HKEx hofft auf Im­puls durch ABC

Die Ti­tel der Hong­kon­ger Bör­sen­ge­sell­schaft ent­wi­ckeln sich ent­täu­schend – Kurz­fris­tig schwä­chelnd, lang­fris­tig reiz­voll

Finanz und Wirtschaft - - AUSLAND - THO­MAS PENTSY

Die Er­leich­te­rung in Ban­ken­krei­sen war gross: Nach gut zwei­ein­halb Mo­na­ten har­ter Ar­beit hat die Ag­ri­cul­tu­ral Bank of Chi­na (ABC) ver­gan­ge­ne Wo­che von der Hong Kong Ex­ch­an­ges & Clea­ring (HKEx) grü­nes Licht für ei­nen Bör­sen­gang in Hong­kong er­hal­ten. Das In­iti­al Pu­b­lic Of­fe­ring (IPO) von Chi­nas letz­ter bis­her noch nicht ko­tier­ter Staats­bank ist nicht nur ein Grad­mes­ser für die Markt­stim­mung in der süd­chi­ne­si­schen Son­der­ver­wal­tungs­zo­ne, wo­mög­lich ist die­ses Go­ing Pu­b­lic auch ein Ka­ta­ly­sa­tor, der den Ak­ti­en­kurs des Bör­sen­be­trei­bers HKEx wie­der in Schwung brin­gen könn­te. Denn die Ti­tel HKEx ha­ben seit Ju­li 2009 ori­en­tie­rungs­los in ei­ner Band­brei­te von 114 bis 154 HK-$ ge­pen­delt und no­tie­ren der­zeit mit rund 121 HK-$ nur un­we­sent­lich über dem tiefs­ten Stand der letz­ten 52 Han­dels­wo­chen.

Ge­rin­ge­res Um­schlag­s­tem­po

Im ge­drück­ten Kurs­ni­veau der HKEx spie­geln sich meh­re­re be­las­ten­de Fak­to­ren. Zum ei­nen sind der durch­schnitt­li­che Ta­ges­um­satz und die Ka­pi­tal­um­schlags­ge­schwin­dig­keit an der Bör­se Hong­kong seit Jah­res­be­ginn un­ter den Er­war­tun­gen ge­blie­ben. Da­her ver­moch­te der Leis­tungs­aus­weis der HKEx für das ers­te Jah­res­vier­tel auch nicht zu über­zeu­gen. Noch da­zu ha­ben Ana­lys­ten die Ge­winn­pro­gno­sen für das zwei­te Quar­tal ge­kürzt, weil sie ei­ne wei­ter rück­läu­fi­ge Ka­pi­tal­um­schlags­ge­schwin­dig­keit und ei­nen tie­fe­ren Han­dels­um­satz er­war­ten. Zum an­de­ren ha­ben meh­re­re IPO-Kan­di­da­ten ih­re Plä­ne für ei­nen Bör­sen­gang im ers­ten oder zwei­ten Quar­tal in Hong­kong ent­we­der zu­rück­ge­zo­gen oder die Pu­bli­kums­öff­nung wie Swire Pro­per­ties, die Toch­ter des Hong­kon­ger Kon­glo­me­rats Swire Pa­ci­fic, auf un­be­stimm­te Zeit ver­scho­ben.

Bei­de Ent­wick­lun­gen sind zu ei­nem gu­ten Teil der Schul­den­kri­se in Eu­ro­pa zu- zu­schrei­ben und sind kein Hong­kong­spe­zi­fi­sches Pro­blem. Die Schul­den­pro­ble­me im Wes­ten ha­ben die Gross­wet­ter­la­ge an den Fi­nanz­märk­ten ge­trübt und zu ei­ner hö­he­ren Ri­si­ko­aver­si­on der An­le­ger ge­führt. Dass HKEx ge­mes­sen an der Per­for­mance un­ter den welt­weit rund sech­zehn ko­tier­ten Bör­sen­be­trei­ber­ak­ti­en im hin­te­ren Ta­bel­len­drit­tel lan­den, er­staunt den­noch ein we­nig: Schlech­ter als HKEx ha­ben 2010 nur Hel­le­nic Ex­ch­an­ges, Du­bai Fi­nan­ci­al Mar­ket und London Stock Ex­ch­an­ge ab­ge­schnit­ten (vgl. Ta­bel­le).

In die­sem Bild geht ein Stück weit un­ter, dass die HKEx als An­bie­ter von ver­ti­kal in­te­grier­ten Bör­sen­dienst­leis­tun­gen im in­ter­na­tio­na­len Wett­be­werb stark po­si­tio­niert ist und auf mit­tel-bis lang­fris­ti­ge Sicht so­li­de Wachs­tums­aus­sich­ten hat. Das äus­sert sich et­wa in der IPO-Pi­pe­line, die – falls sich das Markt­um­feld nicht wei­ter ver­schlech­tert – für das zwei­te Halb­jahr gut ge­füllt er­scheint. Nach dem Go­ing Pu­b­lic der ABC ste­hen ei­ni­ge pro­mi­nen­te Kan­di­da­ten aus Chi­na be­reit, die nach ih­rer Bör­sen­ein­füh­rung die Markt­brei­te und -tie­fe der Hong­kon­ger Bör­se wei­ter ver­bes­sern wer­den. Aus die­sem Grund kommt ei­nem er­folg­rei­chen Go­ing Pu­b­lic der Ag­ri­cul­tu­ral Bank of Chi­na auch ei­ne ge­wis­se Si­gnal­wir­kung zu.

Ja zu Russ­land und Bra­si­li­en

Punk­to Markt­ver­brei­te­rung hat die HKEx schon ei­ni­ge Fort­schrit­te ver­zeich­net. En­de 2008 et­wa wa­ren in Hong­kong 1261 Un­ter­neh­men ko­tiert, der­zeit sind es 1334. Er­wäh­nens­wert ist da­bei, dass Hong­kong 2009 mit ei­nem Vo­lu­men von 244 Mrd. HK-$ der gröss­te IPO-Markt der Welt war. Da­bei ha­ben sich zu­letzt auch die An­stren­gun­gen der HKEx aus­ge­zahlt, sich im IPO-Ge­schäft et­was von Chi­na zu lö­sen. Mit dem Alu­mi­ni­um­kon­zern Ru­sal aus Russ­land (IPO-Vo­lu­men von 17,4 HK-$) und der fran­zö­si­schen Kos­me­tik­grup­pe L’Oc­ci­ta­ne In­ter­na­tio­nal (IPO-Vo­lu­men von 5,5 HK-$) ha­ben die­ses Jahr be­reits zwei aus­län­di­sche Un­ter­neh­men ih­re Ak­ti­en in Hong­kong ko­tie­ren las­sen.

Markt­ge­rüch­ten zu­fol­ge füh­ren auch bra­si­lia­ni­sche Ge­sell­schaf­ten Ver­hand­lun­gen mit der HKEx über ei­ne Bör­sen­ein­füh­rung am süd­chi­ne­si­schen Ak­ti­en­markt. Kon­kre­ti­siert hat sich da aber noch nichts. Mit Pe­tro­pavlovsj in­ter­es­siert sich of­fen­bar auch Russ­lands dritt­gröss­ter Gold­för­de­rer für ein Go­ing Pu­b­lic in Hong­kong. Nach Schät­zun­gen des ja­pa­ni­schen Wert­schrif­ten­hau­ses Dai­wa Se­cu­ri­ties könn­ten die Rus­sen durch ei­ne Pu­bli­kums­öff­nung bis zu 200 Mrd. HK-$ lö­sen.

Han­deln statt war­ten

Ob­wohl in di­rek­ter Kon­kur­renz zu den Fest­land­bör­sen Shen­zhen und Schang­hai ste­hend, pro­fi­tiert die HKEx von ih­rer Nä­he zur Volks­re­pu­blik und Chi­nas Markt­re­for­men im Fi­nanz­be­reich. Statt wei­ter auf den vor un­ge­fähr vier Jah­ren an­ge­kün­dig­ten Th­rough Train zu war­ten, der bis heu­te nie an­ge­kom­men ist, plant die HKEx nun, struk­tu­rier­te Pro­duk­te ein­zu­füh­ren, die in Yuan de­no­mi­niert sind (das Pro­gramm Th­rough Train hät­te chi­ne­si­schen Pri­vat­an­le­gern er­laubt, erst­mals di­rekt in Hong­kong Ak-

Die gröss­ten Bör­sen­un­ter­neh­men ti­en zu kau­fen). Die­se neu­en Pro­duk­te soll­ten vor al­lem von Aus­län­dern gut auf­ge­nom­men wer­den. Denn die In­ves­ti­ti­ons­quo­ten aus­län­di­scher In­sti­tu­tio­nel­ler für Ak­ti­en­an­la­gen an den Fest­land­bör­sen, die so­ge­nann­ten Qua­li­fied For­eign In­sti­tu­tio­nal In­ves­tors (QFII), sind ge­mes­sen an der in­ter­na­tio­na­len Nach­fra­ge nicht aus­rei­chend.

Um­ge­kehrt sind sol­che Pro­duk­te auch für die Qua­li­fied Do­mestic In­sti­tu­tio­nal In­ves­tors (QDII) in­ter­es­sant. Den chi­ne­si­schen In­sti­tu­tio­nel­len wur­de bis­her ei­ne In­ves­ti­ti­ons­quo­te von 64 Mrd.$ für Aus­land­an­la­gen zu­ge­teilt. Da­von sind bis jetzt of­fen­bar aber nur et­wa 30 Mrd.$ aus­ge­schöpft wor­den. In­sti­tu­tio­nel­le aus der Volks­re­pu­blik be­fürch­ten of­fen­bar Wech­sel­kurs­ver­lus­te in Fremd­wäh­rungs­an­la­gen, heisst es als Er­klä­rung da­zu.

In ei­nem wei­te­ren Rah­men, ob­gleich nur auf lan­ge Sicht, wird die HKEx auch Nutz­nies­ser der Be­stre­bun­gen Pe­kings sein, den bis­lang nicht kon­ver­ti­blen Yuan als in­ter­na­tio­na­le Han­dels-und Re­ser­ve­wäh­rung zu eta­blie­ren. Die Aus­ga­be von auf Yuan lau­ten­den Ob­li­ga­tio­nen in Hong­kong und das Pro­gramm zur Ab­wick­lung von Ex­port-und Im­port­ge­schäf­ten mit den Ase­an-Staa­ten in Yuan sind ers­te Schrit­te in die­se Rich­tung.

Bör­sen­kan­di­da­ten

In­ter­na­tio­nal im Spit­zen­feld: Ge­mes­sen am Bör­sen­wert ist die Hong Kong Ex­ch­an­ges & Clea­ring der zweit­gröss­te Bör­sen­be­trei­ber welt­weit.

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