Ge­fahr der Ver­wäs­se­rung

Um­strit­te­ne Re­form des spa­ni­schen Ar­beits­markts – De­kret wird im Par­la­ment be­han­delt

Finanz und Wirtschaft - - AUSLAND - AE,

Die spa­ni­sche Re­gie­rung ru­dert nach Kri­tik der Op­po­si­ti­on und ei­nem für Sep­tem­ber von den Ge­werk­schaf­ten an­ge­kün­dig­ten Ge­ne­ral­streik mit den Plä­nen für ih­re Ar­beits­markt­re­form zu­rück. Zwar will die Mi­nis­ter­run­de von Re­gie­rungs­chef Jo­sé Lu­is Ro­drí­guez Za­pa­te­ro die Re­form wie an­ge­kün­digt die­sen Mitt­woch als kö­nig­li­ches De­kret ver­ab­schie­den. An­schlies­send soll das Pa­pier al­ler­dings als Ge­set­zes­ent­wurf ins Par­la­ment ge­hen, wo­mit die Ge­fahr be­steht, dass die di­ver­sen Par­tei­en den ur­sprüng­li­chen In­halt mit ih­ren Ein­wän­den auf­wei­chen wer­den.

Den­noch soll das kö­nig­li­che De­kret mit sei­ner Ver­öf­fent­li­chung im Staats­an­zei­ger («Bo­le­tín Ofi­ci­al del Esta­do») in we­ni­gen Ta­gen «pro­vi­so­risch» in Kraft tre­ten, heisst es aus Re­gie­rungs­krei­sen. Die end­gül­ti­ge Ver­ab­schie­dung kön­ne sich in­des bis No­vem­ber hin­zie­hen. Pre­mier­mi­nis­ter Za­pa­te­ro muss­te letz­ten En­des die­sen Weg wäh­len, weil sei­ner so­zia­lis­ti­schen Ar­bei- ter­par­tei (PSOE) im Par­la­ment sie­ben Stim­men zur ab­so­lu­ten Mehr­heit feh­len und er mit dem De­kret nach der­zei­ti­ger Stim­mungs­la­ge wohl ge­schei­tert wä­re.

In­ner­halb der so­zia­lis­ti­schen Par­tei ver­traut man of­fen­bar dar­auf, dass die Märk­te das jetzt ge­wähl­te Ge­setz­ge­bungs­ver­fah­ren nicht als Schwä­che aus­le­gen. Viel­mehr ha­be auch die Kom­mis­si­on der Eu­ro­päi­schen Uni­on durch­bli­cken las­sen, dass ein po­li­ti­scher Kom­pro­miss über die Ar­beits­markt­re­form ei­ner der gröss­ten ­Er­fol­ge wä­re.

Die Re­form wird nicht um­ge­hend hel­fen, die ho­he Ar­beits­lo­sen­quo­te von der­zeit rund 20% zu sen­ken. Sie soll aber mit der be­deu­ten­den An­zahl zeit­lich be­grenz­ter Ver­trä­ge auf­räu­men – der An­teil er­reicht rund 30% – , zu mehr Fest­an­stel­lun­gen an­re­gen und das Fun­da­ment für ei­ne mit­tel­fris­tig hö­he­re Pro­duk­ti­vi­tät durch bes­ser aus­ge­bil­de­te Ar­beits­kräf­te le­gen. Die Ab­fin­dun­gen, die der­zeit je nach ­Ver­trag 33 re­spek­ti­ve 45 Ar­beits­ta­ge pro Ar­beits­jahr be­tra­gen, sol­len Un­ter­neh­men in wirt­schaft­li­chen Schwie­rig­kei­ten re­du­zie­ren kön­nen. Aus­ser­dem soll die Ar­beit­ge­ber­sei­te die Kurz­ar­beit fle­xi­bler hand­ha­ben kön­nen.

Die Ar­beit­ge­ber be­zeich­ne­ten in­des das Pa­pier als «we­der ad­äquat noch tief grei­fend» und be­fürch­ten, dass sie letz­ten En­des die Kos­ten tra­gen wer­den. Zu­dem brau­che Spa­ni­ens auf Tou­ris­mus und Di­enst­leis­tun­gen aus­ge­rich­te­te Wirt­schaft ein ge­wis­ses Mass an zeit­lich be­fris­te­ten Ver­trä­gen. Die gröss­te Op­po­si­ti­ons­par­tei, der Par­ti­do Po­pu­lar, be­schreibt das Re­form­pro­jekt als «kon­fus» und «we­nig ­kon­kret». Die Ge­werk­schaf­ten, die ge­gen jeg­li­che Ein­schnit­te sind und die Re­form nur auf die Be­dürf­nis­se der Un­ter­neh­mer zu­ge­schnit­ten se­hen, rie­fen der­weil für den 29. Sep­tem­ber ei­nen Ge­ne­ral­streik aus. Von ei­ner breit ab­ge­stütz­ten Lö­sung kann vo­r­erst kei­ne Re­de sein.

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