«CO2 braucht ei­nen Preis»

Finanz und Wirtschaft - - AUSLAND - OP

Der zu­neh­men­de Ener­gie­be­darf und die da­mit ver­bun­de­nen Um­welt­be­las­tun­gen for­dern die In­dus­trie und die Re­gie­run­gen be­zie­hungs­wei­se die Ge­sell­schaft glei­cher­mas­sen her­aus. Der nie­der­län­disch­bri­ti­sche Öl-und Gas­kon­zern Roy­al Dutch Shell rech­net da­mit, dass sich das Nach­fra­ge­wachs­tum wei­ter be­schleu­ni­gen wird und der Ener­gie­ver­brauch im Jahr 2050 dop­pelt so hoch sein dürf­te wie heu­te.

«Ei­ne An­ge­bots­ver­knap­pung be­son­ders beim Öl ist in den kom­men­den Jahr­zehn­ten nur mit gros­sen An­stren­gun­gen zu ver­mei­den», er­läu­ter­te der CEO der Shell-Grup­pe, Pe­ter Vo­ser, in ei­nem Vor­trag über die glo­ba­len Ent­wick­lun­gen im Ener­gie­sek­tor ver­gan­ge­ne Wo­che im UBSKon­fe­renz­zen­trum Wolfs­berg am Bo­den­see. Die Ver­füg­bar­keit fos­si­ler Ener­gie­trä­ger wer­de mit dem stei­gen­den Be­darf schwer Schritt hal­ten: «Da­her be­nö­ti­gen wir al­le Ener­gie­trä­ger: schwie­ri­ge Öl-und Gas­vor­kom­men, Koh­le, Kern­kraft und er­neu­er­ba­re Ener­gi­en.»

Ver­schie­de­ne Sze­na­ri­en

Wel­che Bei­trä­ge kön­nen Re­gie­run­gen und Un­ter­neh­men wie Shell leis­ten, um mehr Ener­gie be­reit­zu­stel­len und die Aus­wir­kun­gen auf die Um­welt zu be­gren­zen? Vo­ser ging der Fra­ge an­hand von zwei Sze­na­ri­en nach: im ers­ten, Scram­ble ge­nannt, do­mi­niert Ener­gie­na­tio­na­lis­mus. Die Re­gie­run­gen han­deln im Al­lein­gang und re­agie­ren le­dig­lich auf ak­tu­el­le Pro­ble­me. Nach­hal­ti­ge Mass­nah­men wer­den da­durch hin­aus­ge­zö­gert.

Shell hin­ge­gen setzt sich da­für ein, dass in der Ener­gie-, Um­welt-und Kli­ma­po­li­tik die un­ter­schied­li­chen In­ter­es­sen­grup­pen grenz-und sek­tor­über­grei­fend nach Ant­wor­ten su­chen und sich auf ei­nen glo­ba­len Re­gu­lie­rungs­rah­men ver­stän­di­gen. Im so ge­nann­ten Blue­prints-Sze­na­rio wür­de ge­mäss Vo­ser 2050 ein Zehn­tel we­ni­ger Ener­gie ver­braucht als in Scram­ble, und die CO2-Emis­sio­nen wä­ren 30% nied­ri­ger. «Un­ser Blue­prints-Sze­na­rio zeigt, dass bis zur Mit­te des Jahr­hun­derts 30% des welt­wei­ten Ener­gie­be­darfs durch Wind, So­lar und an­de­re er­neu­er­ba­re Ener­gi­en ge­deckt wer­den kön­nen. Um die­ses Ziel zu er­rei­chen, wer­den aber gros­se An­stren­gun­gen und In­ves­ti­tio­nen nö­tig sein.»

Kein schnel­ler Aus­weg

We­gen der Kom­ple­xi­tät der welt­wei­ten Ener­gie­in­fra­struk­tur brau­chen Ve­rän­de­run­gen Zeit. Shell hat fest­ge­stellt, dass es ty­pi­scher­wei­se dreis­sig Jah­re dau­ert, bis ei­ne neue Tech­no­lo­gie, nach­dem sie wirt­schaft­li­che Rei­fe er­langt hat, 1% des welt­wei­ten Ener­gie­markts er­obert. Bio­kraft­stof­fe ha­ben mitt­ler­wei­le ei­nen sol­chen An­teil am Öl­markt.

Auf dem Weg zu ei­ner nach­hal­ti­gen Ener­gie­zu­kunft gibt es wei­te­re Her­aus­for­de­run­gen: «Auch CO2-ar­me Ener­gie­tech­no­lo­gi­en be­nö­ti­gen mi­ne­ra­li­sche Roh­stof­fe», gab Vo­ser zu be­den­ken. «Wind­tur­bi­nen bei­spiels­wei­se brau­chen dop­pelt so viel Stahl wie nö­tig ist, um die glei­che Men­ge Strom in ei­nem gas­be­trie­be­nen Kraft­werk zu er­zeu­gen.»

Sub­ven­tio­nen kön­nen die Ein­füh­rung neu­er Tech­no­lo­gi­en be­schleu­ni­gen, doch län­ger­fris­tig müs­sen sie auf ei­ge­nen Füs­sen ste­hen, be­ton­te der Shell-Chef und führ­te aus: «Wenn CO2-ar­me Tech­no­lo­gi­en gross­flä­chig ein­ge­führt wer­den sol­len, muss ein Preis für CO2 obers­te Prio­ri­tät ha­ben.» Das sei der bes­te Weg, Pri­vat­in­ves­ti­tio­nen in die Ent­wick­lungs-und Schwel­len­län­der zu lei­ten.

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