Gen­fer KB geht auf Fir­men­kun­den zu

Markt­an­teil im Kre­dit­ge­schäft wächst deut­lich – Mehr Trans­pa­renz in Be­zug auf Ver­ga­be­kri­te­ri­en

Finanz und Wirtschaft - - SCHWEIZ - RE­TO GY­SI VON WART­BURG

Die Ban­que Can­to­na­le de Genè­ve (BCGE) spielt im Kan­ton ih­res Do­mi­zils ei­ne wich­ti­ge volks­wirt­schaft­li­che Rol­le. Schon heu­te ist mehr als die Hälf­te der Gen­fer Un­ter­neh­men Kun­de der Kan­to­nal­bank, mehr als ein Drit­tel der Ge­sell­schaf­ten be­zeich­nen die BCGE als ih­re Haupt­bank. In den letz­ten Jah­ren hat sie vor al­lem Kun­den der Gross­ban­ken ge­won­nen, nun ver­folgt sie das Ziel, noch mehr Fir­men­kun­den zu ak­qui­rie­ren. An­ge­sichts des ho­hen Markt­an­teils und der eher zu­neh­men­den Kon­kur­renz dürf­te sich das aber als schwie­rig her­aus­stel­len.

Um die Un­ter­neh­men ge­zielt an­zu­spre­chen, er­höht die BCGE nun die Trans­pa­renz über die Kri­te­ri­en in der Kre­dit­ver­ga­be. Mit die­sem Schritt soll ei­ne kon­struk­ti­ve Ko­ope­ra­ti­on mit den Un­ter­neh­men ver­an­kert wer­den, die auf ge­gen­sei­ti­gem Ver­ständ­nis be­ruht, wie den Un­ter­la­gen zu ei­ner Me­di­en­kon­fe­renz der Bank zu ent­neh­men ist.

Quan­ti­ta­tiv und qua­li­ta­tiv

Die BCGE setzt in der Beur­tei­lung ei­nes Kre­dit­ge­suchs auf quan­ti­ta­ti­ve und qua­li­ta­ti­ve Kri­te­ri­en. Die quan­ti­ta­ti­ven Ra­ti­os sind alt­be­währt, so darf zum Bei­spiel der An­teil des Ei­gen­ka­pi­tals nicht we­ni­ger als ein Fünf­tel der Bi­lanz­sum­me be­tra­gen. Weil die Kan­to­nal­bank die Kre­dit­ver­ga­be aber nicht als ex­ak­te Wis­sen­schaft ver­steht, hat sie nun in ei­ner Bro­schü­re zu- sam­men­ge­fasst, un­ter wel­chen wei­ter­ge­hen­den Be­din­gun­gen sie Kre­dit ge­währt.

Kern­ele­ment des Do­ku­ments ist ei­ne acht Prin­zi­pi­en um­fas­sen­de Lis­te. So heisst es zum Bei­spiel, dass die BCGE nur Kre­dit ge­wäh­re, wenn ge­gen­sei­ti­ges Ver­trau­en be­ste­he, das Un­ter­neh­men als so­lid ein­ge­stuft wer­de und die Re­la­tio­nen in der Bi­lanz stimm­ten; oder dass sie sich eher auf Zah­len­rei­hen und Sze­na­ri­o­be­trach­tun­gen als auf sta­ti­sche Wer­te stüt­ze. Auch wenn die­se Aus­sa­gen zur Kre­dit­po­li­tik nicht re­vo­lu­tio­när sind, ist es be­grüs­sens­wert, dass sich in­ter­es­sier­te Un­ter­neh­men ein­fach über die Ver­ga­be­kri­te­ri­en in­for­mie­ren kön­nen.

Die BCGE ar­gu­men­tiert, dass ein of­fe­ner Dia­log mit den Un­ter­neh­men die Aus­fall­ri­si­ken min­de­re. Zu­dem tritt sie mit der Bro­schü­re dem in der Bank­bran­che im- mer wie­der ge­hör­ten Vor­wurf ent­ge­gen, die in­lan­d­ori­en­tier­ten In­sti­tu­te wür­den mit ei­ner zu de­fen­si­ven Po­li­tik ei­ne Kre­dit­klem­me her­bei­füh­ren. Die Zah­len der Bank il­lus­trie­ren, dass sie zu­min­dest im ver­gan­ge­nen Jahr si­cher nicht zu zu­rück­hal­tend in der Kre­dit­ver­ga­be war. Die Hy­po­the­kar­aus­lei­hun­gen nah­men 12% zu, die rest­li­chen Kun­den­aus­lei­hun­gen gar um 13%.

Ak­ti­en sind güns­tig

Die Kre­dit­ri­si­ken blie­ben trotz des ra­san­ten Wachs­tums über­schau­bar, hat­te die BCGE 2009 doch ei­nen rück­läu­fi­gen Wert­be­rich­ti­gungs­be­darf. Ins Au­ge ste­chen je­doch der ver­gleichs­wei­se ho­he An­teil der ge­fähr­de­ten For­de­run­gen an den ge­sam­ten Kun­den­aus­lei­hun­gen (1,8%) und die im Bran­chen­ver­gleich un­ter­durch­schnitt­li­che Ei­gen­ka­pi­tal­quo­te (6,8%). Zu­dem gilt der Im­mo­bi­li­en­markt am Gen­fer­see als statt­lich be­wer­tet.

Die­se Un­si­cher­hei­ten spie­geln sich in der Be­wer­tung der Ak­ti­en der BCGE. Sie wer­den der­zeit zu nur 81% ih­res Buch­werts ge­han­delt, wo­mit sie zu den güns­tigs­ten Bank­ti­teln an der Schwei­zer Bör­se SIX ge­hö­ren. Auch ge­mes­sen am Kurs-Ge­winn-Ver­hält­nis (Ba­sis ge­schätz­ter Ge­winn 2010) von 11 sind BCGE nicht teu­er. In der Re­gel sind Kan­to­nal­bank­va­lo­ren eher ein Fall für de­fen­si­ve An­le­ger. BCGE un­ter­schei­den sich durch et­was grös­se­re Ri­si­ken, da­für ist das Po­ten­zi­al für ei­nen Kurs­ge­winn über­durch­schnitt­lich.

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