Wie­der ei­ne we­ni­ger

Pri­vat­bank Hot­tin­ger nun ei­ne AG – Zwist in der Fa­mi­lie

Finanz und Wirtschaft - - SCHWEIZ - AS

Auf der Web­site der Ver­ei­ni­gung Schwei­ze­ri­scher Pri­vat­ban­kiers ist ihr Na­me be­reits ge­stri­chen: Die Zürcher Pri­vat­bank Hot­tin­ger & Cie hat sich An­fang Ju­ni in ei­ne Ak­ti­en­ge­sell­schaft (AG) ge­wan­delt. Haupt­grund wa­ren nicht nur die ste­tig an­spruchs­vol­ler wer­den­den Rah­men­be­din­gun­gen in der Ver­mö­gens­ver­wal­tung, son­dern auch wach­sen­de stra­te­gi­sche Dif­fe­ren­zen in der Fa­mi­lie.

Ge­mäss Ro­ber­to Fao­ro, Mit­glied der Ge­schäfts­lei­tung, ha­ben sich die Mei­nungs­ver­schie­den­hei­ten zwi­schen den Brü­dern Frédé­ric und Ro­dol­phe Hot­tin­ger über die Stra­te­gie un­ter­schied­lich ent­wi­ckelt. Ro­dol­phe ist vor dem Wech­sel des Rechts­kleids per 31. De­zem­ber 2009 als Part­ner aus­ge­schie­den. Wie Fao­ro er­läu­tert, sei­en die Dis­kus­sio­nen seit ei­nem Jahr Rich­tung AG ge­lau­fen, mit dem Ziel, die Cor­po­ra­te Go­ver­nan­ce zu stär­ken. Ei­ne AG hat ei­nen Ver­wal­tungs­rat.

Die Ei­gen­tü­mer­fa­mi­lie – ne­ben Frédé­ric Hot­tin­ger sein Va­ter, Ba­ron Hen­ri, so­wie zwei Cou­sins – hält mit der Ka­pi­ta­lund Stim­men­mehr­heit wei­ter­hin die Fä­den in der Hand. Das Ma­nage­ment ist an der AG be­tei­ligt. Zu­dem könn­ten wei­te­re «Top­leu­te» an der Ge­sell­schaft be­tei­ligt wer­den, be­tont Fao­ro. Über­haupt ist ein Ziel der Um­fir­mie­rung, der Bank «ei­ne

Da wa­ren‘s noch 13 neue Dy­na­mik» zu ver­lei­hen. Und sie will mehr in­for­mie­ren und trans­pa­ren­ter wer­den. Beim Wort ge­nom­men, ent­hüllt Fao­ro die Sum­me der ver­wal­te­ten Kun­den­ver­mö­gen: 5,6 Mrd. Fr., da­von 3,2 Mrd. in der Schweiz. Hot­tin­ger be­schäf­tigt 170 Mit­ar­bei­ter, da­von 100 im Heim­markt. Wo­bei «Heim­markt» nicht ganz der rich­ti­ge Be­griff ist: Hot­tin­ger wur­de 1786 in Paris ge­grün­det und kam erst En­de 1968 nach Zü­rich «zu­rück». Die für ei­ne klei­ne Pri­vat­bank gros­se in­ter­na­tio­na­le Prä­senz – über as­so­zi­ier­te Ge­sell­schaf­ten ist sie an vier­zehn Stand­or­ten in acht Län­dern tä­tig – ist ge­schicht­lich be­dingt.

Mit Hot­tin­ger hat die Ver­ei­ni­gung Schwei­ze­ri­scher Pri­vat­ban­kiers ein wei­te­res Mit­glied ver­lo­ren. Die Zahl «ech­ter» Pri­vat­ban­ken ist seit Mit­te des letz­ten Jahr­hun­derts von 73 auf nun­mehr 13 ge­schrumpft (vgl. Ta­bel­le). Die meis­ten bli­cken auf ei­ne jahr­zehn­te-, ja gar jahr­hun­der­te­lan­ge Tra­di­ti­on zu­rück. Jüngs­tes Mit­glied ist die Mit­te der Neun­zi­ger­jah­re ge­grün­de­te Bank Reich­muth in Lu­zern.

Pri­vat­ban­kiers (seit 1997 ein ge­schütz­ter Be­griff ) ver­ste­hen sich als Un­ter­neh­mer, doch die Ein­stiegs­hür­den sind hoch, nicht nur we­gen der per­sön­li­chen und un­be­schränk­ten Haf­tung der Ge­sell­schaf­ter. Sie wer­den als Per­so­nen saf­ti­ger als Ak­ti­en­ge­sell­schaf­ten be­steu­ert, Ka­pi­tal­bil­dung und Nach­fol­ge da­durch er­schwert.

Ei­ni­ge der Pri­vat­ban­ken ha­ben recht­li­che Zwitt­er­lö­sun­gen ge­schaf­fen, um die Pro­ble­ma­tik zu ent­schär­fen. Die St. Gal­ler We­ge­lin et­wa hat über die Kom­man­dit­ge­sell­schaft die We­ge­lin & Co. AG ge­setzt, in die die Part­ner den Ge­winn­an­teil ein­ge­bracht ha­ben. Die Gen­fer Mi­ra­baud hat An­fang die­ser Wo­che be­kannt­ge­ge­ben, dass sich Ka­der­mit­glie­der künf­tig an ei­ner Ge­sell­schaft be­tei­li­gen kön­nen, die in die Grup­pe in­ves­tiert. Die bei­den gros­sen Ban­ken Pic­tet und Lom­bard Odier ha­ben eben­falls Struk­tu­ren auf­ge­setzt, die für Ka­der­mit­glie­der ei­ne Ka­pi­tal­be­tei­li­gung oh­ne Haf­tung er­mög­li­chen.

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