Wech­sel­bad der Ge­füh­le für Tran­so­ce­an-An­le­ger

US-Bro­ker Mor­gan St­an­ley bricht Lan­ze für den Schwei­zer Öl­bohr­kon­zern – «Ti­ta­nic-Klau­sel» greift nicht – Run auf Ak­ti­en am Mon­tag?

Finanz und Wirtschaft - - AUSLAND - JAN SCHWAL­BE

End­lich gu­te Nach­rich­ten für die An­le­ger von Tran­so­ce­an: Mor­gan St­an­ley pro­gnos­ti­ziert, dass der Ak­ti­en­kurs des Schwei­zer Öl­bohr­kon­zerns in­ner­halb von zwölf Mo­na­ten auf 105$ steigt und sich da­mit mehr als ver­dop­pelt. Der US-Bro­ker rech­net ei­ner­seits da­mit, dass die Aus­wir­kun­gen des Bohr­ver­bots in Tie­fen von über 150 Me­ter im Golf von Me­xi­ko für Tran­so­ce­an ge­rin­ger sind als für ei­ni­ge Kon­kur­ren­ten. An­der­seits sol­len sich stren­ge Si­cher­heits- vor­schrif­ten für die Öl­bohr­ge­sell­schaf­ten lang­fris­tig po­si­tiv aus­wir­ken.

Tran­so­ce­an macht 20% des Um­sat­zes im Golf von Me­xi­ko. Das sind we­ni­ger als Dia­mond Off­s­hore und gleich viel wie die eben­falls in der Schweiz do­mi­zi­lier­te No­ble Corp (vgl. Gra­fik). Die Bohr­in­seln von Tran­so­ce­an sind neu­er als die von Dia­mond und No­ble. Das hat zur Fol­ge, dass die mo­der­nen 5G-und 6G-In­seln auch aus­ser­halb des Golfs ge­fragt sind.

Seit dem Teil­ver­bot boh­ren im Golf von Me­xi­ko statt 46 nur noch 20 Bohr­in­seln. Für Tran­so­ce­an hat das je­doch kaum Kon­se­quen­zen. Die meis­ten Ver­trä­ge lau­fen noch über meh­re­re Jah­re. Aus­stiegs­zah­lun­gen sind hoch. Mor­gan St­an­ley geht da­von aus, dass das Bohr­ver­bot nach höchs­tens acht­zehn Mo­na­ten auf­ge­ho­ben wird. Zu­dem gibt es ers­te Pro­zes­se ge­gen das Ver­bot, die nicht chan­cen­los sind.

Auch Vor­tei­le für Tran­so­ce­an

Auch die schär­fe­ren Si­cher­heits­vor­schrif­ten ha­ben nach Mei­nung des US-Bro­kers Vor­tei­le. Län­ge­re Test­pha­sen und stren­ge­re Auf­sicht ver­zö­gern die Ar­bei­ten. Das wür­de die Dau­er der Mie­te der Bohr­in­seln ver­län­gern. Ne­ga­tiv wird sich der er­höh­te Preis­druck in der Bran­che aus­wir­ken. Auch da macht Mor­gan St­an­ley ei­nen Sil­ber­streif am Ho­ri­zont aus. Der Bro­ker weist dar­auf hin, dass sich der Ef­fekt we­gen der ge­füll­ten Auf­trags­bü­cher erst in ei­ni­gen Jah­ren be­merk­bar ma­chen wird.

Ei­nen Rück­schlag muss­te Tran­so­ce­an vor Ge­richt hin­neh­men. Die Haf­tung in Zu­sam­men­hang mit der Öl­pest kann nicht durch die «Ti­ta­nic-Klau­sel» auf 27 Mio. $ be­grenzt wer­den. Das Un­ter­neh­men ak­zep­tiert, dass die Ge­setz­ge­bung, al­len vor­an der Oil Pol­lu­ti­on Act, zur An­wen­dung kommt. So wer­den Kla­gen der US-Re­gie- rung und der Bun­des­staa­ten ein­fa­cher. Der Kon­zern hat­te sich Mit­te Mai dar­auf be­ru­fen, dass der Be­sit­zer des Lu­xus­schif­fes nach dem Un­ter­gang 1912 er­folg­reich gel­tend ge­macht hat­te, nur für den Wert des Damp­fers auf­zu­kom­men. Der Scha­dens­er­satz muss­te vom Or­ga­ni­sa­tor der Schiff­fahrt be­zahlt wer­den. Als Re­ak­ti­on dar­auf hat Tran­so­ce­an am zu­stän­di­gen Ge­richt in Hous­ton ei­nen er­gän­zen­den An­trag auf die Re­ge­lung des Um­fangs der Haf­tung ein­ge­reicht.

SMI-Auf­stieg als Chan­ce

Die Ak­ti­en von Tran­so­ce­an ha­ben sich in den letz­ten Wo­chen schlech­ter ent­wi­ckelt als die Ti­tel der Kon­kur­renz (vgl. Kurs­gra­fik). Das lag vor al­lem an den Sor­gen um Scha­den­er­satz­kla­gen. Die Chan­cen ste­hen den­noch nicht schlecht, dass sich die Va­lo­ren nächs­te Wo­che – zu­min­dest vor­über­ge­hend – er­ho­len.

Am Frei­tag nach Han­dels­schluss stei­gen Tran­so­ce­an in den SMI auf. Spä­tes­tens am Mon­tag müs­sen vor al­lem pas­si­ve An­le­ger, al­len vor­an SMI-ETF, sie in gros­sem Stil kau­fen. Wer wie Mor­gan St­an­ley dar­auf setzt, dass Tran­so­ce­an vom Markt zu hart be­straft wur­de, soll­te die Pa­pie­re des­halb noch die­se Wo­che er­wer­ben.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.