Ein Wol­ken­krat­zer wird «grün»

Öko-Re­no­va­ti­on des Em­pi­re Sta­te Buil­ding – John­son Con­trols lie­fert die Ge­bäu­de­tech­nik – Das Pro­jekt hat Vor­zei­ge­cha­rak­ter

Finanz und Wirtschaft - - AUSLAND - JAN BAU­MANN,

Die Be­sit­zer des Em­pi­re Sta­te Buil­ding in New York ha­ben sich mit ih­rem Re­no­va­ti­ons­pro­jekt ein ho­hes Ziel ge­steckt. Die Gross­stad­ti­ko­ne aus den Dreis­si­ger­jah­ren soll zum leuch­ten­den Bei­spiel für Ener­gie­ef­fi­zi­enz wer­den. Jähr­lich 4,4 Mio. $ Kos­ten fal­len ab 2013 dank des öko­lo­gi­schen Um­baus weg. Das ent­spricht 38% Ef­fi­zi­enz­ge­winn.

Die Idee über­zeugt so­gar scharf kal­ku­lie­ren­de Lie­gen­schaf­ten­ma­gna­ten in Man­hat­tan: Wenn schon ei­ne Re­no­va­ti­on des 1931 er­rich­te­ten Ko­los­ses aus St­ein und Stahl nö­tig ist, dann bes­ser so, dass ein öko­lo­gi­scher Zu­satz­nut­zen ent­steht. Das stei­gert Pres­ti­ge und Pro­fit. Vor we­ni­gen Wo­chen hat das 2008 ge­star­te­te Pro­jekt die Ener­gy-Star-No­te 90 von der USUm­welt­schutz­be­hör­de er­hal­ten. Da­mit ist amt­lich ver­bürgt: Das Em­pi­re Sta­te Buil­ding zählt künf­tig in Sa­chen Ener­gie­ef­fi­zi­enz zu den füh­ren­den 10% al­ler kom­mer­zi­ell ge­nutz­ten Bau­ten (neu und alt) in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten.

Hand­lungs­be­darf ist gross

In der Re­gel ge­hen US-Im­mo­bi­li­en­ei­gen­tü­mer mit Ener­gie eher zu ver­schwen­de­risch um. Aus dem Land stam­men 20% des glo­bal an­fal­len­den Koh­len­di­oxids (CO2). Nur Chi­na stösst mit 22% noch mehr von dem Gas aus, das über den Treib­haus­ef­fekt zur Kli­ma­er­wär­mung bei­trägt. In New York Ci­ty sind Ge­bäu­de die Qu­el­le von 70% al­ler CO2-Emis­sio­nen. Wer von der Aus­sichts­platt­form des Em­pi­re Sta­te Buil­ding auf die Dä­cher der um­lie­gen­den Hoch­häu­ser blickt, sieht die Ab­luft­tur­bi­nen der rie­si­gen Kli­ma­an­la­gen.

Ver­schärft wird das Ener­gie­pro­blem New Yorks durch den ho­hen Alt­bau­be­stand. Über 40% al­ler Bü­ro­tür­me wur­den vor 1945 er­rich­tet. So er­ha­ben sie in den Him­mel ra­gen, so schlecht iso­liert sind sie. Es ist viel schwie­ri­ger, die Di­no­sau­ri­er un­ter den Wol­ken­krat­zern um­welt­ver­träg­lich zu ma­chen, als öko­lo­gisch schlan­ke Neu­bau­ten hoch­zu­zie­hen. Schon des­halb ver­dient das Re­no­va­ti­ons­vor­ha­ben an der Fifth Ave­nue zwi­schen 33. und 34. Stras­se Re­spekt.

Ant­ho­ny Mal­kin von der gleich­na­mi­gen Ei­g­ner­fa­mi­lie hat für die Aus­ar­bei­tung des Pro­jekts mit der Kli­ma­stif­tung des ehe­ma­li­gen US-Prä­si­den­ten Bill Cl­in­ton zu­sam­men­ge­spannt. Spe­zia­lis­ten vom un­ab­hän­gi­gen, nicht­kom­mer­zi­el­len Ro­cky Moun­tain In­sti­tu­te in Co­lo­ra­do er­stell­ten ei­ne Mo­dell­rech­nung, die ad­mi- nis­tra­ti­ve Pro­jekt­lei­tung über­gab Mal­kin der Lie­gen­schaf­ten­ser­vice­ge­sell­schaft Jo­nes Lang Lasal­le.

Ei­ne Schlüs­sel­rol­le in der Um­set­zung hat John­son Con­trols: Der in Mil­wau­kee an­säs­si­ge Tech­no­lo­gie­kon­zern hat sich dem The­ma Cle­an Tech ver­schrie­ben und ist aus­ser­dem ein füh­ren­der US-Au­to­mo- bil­zu­lie­fe­rer, un­ter an­de­rem für die Her­stel­lung von Hy­brid-und Elek­tro­mo­bi­len. John­son Con­trols lie­fert für das Em­pi­re Sta­te Buil­ding die Ge­bäu­de­tech­nik – von den Iso­lier­fens­tern über die Kli­ma­an­la­ge, die Be­leuch­tung und die Be­lüf­tung bis zum com­pu­ter­ge­stütz­ten Ener­gie­nut­zungs­sys­tem, das auf die un­ter­schied­li- Durch die In­stal­la­ti­on so­ge­nannt smar­ter Ge­bäu­de­tech­nik ent­ste­hen ge­mäss Mas­ter­plan 13,2 Mio. $ zu­sätz­li­che Um­bau­kos­ten. In le­dig­lich drei Jah­ren kön­nen die Be­trei­ber die­sen Mehr­auf­wand amor­ti­sie­ren, denn jähr­lich fal­len 4,4 Mio. $ we­ni­ger Ener­gie­auf­wand an als nach ei­ner kon­ven­tio­nel­len Re­no­va­ti­on. «Um­welt­schutz ist so viel leich­ter, wenn er öko­no­misch Sinn er­gibt», kom­men­tiert Lie­gen­schafts­be­sit­zer Mal­kin.

Für John­son Con­trols als Haupt­lie­fe­rant der um­welt­scho­nen­den Tech­nik ist das Em­pi­re Sta­te Buil­ding ein Re­fe­renz­pro­jekt. Nicht oh­ne Grund hat das Un­ter­neh­men un­längst im «Wall Street Jour­nal» und im «Eco­no­mist» ganz­sei­ti­ge In­se­ra­te ge­schal­tet mit dem Bild des Pracht­baus und dem Slo­gan «Wenn es hier funk­tio­niert, funk­tio­niert es über­all». In der Ge­bäu­de­tech­no­lo­gie sieht das Ma­nage­ment glo­bal ein lu­kra­ti­ves Wachs­tums­feld. Um hier Lö­sun­gen auf dem tech­no­lo­gisch höchs­ten Stand an­bie­ten zu kön­nen, ko­ope­riert der Kon­zern (28,5 Mrd.$ Um­satz 2009) un­ter an­de­rem mit Tech-Gi­gan­ten wie IBM. Die Ak­ti­en sind als reiz­vol­le Er­gän­zungs­an­la­ge zu be­trach­ten.

Das 1931 fer­tig­ge­stell­te Em­pi­re Sta­te Buil­ding über­ragt bis heu­te Mid­town Man­hat­tan.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.