Hedge-Funds-Bran­che sieht Chan­cen

22 der gröss­ten Hedge Funds ha­ben ih­re Ba­sis in der Schweiz – Tren­nung von Pro­duk­ten für In­sti­tu­tio­nel­le und Pri­va­te – EU-Re­gu­lie­rung ist kei­ne Ge­fahr

Finanz und Wirtschaft - - SCHWEIZ - THO­MAS WYSS

Die Plä­ne der Eu­ro­päi­schen Uni­on, al­ter­na­ti­ve An­la­gen im All­ge­mei­nen und Hedge Funds im Be­son­de­ren strik­ter zu re­gu­lie­ren, stel­len ei­ne Her­aus­for­de­rung für die Hedge-Fund­sBran­che dar. Als Be­dro­hung will der hie­si­ge Bran­chen­ver­brand SFA (Swiss Funds As­so­cia­ti­on) die gan­ze Sa­che je­doch nicht se­hen. Viel­mehr herrscht die Über­zeu­gung vor, dass die füh­ren­den Schwei­zer An­bie­ter gut po­si­tio­niert sind, um sich an die Ve­rän­de­run­gen an­zu­pas­sen. Im Üb­ri­gen wer­den Wachs­tums­chan­cen ge­or­tet.

Ge­eig­net für In­sti­tu­tio­nel­le

In den ers­ten fünf Mo­na­ten des lau­fen­den Jah­res ver­lor der HFRX Glo­bal Hedge Fund In­dex 0,3% und der HFRI Funds of Hedge Funds In­dex 0,5%, wo­mit sie sich bes­ser ent­wi­ckel­ten als bei­spiels­wei­se der MSCI World In­dex (–7,6%) oder der SMI (–3,4%). Die von Hedge Funds welt­weit ver­wal­te­ten Ver­mö­gen stie­gen im ers­ten Quar­tal 4% auf 1,67 Mrd. $. Der Net­to­zu­fluss kam vor al­lem von in­sti­tu­tio­nel­len An­le­gern, wäh­rend Pri­vat­kun­den ge­mäss SFA «noch zu­war­ten».

Für den Bran­chen­ver­band ist klar, dass sich die Al­ter­na­ti­ve-In­vest­ment-In­dus­trie vor al­lem im Be­reich des in­sti­tu­tio­nel­len Ge­schäfts auf Wachs­tums­kurs be­fin­det. «Über ei­nen län­ge­ren Zei­t­raum be­trach­tet, er­zie­len al­ter­na­ti­ve An­la­gen im Ver­gleich zu tra­di­tio­nel­len Ver­gleichs­in­di­zes für den In­ves­tor ei­nen kla­ren Mehr­wert in Form ei­ner hö­he­ren Ren­di­te un­ter gleich­zei­tig re­du­zier­tem Ri­si­ko», be­ton­te Hans-Jörg Bau­mann, Vor­sit­zen­der des Al­ter­na­ti­ve In­vest­ment Coun­cil so­wie Ge­schäfts­füh­rer und Chair­man von Swiss Ca­pi­tal Al­ter­na­ti­ve In­vest­ments, an ei­ner Pres­se­kon­fe­renz in Zü­rich.

Auf­grund der Fi­nanz­kri­se ste­hen sei­ner Mei­nung nach für die An­le­ger vor al­lem die Aspek­te Li­qui­di­tät und Si­cher­heit im Vor­der­grund. Dar­auf ha­ben die An­bie­ter mit der Tren­nung von li­qui­den und we­ni­ger li­qui­den Stra­te­gi­en so­wie mass­ge­schnei­der­ten Lö­sun­gen re­agiert. Zu­dem kam es zu ei­ner kla­ren Tren­nung zwi­schen Pro­duk­ten für Pri­vat­kun­den und in­sti­tu­tio­nel­le In­ves­to­ren.

Die in der Schweiz do­mi­zi­lier­ten An­bie­ter al­ter­na­ti­ver In­vest­ments sind gut po­si­tio­niert und be­an­spru­chen mit 32% ei­nen sub­stan­zi­el­len Markt­an­teil des welt­wei­ten Ge­schäfts. Von den 114 Mul­ti­ma­na­ger-Hedge-Fund-An­bie­tern mit über 1 Mrd.$ ver­wal­te­ten Ver­mö­gen ha­ben 22 ih­re Ba­sis oder ei­nen be­deu­ten­den Teil ih­rer Ge­schäfts­tä­tig­keit in der Schweiz. Die­se 22 An­bie­ter ver­wal­ten ins­ge­samt Ver­mö­gen in der Hö­he von 200 Mrd.$.

An der Pres­se­kon­fe­renz des Fonds­ver­bands wur­de mehr­mals be­tont, für in­sti­tu­tio­nel­le In­ves­to­ren sei­en al­ter­na­ti­ve An­la­gen auf­grund ih­rer ho­hen ri­si­ko­ad­jus­tier­ten Ren­di­te ein lang­fris­tig at­trak­ti­ves In­vest­ment, das die Ef­fi­zi­enz des Port­fo­li­os er­hö­he. Vor al­lem mass­ge­schnei­der­te Mul­ti­ma­na­ger­lö­sun­gen wür­den auf­grund ih­rer ho­hen Di­ver­si­fi­ka­ti­on und der Ab­de­ckung in­di­vi­du­el­ler Be­dürf­nis­se stark nach­ge­fragt.

Der­zeit le­gen in­sti­tu­tio­nel­le Kun­den mehr Ge­wicht auf die Aspek­te Ri­si­ko, Pro­zes­se und Struk­tu­ren als vor der Fi­nanz­kri­se. «Für vie­le von ih­nen sind Mul­ti- ma­na­ger­kon­zep­te sehr ge­eig­net, ob­wohl die­se Lö­sun­gen res­sour­cen­in­ten­siv sind. Aber auch Funds of Hedge Funds, Ma­na­ged Ac­counts oder Ucits III bie­ten gu­te In­ves­ti­ti­ons­mög­lich­kei­ten», er­läu­ter­te Chris Man­ser, Glo­bal He­ad of Funds of Hedge Funds Axa In­vest­ment Ma­na­gers.

Fin­ma als Hel­fer

Was die um­strit­te­ne eu­ro­päi­sche Ge­setz­ge­bung be­trifft, so lie­gen der­zeit zwei sehr un­ter­schied­li­che Ver­sio­nen der Richt­li­nie vor. Auch für den Bran­chen­ver­band lässt sich ge­gen­wär­tig nicht ab­schät­zen, wel­che Va­ri­an­te im der­zeit lau­fen­den Tri­log zwi­schen Rat, Kom­mis­si­on und Par­la­ment die Ober­hand ge­win­nen wird.

Weil die Richt­li­nie al­le Non-Ucits und ih­re Ma­na­ger ab­deckt, die in der EU an pro­fes­sio­nel­le In­ves­to­ren ver­trie­ben wer­den, hat sie gros­se Aus­wir­kun­gen auf Dritt­staa­ten wie die Schweiz. «Für Schwei­zer As­set-Ma­na­ger wä­re ein li­be­ra­les De­le­ga­ti­ons­prin­zip, ver­gleich­bar dem bei den Ucits, ei­ne gu­te Lö­sung», ist Mat­thä­us Den Ot­ter, SFA-Ge­schäfts­füh­rer, über­zeugt. Auch in Be­zug auf die Mög­lich­keit der Ver­mark­tung von Dritt­staa­ten­fonds hofft die SFA, dass sie von den Mit­glie­dern zu­min­dest in ein­zel­nen Mit­glied­staa­ten wei­ter­hin auf der Grund­la­ge der be­ste­hen­den na­tio­nal­staat­li­chen Vor- schrif­ten ver­mark­tet wer­den kön­nen. Hans-Jörg Bau­mann, warn­te auch in die­sem Zu­sam­men­hang ein­dring­lich vor Pes­si­mis­mus. Aus Schwei­zer Sicht sei­en nur klei­ne Mo­di­fi­ka­tio­nen, bei­spiel­wei­se die zwin­gen­de Auf­sicht durch die Auf­sichts­be­hör­de Fin­ma, not­wen­dig. Das sei je­doch schon heu­te für die meis­ten Fonds der Fall.

Schwei­zer sind gut po­si­tio­niert

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