Um­strit­te­ne Berg­bau­steu­er

Finanz und Wirtschaft - - AUSLAND - UW,

Der Kon­flikt zwi­schen der Berg­bau­in­dus­trie und der aus­tra­li­schen Re­gie­rung um die Ein­füh­rung ei­ner Ge­winn­steu­er auf Roh­stof­fe spitzt sich zu. Craig Emer­son, ein füh­ren­des Re­gie­rungs­mit­glied, be­schul­dig­te am Wo­che­n­en­de den bri­tisch-schwei­ze­ri­schen Roh­stoff­rie­sen Xstra­ta, er ver­un­si­che­re die Be­völ­ke­rung mit Dro­hun­gen der Schlies­sung von Mi­nen, soll­te die ge­plan­te Roh­stoff­ge­winn­steu­er in Kraft tre­ten. Der Kon­zern hat­te jüngst die Ex­pan­si­on ei­ner Kup­fer­mi­ne in Ostaus­tra­li­en auf Eis ge­legt. Wie Emer­son er­klär­te, ha­be Xstra­ta am sel­ben Tag mit ei­nem Mi­nen­dienst­leis­ter ei­nen neu­en Mil­lio­nen­ver­trag für die An­la­ge ab­ge­schlos­sen: «Das ist ein wei­te­rer Be­weis da­für, dass Xstra­ta ei­ne Kam­pa­gne der Fehl­in­for­ma­ti­on führt, um die von der Mi­ne ab­hän­gi­gen Men­schen zu ver­ängs­ti­gen.»

Der Vor­wurf ist nur ei­ne von vie­len Atta­cken zwi­schen der Berg­bau­in­dus­trie und Can­ber­ra. Xstra­ta ist ei­nes von gut zwan­zig Roh­stoff­un­ter­neh­men, die von den Po­li­ti­kern for­dern, In­halt und Aus­füh­rung der Ge­winn­steu­er mit der In­dus­trie neu zu ver­han­deln. Die Re­gie­rung will ab 2012 Ge­win­ne von Berg­bau­ge­sell­schaf­ten über 6% mit 40% be­steu­ern. Sie er­hofft sich so in­ner­halb der ers­ten bei­den Jah­re zu­sätz­li­che Ein­nah­men in Hö­he von über 10 Mrd. aus­tr. $. Die Mass­nah­me ist Teil ei­ner grös­se­ren Steu­er­re­form, die auch ei­ne schritt­wei­se Re­duk­ti­on der Un­ter­neh­mens­steu­er von der­zeit 30 auf 28% vor­sieht. Da­für sol­len die Bei­trä­ge der Ar­beit­ge­ber zur Al­ters­si­che­rung der An­ge­stell­ten von der­zeit 9 auf 12% stei­gen.

Deut­li­che Un­si­cher­heit

Seit der Be­kannt­ga­be im Mai stos­sen die Plä­ne auf ei­ne zu­neh­mend ag­gres­siv ge­führ­te Op­po­si­ti­on der Roh­stoff­in­dus­trie. Dut­zen­de von Un­ter­neh­men ha­ben in den letz­ten Wo­chen ge­mel­det, sie hät­ten Plä­ne für die Ex­pan­si­on von Pro­jek­ten sis­tiert. An­fang Ju­ni gab Xstra­ta be­kannt, aus­tra­li­sche Pro­jek­te im Wert von 6,6 Mrd. aus­tr. $ ge­stoppt zu ha­ben, da die Steu­er ei­ne «deut­li­che Un­si­cher­heit für die Zu­kunft von In­ves­ti­tio­nen im Berg­bau» ge­schaf­fen ha­be. Ähn­li­che Wor­te kom­men vom Berg­bau­gi­gan­ten Rio Tin­to. CEO Tom Al­ba­ne­se warn­te, Aus­tra­li­en kön­ne sei­ne Po­si­ti­on als at­trak­ti­ver Stand­ort für In­ves­ti­tio­nen ver­lie­ren.

Can­ber­ra zeigt sich ge­gen­über den Atta­cken bis­her be­mer­kens­wert ro­bust. Pre­mier­mi­nis­ter Ke­vin Rudd be­harrt auf sei­ner Po­si­ti­on, Aus­tra­li­en ha­be in den letz­ten Jah­ren des Roh­stoff­booms zu we­nig von den Re­kord­ge­win­nen der Un­ter­neh­men pro­fi­tiert. Zu­dem sei­en die Über­schüs­se gröss­ten­teils ins Aus­land ge­flos­sen: Rio Tin­to et­wa sei zu 70% in aus­län­di­scher Hand, BHP Bil­li­ton zu 40%. Can­ber­ra weist dar­auf hin, dass die Steu­er teil­wei­se Li­zenz­ab­ga­ben aus der Roh­stoff­för­de­rung er­set­zen wird, die bis­her an die ein­zel­nen Bun­des­staa­ten ge­hen.

Kom­pro­miss mög­lich

Hoff­nun­gen der Berg­bau­wirt­schaft auf ei­ne ra­sche Lö­sung zer­schlu­gen sich letz­te Wo­che, als Pre­mier­mi­nis­ter Ke­vin Rudd mein­te, es stün­den noch «Wo­chen und Mo­na­te» dau­ern­de Ver­hand­lun­gen mit der In­dus­trie be­vor. Doch Me­dien­be­rich­ten vom Wo­che­n­en­de zu­fol­ge zeigt sich Can­ber­ra zu­min­dest hin­ter den Ku­lis­sen ver­mehrt kom­pro­miss­be­reit. So be­ste­he die Mög­lich­keit, dass die neue Steu­er erst bei ei­nem Ge­winn von über 10% fäl­lig wird statt wie vor­ge­se­hen bei über 6%.

Die Steu­er­de­bat­te hat die Märk­te in den letz­ten Wo­chen ir­ri­tiert. Va­lo­ren wie BHP Bil­li­ton, Rio Tin­to und For­tes­cue Me­tals büss­ten zeit­wei­se hef­tig an Wert ein. Ana­lys­ten wei­sen al­ler­dings dar­auf hin, dass die Un­si­cher­heit über die Schul­den­kri­se in Eu­ro­pa ei­nen deut­lich grös­se­ren Ein­fluss auf das An­le­ger­ver­trau­en ha­be als die Steu­er­plä­ne Can­ber­ras. Bran­chen­ex­per­ten ha­ben jüngst er­klärt, für lang­fris­tig den­ken­de An­le­ger sei die Ge­le­gen­heit schon lan­ge nicht mehr so gut ge­we­sen, in den flo­rie­ren­den aus­tra­li­schen Roh­stoff­sek­tor ein­zu­stei­gen.

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