Mit­tel-Ost­eu­ro­pa ist ein wei­te­rer Brems­klotz für vie­le Ban­ken

Finanz und Wirtschaft - - PODIUM - BA

Die Schock­wel­len schei­nen kein En­de zu neh­men. «Die Fi­nanz­märk­te welt­weit wa­ren ab Mit­te April bis An­fang Ju­ni äus­serst vo­la­til, da haus­halts­po­li­ti­sche Be­den­ken und die Ge­fahr ei­nes schwä­che­ren Wachs­tums das Ver­trau­en der An­le­ger rasch schwin­den lies­sen», schreibt die Bank für In­ter­na­tio­na­len Zah­lungs­aus­gleich (BIZ) am Mon­tag in ei­ner Mit­tei­lung zum jüngs­ten Quar­tals­be­richt (vgl. Sei­te 34). Das eu­ro­päi­sche Ret­tungs­pa­ket ha­be wei­te­re An­ste­ckungs­ef­fek­te an den Märk­ten für Staats­an­lei­hen der Eu­ro­raum­län­der erst ein­mal ver­hin­dert, doch die Be­den­ken der In­ves­to­ren wur­den so nicht ein­fach aus der Welt ge­schafft.

Prak­tisch gleich­zei­tig mit der Pu­bli­ka­ti­on wur­de letz­te­re Aus­sa­ge am Markt un­ter­stri­chen. Am Wo­che­n­en­de zir­ku­lier­te das Ge­rücht, die EU-Län­der müss­ten Spa­ni­en nun tat­säch­lich mit Kre­di­ten aus der Pat­sche hel­fen. «Wir wer­den in der kom­men­den Wo­che in Brüssel Ge­sprä­che da­zu füh­ren», zi­tier­te die «Frank­fur­ter All­ge­mei­ne Zei­tung» zu Wo­chen­be­ginn un­ge­nann­te Re­gie­rungs­krei­se in Deutsch­land. Spä­ter kam aus Berlin ein of­fi­zi­el­les De­men­ti: Die Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne Hil­fe sei­en nicht ge­ge­ben, und Spa­ni­en sei ver­gan­ge­ne Wo­che mit Er­folg an den Ka­pi­tal­markt ge­langt. Es ge­be kei­nen Hand­lungs­be­darf. Auch die spa­ni­sche Re­gie­rung sah sich zu ei­ner Re­ak­ti­on ge­nö­tigt und stell­te die Spe­ku­la­tio­nen über Pro­ble­me ve­he­ment in Abre­de. Trotz­dem hän­gen die spa­ni­schen Ban­ken der­zeit am Tropf der EZB, der In­ter­ban­ken­markt ist für sie so gut wie tot. Und am Di­ens­tag teil­te die Ra­ting­agen­tur Moo­dy’s mit, die Kre­dit­wür­dig­keit Grie­chen­lands auf Ramschsta­tus ge­senkt zu ha­ben, und zwar – un­ge­wöhn­lich deut­lich – gleich um vier Stu­fen auf Ba1.

Doch nicht nur in­ner­halb der Eu­ro­zo­ne, auch Län­der, die noch ih­re ei­ge­ne Wäh­rung be­sit­zen, sor­gen für Tur­bu­len­zen. Jüngs­tes Bei­spiel war Un­garn An­fang Ju­ni. Die neue un­ga­ri­sche Re­gie­rung hat­te mit Aus­sa­gen zum Bud­get­de­fi­zit des Lan­des die Märk­te ir- ri­tiert. Auch wenn die Äus­se­run­gen in­zwi­schen von Un­garn re­la­ti­viert wur­den, die Un­si­cher­heit hängt wei­ter in der Luft. Die Cre­dit De­fault Swaps (CDS) auf un­ga­ri­schen Staats­schul­den sind im­mer noch hoch. Fest steht, dass Un­garn die im ver­gan­ge­nen Sep­tem­ber von IWF und EU ge­währ­ten Kre­dit­hil­fen nicht voll­stän­dig auf­ge­braucht hat und auch ein Zu­satz­be­trag un­ge­nutzt ge­blie­ben ist. Im Ok­to­ber ver­fal­len die Zu­sa­gen und müs­sen neu ver­han­delt wer­den.

Die Si­tua­ti­on hat sich mitt­ler­wei­le et­was be­ru­higt. Doch die Re­gi­on Mit­tel-Ost­eu­ro­pa dürf­te in na­her Zu­kunft von den Märk­ten wei­ter­hin in­ten­siv ver­folgt wer­den, da sie bis­her eher we­nig von den Pro­ble­men der EWU-und spe­zi­ell der Eu­ro­zo­ne be­trof­fen wa­ren, mei­nen Ana­lys­ten von J. P. Mor­gan Ca­ze­no­ve. Das könn­te sich nun än­dern. Die Ri­si­ko­aver­si­on wird kaum nach­las­sen: Am Wo­che­n­en­de fan­den Wah­len in der Slo­wa­kei statt, das Land steht vor ei­nem

Uni­credit und So­cié­té Gé­né­ra­le sind stark en­ga­giert Macht­wech­sel. In Po­len sind dem­nächst Prä­si­dent­schafts­wah­len. Der Markt fürch­tet, dass je­weils nach Wah­len – oder an­de­ren wich­ti­gen po­li­ti­schen Er­eig­nis­sen – in den CEE-Län­dern (CEE = Mit­tel-Ost­eu­ro­pa) Miss­stän­de in den Staats­haus­hal­ten deut­li­cher zu­ta­ge tre­ten als bis­her.

Zu die­sen Markt­ri­si­ken kommt als wei­te­rer Be­las­tungs­fak­tor hin­zu, dass auch in der CEE-Re­gi­on der Ban­ken­sek­tor zur Sa­nie­rung der Staats­fi­nan­zen zur Kas­se ge­be­ten wer­den könn­te. In Un­garn wur­de be­reits ei­ne Ban­ken­steu­er an­ge­kün­digt (vgl. «Fi­nanz und Wirt­schaft» Nr. 45 vom 9. Ju­ni). Von sol­chen Be­las­tungs­fak­to­ren und den Ri­si­ken der En­ga­ge­ments in der Re­gi­on Mit­tel­Ost­eu­ro­pa sind nicht nur hei­mi­sche In­sti­tu­te wie die OTP Bank in Un­garn be­trof­fen, son­dern auch eu­ro­päi­sche Gross­ban­ken (vgl. Ta­bel­le): Aus­ser den ös­ter­rei­chi­schen Ban­ken Raiff­ei­sen In­ter­na­tio­nal und Ers­te Bank sind das vor al­lem Uni­credit, So­cié­té Gé­né­ra­le und die KBC Group.

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