Mur­doch ist in Kauf­lau­ne

Finanz und Wirtschaft - - AUSLAND - STM

Der aus­tra­li­sche Me­dien­un­ter­neh­mer Ru­pert Mur­doch sucht für sei­nen US-Kon­zern News Corp nach Aus­we­gen aus der Ab­hän­gig­keit vom In­se­ra­te­markt und strebt ei­ne stär­ke­re Stel­lung im Pay-TVMarkt an. Das Un­ter­neh­men hat am Mon­tag nach Bör­sen­schluss in Eu­ro­pa be­kannt­ge­ge­ben, es wol­le Al­lein­be­sit­zer von Bris­tish Sky Broad­cas­ting (BSkyB) wer­den. News Corp, die un­ter an­de­rem die Zei­tun­gen «The Ti­mes», «The Sun» und «Wall Street Jour­nal» her­aus­gibt und den TVSen­der «Fox» be­treibt, hält be­reits ei­nen 39%-An­teil am bri­ti­schen An­bie­ter von Be­zahl­fern­seh­an­ge­bo­ten.

BSkyB ver­langt mehr

Für die rest­li­chen 61% legt der Kon­zern nun ein An­ge­bot von 7,8 Mrd. £ (13,1 Mrd. Fr.) bzw. 700 p pro Ak­tie auf den Tisch. Das ent­spricht ei­ner Prä­mie von 19,5% auf den Kurs vom Frei­tag. Cha­se Ca­rey, stell­ver­tre­ten­der Ver­wal­tungs­rats­prä­si­dent von News Corp und da­mit hin­ter Ru­pert Mur­doch die Num­mer zwei des Kon­zerns, hielt fest, das Un­ter­neh­men wol­le sich mit der Über­nah­me vom zy­kli­schen Wer­be­markt (vgl. Sei­te 29) lö­sen und ver­mehrt fi­xe Abon­nen­ten­ein­nah­men ge­ne­rie­ren. Auch wer­de mit der Stär­kung des Ge­schäfts in Gross­bri­tan­ni­en die geo­gra­fi­sche Di­ver­si­fi­ka­ti­on er­höht.

Die Ver­tre­ter von BSkyB – oh­ne den in Aus­stand ge­tre­te­nen Ja­mes Mur­doch, den Sohn von Ru­pert Mur­doch und Ver­wal­tungs­rats­prä­si­dent des bri­ti­schen Un­ter­neh­mens – lehn­ten das An­ge­bot am Di­ens­tag als zu tief ab. Sie er­klär­ten in ei­ner Pres­se­mit­tei­lung, bei ei­nem Preis von 800 p pro Ak­tie wä­ren sie zu Ge­sprä­chen be­reit. An­ge­sichts der gros­sen Li­qui­di­täts­re­ser­ven von News Corp – per En­de März be­lief sich die Brut­to­li­qui­di­tät auf 8,2 Mrd. $ – rech­nen die Ana­lys­ten da­mit, dass die Of­fer­te er­höht wird. Auch die Bör­se scheint die­ser Mei­nung zu sein: Die BSkyB-Ti­tel leg­ten am Di­ens­tag rund 20% auf knapp 720 p zu.

Ge­rüch­te um deut­sche Sky

Bei­de Par­tei­en ei­nig­ten sich dar­auf, in ei­nem ers­ten Schritt die Be­wil­li­gung der bri­ti­schen Wett­be­werbs­be­hör­de ein­zu­ho­len. Die­ser Pro­zess kann über ein Jahr dau­ern. So­lan­ge wird News Corp ge­mäss Ver­ein­ba­rung kei­ne feind­li­che Über­nah­me an­stre­ben. Ein Ana­lyst sag­te ge­gen­über der Lon­do­ner «Fi­nan­ci­al Ti­mes», es sei kein Zu­fall, dass das An­ge­bot ge­ra­de jetzt kom­me. In Gross­bri­tan­ni­en wer­de im PayTV-Markt ein Preis­krieg zwi­schen BSkyB, dem Te­le­kom­an­bie­ter BT und Richard Bran­sons Vir­gin Media er­war­tet. Das drü­cke auf den Ak­ti­en­kurs.

Auch die Ak­ti­en des deut­schen Pay-TVSen­ders Sky Deutsch­land (ehe­mals Pre­mie­re) zo­gen am Di­ens­tag deut­lich an (SDax; +17% auf 1.58 €). News Cor­po­ra­ti­on hält 45,4% des Un­ter­neh­mens, das in Deutsch­land und Ös­ter­reich ak­tiv ist. Es kom­men im­mer wie­der Ge­rüch­te auf, News Corp wol­le Sky Deutsch­land kom­plett über­neh­men.

Trotz­dem no­tier­ten die Va­lo­ren vor kur­zem auf ei­nem All­zeit­tief. Das Ge­schäft ist in ers­ter Li­nie ab­hän­gig von der deut­schen Fussball-Bun­des­li­ga. Mit nur knapp 2,5 Mio. Abon­nen­ten ge­ne­riert der Sen­der nach wie vor Ver­lust. Die Aus­sicht auf deut­lich stei­gen­de Abon­nen­ten­zah­len ist ge­ring, so­lan­ge Zu­sam­men­fas­sun­gen der Bun­des­li­ga­spie­le in Deutsch­land zeit­nah in den öf­fent­lich-recht­li­chen Sen­dern ver­brei­tet wer­den und Fussball für al­le qua­si als Grund­recht an­ge­se­hen wird.

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