2015. Bar­clays Ca­pi­tal sieht wei­te­res Un­ge­mach: In den nächs­ten vier Jah­ren wer­den zu­sätz­li­che Block­bus­ter-Me­di­ka­men­te den Pa­tent­schutz ver­lie­ren. Pfi­zer könn­te wei­te­re 7,2 Mrd.$ Um­satz ein­büs­sen (vgl. Gra­fik). Den­noch at­tes­tie­ren Ana­lys­ten dem Un­ter­neh­men gu­te Aus­sich­ten. Ei­ne viel­ver­spre­chen­de Pro­dukt­pipe­line und das Po­ten­zi­al für Kos­ten­sen­kun­gen stüt­zen die po­si­ti­ve Pro­gno­se.

Der Phar­ma­kon­zern, der 1849 durch die aus Deutsch­land stam­men­den Cou­sins Charles Pfi­zer und Charles Erhart ge­grün­det wur­de, mach­te in den ver­gan­ge­nen Jah­ren mit ei­ner ag­gres­si­ven Ak­qui­si­ti­ons­po­li­tik von sich re­den. Im Jahr 2000 kauf­te er den Mit­be­wer­ber Warner-Lam­bert aus Phil­adel­phia – mit 88 Mrd.$ die bis­lang gröss­te Über­nah­me der Bran­che. Drei Jah­re spä­ter er­warb er den US-Kon­kur­ren­ten Phar­macia.

Stel­len­ab­bau senkt Kos­ten

Pfi­zers jüngs­ter Streich ist die Ak­qui­si­ti­on des Bio­tech­no­lo­gie­un­ter­neh­mens Wy­eth für 68 Mrd.$ An­fang 2009. Da­mit fes­tig­te der Kon­zern sei­ne Po­si­ti­on als mit Ab­stand um­satz­stärks­tes Phar­ma­un­ter­neh­men der USA. Er ver­spricht sich aus dem Zu­sam­men­schluss auf der ei­nen Sei­te Kos­ten­ein­spa­run­gen von 4 Mrd.$ pro Jahr. Vor al­lem beim Per­so­nal­auf­wand wird an­ge­setzt. Letz­ten Mo­nat hat Pfi­zer be­stä­tigt, dass mit der Schlies­sung von neun Pro­duk­ti­ons­stät­ten 6000 Ar­beits­plät­ze ge­stri­chen wer­den. Ins­ge­samt will der Kon­zern in den kom­men­den fünf Jah­ren 19 000 Stel­len ab­bau­en. Auch im Mar­ke­ting, in der Administration und in der For­schung spart Pfi­zer dank Sy­ner­gi­en.

Auf der an­de­ren Sei­te hat sich der Phar­ma­rie­se mit der Ak­qui­si­ti­on sei­ne Ent­wick­lungs­pipe­line ge­füllt. Ob­wohl seit An­fang Jahr ei­ni­ge Stof­fe in kli­ni­schen Tests nicht das ge­hal­ten ha­ben, was sich das Un­ter­neh­men von ih­nen ver­spro­chen hat­te, sol­len bis 2011 ei­ni­ge aus­sichts­rei­che Me­di­ka­men­te die Zu­las­sung er­hal­ten. Apixaban, ein Mit­tel zur Hem­mung der Blut­ge­rin­nung («Blut­ver­dün­ner»), und Ta­ne­zu­m­ab, das ers­te bio­tech­no­lo­gisch her­ge­stell­te Schmerz­mit­tel, ha­ben das Po­ten­zi­al zum Block­bus­ter und ver­spre­chen Um­satz in Mil­li­ar­den­hö­he.

Ob­schon Pfi­zer seit der Über­nah­me von Wy­eth über ein di­ver­si­fi­zier­te­res Pro­dukt­port­fo­lio ver­fügt, liegt der Fo­kus auch für die Zu­kunft ein­deu­tig auf der Phar­ma­spar­te. Das di­ver­si­fi­zier­te Seg­ment mit Tier­ge­sund­heit, Le­bens­mit­teln und Ge­sund­heits­pro­duk­ten so­wie dem Kap­sel­her­stel­ler Cap­su­gel er­zielt le­dig­lich ei­nen Um­satz von 4,2 Mrd.$ und da­mit 8,4% der Ge­samt­ver­käu­fe.

Ho­he Di­vi­den­den­ren­di­te

Ne­ben der gut ge­füll­ten Pro­dukt­pipe­line und wei­te­ren Plä­nen für Kos­ten­sen­kun­gen spricht die ho­he Di­vi­den­den­ren­di­te von 4,7% für die In­ves­ti­ti­on in Pfi­zer. Bei zahl­rei­chen An­le­gern stos­sen die­se Ar­gu­men­te noch nicht auf of­fe­ne Oh­ren. Das Phar­ma­un­ter­neh­men ist des­halb an der Bör­se mit ei­nem Kurs-Ge­winn-Ver­hält­nis (KGV) von 7 ein Schnäpp­chen. Der gröss­te US-Kon­kur­rent Merck han­delt mit ei­nem KGV von 11, und die Num­mer zwei im Phar­ma­markt, die fran­zö­si­sche Sa­no­fiA­ven­tis, weist gar ein KGV von 12 auf.

In­ves­to­ren soll­ten sich we­gen des ab­seh­ba­ren Um­satz­rück­gangs nicht zu gros­se Sor­gen ma­chen. Er wird er­war­tet und ist ent­spre­chend im Kurs be­reits be­rück­sich­tigt. Kon­sens­schät­zun­gen ge­hen zu­dem da­von aus, dass Pfi­zer den Ge­winn wird hal­ten kön­nen.

CEO und VR-Prä­si­dent Jef­frey Kind­ler.

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